Der Türkei-Kurden Konflikt in Castrop-Rauxel: Wie groß ist die Gefahr?

hzTürkei-Kurden Konflikt

Bei einem Fußballspiel des FC Castrop-Rauxel ging es am Rande um den Türkei-Kurden Konflikt. Und in Ditib-Gemeinden wird vereinzelt für türkische Soldaten gebetet. Das sagt die Polizei.

Castrop-Rauxel

, 15.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der FC Castrop-Rauxel ist mit der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien in Berührung gekommen. Beim Gastspiel gegen den Rot-Weiß Türkspor (RWT) Herne zeigte einer der RWT-Spieler nach dem 2:1-Führungstreffer den Militärgruß. Die UEFA verbietet grundsätzlich politische Botschaften im Umfeld eines Fußballspieles. Das gilt bis zur Kreisligaebene. In Herne ging es nach dem 2:1 weiter.

Die Heimmannschaft – Rot-Weiß Türkspor – fühlte sich fortan vom Schiedsrichter benachteiligt. In der 73. Minute eskalierte das Spiel, als der Schiedsrichter aufgrund eines Handspiels einen Elfmeter gegen Rot-Weiß Türkspor gepfiffen hatte. Zu dem Zeitpunkt führte der FC Castrop-Rauxel mit 3:2. Es folgten zwei rote Karten gegen Türkspor, zwei Leichtverletzte und der Spielabbruch, weil Türkspor-Spieler die Linien- und Schiedsrichter bedrängten.

„Gewalt geht gar nicht. “
Onur Kocakaya, Geschäftsführer SV Wacker Obercastrop

Onur Kocakaya ist Deutscher mit kurdisch-türkischem Migrationshintergrund und Geschäftsführer des SV Wacker Obercastrop. Zum Fußballspiel in Herne sagt er: „Gewalt geht gar nicht. Unser Verein steht für Offenheit und Toleranz! Bei uns gibt es Menschen unterschiedlicher Herkunft, darunter aus Syrien und der Türkei. Der Krieg ist bei uns kein Thema. Aber jubeln kann jeder, wie er möchte!“ Wofür der Militärgruß steht, könne er jedoch nicht sagen.

Die Bedeutung des türkischen Militärgrußes

Der Türkei-Experte Eren Güvercin teilte unserer Redaktion auf Nachfrage mit: „Das Militär ist in der Türkei etwas Heiliges. Der Militärgruß hat eine längere Tradition und kommt immer dann zum Vorschein, wenn kriegerische Konflikte auftreten. Mit dem Gruß zollen die Menschen den Soldaten Respekt für ihren Einsatz und zeigen Rückhalt. Die Stimmung in der Türkei ist in Kriegszeiten militant und nationalistisch.“

Dass sich diese Atmosphäre auch auf Deutschland überträgt, hält Ali Ertan Toprak, Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, für wahrscheinlich. Bisher sei es zwar friedlich geblieben. Aber je mehr Tote es gibt, desto höher werde die Gefahr. Aus seiner Sicht werde vor allem von türkischer Seite Stimmung gemacht.

Ditib-Gemeinden unter Radikalisierungsverdacht

Als Beispiel nennt er bundesweit die mehr als 900 Ditib-Moscheen, in denen vereinzelt für türkische Soldaten gebetet werden soll. Einseitige Schuldzuweisungen hält Güvercin für unzutreffend, denn in der jüngsten Vergangenheit habe es auch Molotow-Cocktail-Anschläge auf Ditib-Gemeinden gegeben, die von kurdischen Gruppierungen begangen wurden. Es gebe Stimmungsmacher- und Scharfmacher auf beiden Seiten.

Güvercin bestätigt hingegen, dass es in einzelnen Ditib-Moscheen Bittgebete für türkische Soldaten gegeben habe. Er erklärt dies damit, dass die Ditib strukturell und personell von der türkischen Religionsbehörde Diyanet abhängig ist. Ein Vertreter der Ditib-Mevlana-Moschee in Castrop-Rauxel, der namentlich nicht genannt werden möchte, wollte zu diesen Vorwürfen keine Stellung beziehen.

So schätzt die Polizei die Gefahr in Castrop-Rauxel ein

Der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Recklinghausen, Andreas Wilming-Weber, sagt, dass es in Castrop-Rauxel seit der türkischen Militäroffensive noch keine damit verbundenen Konflikte gegeben habe. Es habe zuletzt eine pro-kurdische Demonstration in Recklinghausen gegeben.

Dort habe es keine Zwischenfälle gegeben. Dennoch sei die Polizei in Alarmbereitschaft, weil eine hohe Emotionalisierung vorherrsche. Bei den Aufklärungsmaßnahmen im Vorfeld der Demonstrationen sei der Staatsschutz auch eingebunden

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