Der aktuelle Bußgeldkatalog für Corona-Verstöße wird immer länger

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Die Corona-Zahlen wachsen langsam, Experten warnen aber vor einem explodierenden Virus. Das Land und die Stadt drohen dabei mit saftigen Bußgeldern. Wir geben einen Überblick.

Castrop-Rauxel

, 06.10.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Wochenende sieht es an der Corona-Front so aus: 1021 Menschen sind aktuell im Regierungsbezirk Münster mit dem Coronavirus infiziert, davon stammen 243 aus dem Kreis Recklinghausen und davon wiederum 29 aus Castrop-Rauxel.

Keine hohen Zahlen, sagen Kritiker einer „Corona-Hysterie“.

Zahlen, die allemal ausreichen, um strikte Regeln weiter durchzuhalten, sagen Wissenschaftler.

Um das nachzuvollziehen, bedarf es einer einfachen Rechnung. Eingedenk der Tatsache, dass sich Infektionen bekanntlich nicht linear ausbreiten. Bei Epidemien wächst die Zahl der Fälle also nicht gleichbleibend in einem bestimmten Zeitraum. Vielmehr besteht die Gefahr eines exponentiellen Wachstums.

Infektionswachstum kann explodieren

Um die drastischen Maßnahmen gegen die ungebremste Ausbreitung des Coronavirus zu verstehen, hilft eine alte Legende: Demnach durfte sich der mutmaßliche Erfinder des Schachbrettspiels von seinem Herrscher einen Lohn wünschen. Er ließ die 64 Felder des Schachbretts mit Reiskörnern belegen. Auf das erste Feld sollte ein Korn kommen, dann jeweils doppelt so viele auf jeweils das nächste Feld. Das Ergebnis soll der Herrscher des Reichs damals maximal unterschätzt haben: Auf dem letzten Feld hätten nämlich mehr als 18 Trillionen Reiskörner platziert werden müssen.

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Bezogen auf heute: Sollten die 29 Castrop-Rauxeler Covid-Patienten am ersten Tag 29 weitere Menschen angesteckt haben und diese 58 Menschen am zweiten Tag weitere 58 Menschen anstecken und so weiter, dann hätten wir schon nach nur einer Woche in Castrop-Rauxel 3712 Infizierte und nach 11,5 Tagen wären alle knapp 75.000 Castrop-Rauxeler schon mit dem Coronavirus angesteckt.

Damit diese Infizierung nicht passieren kann, ist es so wichtig, Infizierte in Quarantäne zu bringen und die Kontakte aller positiv getesteten Menschen schnell nachzuvollziehen, um die Ausbreitung zu verhindern. Wer im Restaurant einen Phantasienamen angibt, lässt dabei wissentlich zu, dass eine Nachverfolgung von Infektionsketten unmöglich gemacht wird.

Bei Verstößen drohen saftige Bußgelder

Und genau dagegen soll die Kontrolle von Gästelisten wirken, dagegen sollen die angedrohten saftigen Bußgelder wirken, die auch von der Stadt Castrop-Rauxel angekündigt wurden. Die aktuellen Bußgelder sehen wie folgt aus:

  • Missachtung der Maskenpflicht: 150 Euro
  • Verzehr von Außer-Haus-Speisen und Getränken im Umkreis von weniger als 50 Meter: 200 Euro
  • Beteiligung an einer Zusammenkunft oder Ansammlung im öffentlichen Raum ohne Erfüllung der dafür geltenden Voraussetzungen: 250 Euro
  • Nutzung von Bussen oder Bahnen ohne Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung: 150 Euro
  • Durchführung von unerlaubten Musikfesten, Festivals etc: 5000 Euro
    Jeder Teilnehmer zahlt 250 Euro
  • Betrieb eines Geschäftslokals ohne Schutzmaßnahmen oder Betrieb trotz Überschreitung der Höchstzahl von Kunden: 500-1000 Euro
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  • Durchführung eines privaten Festes ohne herausragenden Anlass oder mit erkennbar mehr als 150 Teilnehmern: 500-2500 Euro
    Jeder Teilnehmer zahlt 250 Euro
  • Betrieb einer gastronomischen Einrichtung ohne Gewährleistung der dort genannten geeigneten Vorkehrungen: 1000 Euro
  • Als Gast einer Gaststätte Angabe eines falschen Namens: 250 Euro
  • Platznehmen mit anderen Personen am selben Tisch ohne Erfüllung der dafür geltenden Voraussetzungen: 200 Euro
  • Private Feier wird nicht drei Tage zuvor beim Ordnungsamt angemeldet: 500 Euro
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