Allein in Frohlinde fehlen im Offenen Ganztag zum neuen Schuljahr 50 Plätze

hzOffene Ganztagsschule

Die OGS der Lindenschule hat 115 Anmeldungen, aber nur 65 Plätze. Einen Überhang gibt es auch an der Wilhelm- und der Marktschule. Die Stadt muss jetzt dringend etwas tun.

Frohlinde

, 08.05.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Rund 50 Prozent der Grundschüler in Castrop-Rauxel werden im Offenen Ganztag betreut. Die Anmeldung dafür muss für jedes Schuljahr erneuert werden. Ab dem Sommer gibt es einen deutlichen Anmeldeüberhang an der Lindenschule in Frohlinde. Wie die Stadt damit umgehen will, erklärte Sozialdezernentin Regina Kleff den Eltern am Montag bei einem Elternabend.

Mit dabei war auch Yvonne Pfeifer, Klassenpflegschaftsvorsitzende der Klasse 2a. Sohn Tim (7) kommt in die dritte Klasse und ist bisher nach dem Unterricht in die OGS gegangen. So soll es auch nach den Sommerferien sein, seine Eltern arbeiten beide Vollzeit. Pfeifer: „Wir brauchen den Platz auf jeden Fall.“ Und sie werden ihn auch bekommen - genau wie alle anderen angemeldeten Kinder.

Modulbauweise auf der Wiese

Sozialdezernentin Regina Kleff verkündete, dass die Stadt auf der Wiese neben der Schule Container errichten will, sodass alle 115 angemeldeten Kinder in der Offenen Ganztagsschule betreut werden können. Kleff: „Uns ist es ein Anliegen, dass alle Kinder betreut werden können. Die Familien kennen die Betreuungszeiten aus den Kitas, da sollte es bei der Schwelle zur Schule nicht plötzlich zu Problemen kommen.“

Das Personal werde aufgestockt, die Bewerbungsgespräche laufen derzeit, Details müssten noch geklärt werden. Dazu gehört beispielsweise das Thema Essen. Es müssen Räume geschaffen werden, in denen die Kinder umschichtig, also individuell nach Schulschluss ihr Mittagessen einnehmen. Bisher habe das immer ganz gut geklappt, irgendwann ist aber „das Ende der Fahnenstange erreicht“, erklärt Kleff.

Klassenräume seien dafür nicht gut geeignet und Büroräume werden manchmal dann doch als solche gebraucht und könnten nicht immer weiter als OGS-Räume genutzt werden.

Container-Lösung dauert aber noch

Bis zu Schuljahresbeginn werden die Container nach Angaben von Regina Kleff wohl noch nicht stehen, die Stadt müsse das Projekt zunächst ausschreiben, die Fläche muss vorbereitet und die Module schließlich aufgebaut werden - ähnlich wie bei der modularen Kita am Stadtmittelpunkt. Angepeilt ist die Fertigstellung für das Frühjahr.

In der Interimsphase müsse improvisiert werden, das heißt bestehende Räume genutzt und enger zusammengerückt werden. Personal und Sachmittel sollen im Sommer aber zur Verfügung stehen.

„Als die Nachricht kam, dass alle einen Platz bekommen, haben alle Eltern aufgeatmet“, so Yvonne Pfeifer, die noch nie so viele Eltern auf einem OGS-Elternabend gesehen hat wie am Montag. Besonders Vollzeit arbeitende und Alleinerziehende sind oft auf die Nachmittagsbetreuung angewiesen und haben ihren Alltag danach ausgerichtet.

Das Problem: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz, Eltern können nicht klagen, wenn sie nicht berücksichtigt werden. Die Vergabe läuft - ähnlich wie bei den Kitaplätzen - nach Sozialpunkten. Wer einen Vollzeitjob hat und/oder alleinerziehend ist, hat die größten Chancen auf einen Platz. Das bedeutet andersherum: Wer in Teilzeit arbeitet, muss um einen Platz bangen.

So läuft es an allen zehn Grundschulen der Stadt, mit Ausnahme der Elisabethschule. Dort wird die Betreuung über einen Förderverein geregelt. Regina Kleff sagt aber klipp und klar: „Wir wollen stadtweit kein Kind ablehnen.“ Die Plätze werden letztendlich jedoch von den Schulen selbst vergeben.

Der siebenjährige Tim wird meistens um 16 Uhr abgeholt, die Hausaufgaben sind dann erledigt, er hat längst zu Mittag gegessen und noch gespielt. Pfeifer: „Er bleibt gerne nachmittags dort, es sind viele Freunde da und die Betreuer haben wirklich ein Herz für Kinder.“ Es werden verschiedene AGs angeboten, Tim spiele jedoch am liebsten Fußball oder an Regentagen Lego Technik.

Pläne für Wilhelm- und Marktschule

Die Lindenschule ist die größte „Baustelle“ der Stadt, doch auch an der Wilhelmschule - vor rund 15 Jahren die erste, die den Offenen Ganztag angeboten hat - ist der Bedarf größer als die Zahl der Plätze, die zur Verfügung stehen. Die 125 bestehenden Plätze sind voll, es gebe jedoch 139 Anmeldungen. Dort hat die Stadt ähnliche Pläne wie für die Lindenschule, die Planungen sind nach Angaben von Regina Kleff noch nicht so weit fortgeschritten. Es soll aber für den Start im Sommer eine Lösung gefunden werden und die Eltern vorher informiert werden.

„Auch an der Marktschule in Ickern muss die Situation entzerrt werden“, erklärt Regina Kleff. Dort gibt es 150 Anmeldungen bei 140 Plätzen - stadtweit die größte Offene Ganztagsschule. Das Problem wolle man im Jahr 2020 angehen.

Elternbeiträge für OGS-Betreuung

  • Eltern müssen ab einem gewissen Jahreseinkommen einen Monatsbeitrag für einen OGS-Platz zahlen. In Castrop-Rauxel wird bis zu einem Einkommen von 17.000 Euro kein Elternbeitrag fällig.
  • Darüber hinaus sind die Beiträge nach dem Einkommen gestaffelt. Der niedrigste Beitrag liegt bei 15 Euro monatlich bei einem Jahreseinkommen bis 20.000 Euro, der höchste bei 150 Euro bei einem Einkommen von über 125.000 Euro. Das Geld für das Mittagessen kommt jeweils noch hinzu.
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