Der IBKF kommt nach Schwerin zurück und zieht in „Giselas Pommesbude“ ein

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Der IBKF schlägt sein Domizil wieder an der Bodelschwingher Straße auf. Es geht in die frühere Pommesbude von Gisela. An viele Traditionen möchte man wieder anknüpfen.

Schwerin

, 21.08.2020, 08:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist fast so, wie nach Hause zu kommen, wenn der Internationale Bildungs- und Kulturverein für Frauen (IBKF) bald sein Domizil in der Altstadt verlässt. Von der Wittener Straße geht es wieder zurück – den Berg hoch. Nach Schwerin, wo vor fast 22 Jahren alles begann.

Die Wiege für die integrative Arbeit, das Bemühen, deutschstämmige Frauen und Geschlechtsgenossinnen aus allen möglichen Ländern in gemeinsame Projekte einzubinden, stand in der ehemaligen Pestalozzi-Grundschule an der Bodelschwingher Straße.

Frauen eine neue Perspektive eröffnen

Vor allem Frauen aus der Türkei, viele von ihnen vor Jahrzehnten mit ihren Männern gekommen, die auf dem Pütt Arbeit gefunden hatten, wollte IBKF-Chefin Ruziye Malkus die Möglichkeit eröffnen, besser Deutsch zu lernen. Aber auch die Chance bieten, mehr teilzuhaben, das Selbstwertgefühl zu stärken und ein bisschen Geld durch Nähen zu verdienen.

Daraus sind unzählige Projekte entstanden. Deutschkurse, Nähkurse, Modenschauen, Angebote für Kinder – etwa beim Casterix-Ferienprogramm, aber auch darüber hinaus. Das gemeinsame Frühstück – jeden Dienstag hoch unterm Dach in dem ehemaligen Schulgebäude an der Bodelschwingher Straße – hatte schnell Kultstatus angenommen.

Internationales Kochen wegen Corona gestrichen

Ein Meilenstein war das beliebte Internationale Kochen in den Beruflichen Schulen in Habinghorst. Wegen Corona fällt das nach wie vor aus. Die Entwicklung des Modelabels Vest mit dem Laden an der Oberen Münsterstraße bildete einen weiteren Meilenstein und dann gab es die Herausforderung, auch Ankerpunkt zu werden, als ab 2015 viele Flüchtlinge nach Castrop-Rauxel kamen.

Wie viele Stunden Übersetzungsarbeit die Schweriner Schneidermeisterin Ruziye Malkus seit Bestehen des Vereins geleistet hat, kann die 61-Jährige, die für ihr Engagement in der integrativen Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden ist, gar nicht beziffern. „Wir machen Arbeit am Menschen“, sagt sie bescheiden.

An der Wittener Straße lief es ein bisschen holperig

Jetzt der Umzug nach Schwerin, zur Bodelschwingher Straße 47. Eine Adresse, lange Jahre als „Giselas Pommesbude“ bekannt. An der Wittener Straße, wohin der Verein vor drei Jahren gezogen war, sei es eher zögerlich gelaufen, erzählt Ruziye Malkus. Die Frauen hätten halt mit dem Bus fahren müssen. Auch die Parkplatzsuche in der Altstadt sei wohl ein Problem gewesen.

Ende August soll der Umzug geschultert sein. „Wir freuen uns riesig drauf“, sagt auch Marlies Graeber vom Vereinsvorstand. Zur Verfügung stehen Räume in einer Größenordnung von 90 Quadratmetern. Mit einer schönen, großen Terrasse. Genug, auch in Corona-Zeiten.

Maskennähen linderte die Existenzsorgen des IBKF

Überhaupt Corona: So schlimm, wie die Pandemie auch sei, für den IBKF, der chronisch unter Geldmangel leide, habe sie Existenzprobleme lindern können, berichtet die Schwerinerin. Weit über 1000 Masken haben sie gegen Spenden genäht – auch in Zusammenarbeit mit der Initiative von Dr. Christian Kühne und „Wir sind das neue Ich“.

„Wir sind da sehr dankbar, auch für die Materialspenden, die uns in unserem Laden an der Oberen Münsterstraße immer wieder erreichen“, sagt Ruziye Malkus. Getreu der Idee, aus alten Klamotten wieder neue Kleidung zu zaubern.

Sprachkurse möchte der IBKF wieder anbieten: für Frauen aus der Türkei, für Syrerinnen. Es soll auch wieder Nähkurse für Kinder und Jugendliche geben. Und das gemeinsame wöchentliche Frühstück, ab September an jedem Mittwoch.

Und noch eins ist den IBKF-Frauen wichtig: mehr Bänke. Damit Fußgänger eine Pause einlegen können, für Menschen, die zu Fuß unterwegs sind. Ruziye Malkus sagt dazu: „Welche Partei das durchsetzt, ist mir egal. Es ist an der Zeit, dass wir hier in Castrop-Rauxel an einem Strang für die Menschen bei uns ziehen.“

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