40 Castrop-Rauxeler bei Demo: „Es geht nicht um Thüringen, sondern um ganz Europa“

Demokratie

Donnerstagabend haben etwa 40 Castrop-Rauxeler spontan auf dem Marktplatz gegen die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen demonstriert. In vielen Punkten waren sich alle einig.

Castrop

von Joel Kunz

, 07.02.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
40 Castrop-Rauxeler bei Demo: „Es geht nicht um Thüringen, sondern um ganz Europa“

Bürgermeister Rajko Kravanja wollte mit den Bürgern gemeinsam ein Zeichen setzen. Auch Landtagsabgeordnete Lisa Kapteinat (SPD), Ratsherr Sebastian John, Thomas Kurtenbach, Florian Pätzold und Andreas Kemna (Die Partei) kamen. Daniel Djan (hinten, Mitte) meldete die Demo an. © Joel Kunz

Am Donnerstagabend (6.2.) haben sich Bürger unter dem Motto „Pro Demokratie“ am Reiterbrunnen getroffen, um gemeinsam gegen die Umstände der Wahl in Thüringen zu protestieren.

Obwohl anfangs als Kundgebung geplant, entschieden sich die knapp 40 Teilnehmer dazu, gegen Populismus mit Kerzen, Musik und gemeinsamen Gesprächen ein Zeichen zu setzen.

Die Veranstaltung hatte der Vorsitzende der Castrop-Rauxeler Jusos, Daniel Djan, spontan gegen Mittag als Reaktion auf die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen bei der Polizei angemeldet.

Mitglieder aus verschiedenen Parteien nahmen an der Veranstaltung teil, unter anderem Vertreter der SPD, der FDP, der Linkspartei und der „Partei“ anwesend. Auch Bürgermeister Rajko Kravanja kam pünktlich um 18 Uhr, um seiner Unterstützung für die Demokratie Ausdruck zu verleihen.

Die Veranstaltung verlief unter Beobachtung der Polizei vollkommen friedlich. Gegen 19 Uhr war sie beendet.

Aber was sagten denn die Teilnehmer über die Demonstration?

Rajko Kravanja (SPD): „Zwar ist die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen innerhalb demokratischer Grenzen abgelaufen, was ich aber absolut nur als Amtsperson sage. Als politische Person sage ich jedoch ausdrücklich: Wehret den Anfängen! Es ist wichtig, entschieden gegen rechte Gesinnung einzutreten. Hier geht es nicht nur um Thüringen, sondern um ganz Europa. Ich bin stolz darauf, hier zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern Castrop-Rauxels gemeinsam für die Demokratie einzustehen.“

Uwe Biletzke (Die Linke): „Wir stehen ein für die Demokratie, doch die AfD ist in unseren Augen keine demokratische Partei. Wir sind entschieden für den Kampf gegen Rechts. Viele wählen die AfD aus Protest. Um dem entgegenzuwirken, muss in der Gesellschaft jedoch die Spaltung überwunden werden durch weniger Egoismus und mehr soziale Gerechtigkeit.“

Marcus Liedschulte (Die Partei): „Satire hat keine Grenzen, Macht schon. In Thüringen wurde die Grenze der Macht überschritten. Aber eigentlich sind wir der FDP ja zu Dank verpflichtet, denn sie zerlegt sich damit momentan eher selbst.“

Ingegard Pier: „Echte Demokraten sollten sich niemals von der AfD wählen lassen. Auch wenn es so scheinen mag, aber Thüringen ist gar nicht so weit weg von hier. Wir müssen im ganzen Land wachsam bleiben. Denn jeder kann etwas tun, auch im kleinen Bereich, auch hier in Castrop-Rauxel. Gerade jetzt, 55 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz, ist das wichtig.“

Daniel Djan (SPD, Anmelder der Demo): „Ich bin absolut zufrieden. Es sind sogar mehr Leute als erwartet gekommen. Wir wollten ursprünglich eine Kundgebung halten, aber durch den gemeinsamen Dialog hat sich eine solch schöne Athmosphäre ganz im Sinne des Mottos gebildet, die wir dann nicht stören wollten.“

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