Deutschland sucht den Impfpass - Castrop-Rauxeler wissen meist nicht, wo er sein könnte

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Kinder müssen durchgeimpft sein - so die Meinung vieler Erwachsener. Aber was ist mit ihnen selbst? Dr. Holger Knapp weiß: Wer seinen Impfpass zum Arzt mitbringen soll, sucht oft vergeblich.

Ickern

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Vor einigen Jahrzehnten war er weiß, hatte ein merkwürdiges Format und war irgendwie beschichtet. Mittlerweile ist er gelb und aus dickem Papier: der Impfpass. Doch, wenn Deutschland ihn sucht, verläuft die Suche bei 32,5 von 100 Erwachsenen erfolglos. Allgemeinmediziner Dr. Holger Knapp (57) aus Ickern: „Ein Großteil der Erwachsenen hat den Impfpass verlegt oder er ist bei einem Umzug verschütt gegangen.“ Das Problem: Dann gebe es über bestehenden Impfschutz keine Dokumentation.

Ein zentrales Impfregister gibt es in Deutschland nicht. Wenn der Patient schon lange bei demselben Hausarzt ist, könnte es sein, dass dieser die Daten gespeichert hat. Oft wechselt man den Hausarzt aber ab und an - etwa durch einen Umzug. Holger Knapp empfiehlt seinen Patienten, den Impfpass - so lange er noch da ist - zu fotografieren oder zu scannen. Dann könne man die Datei auf dem Computer hinterlegen und habe eine Absicherung.

Doppelimpfungen vermeiden

Noch besser wäre es, wenn die Impfungen auf der Gesundheitskarte abgespeichert seien. Knapp: „Dann würde man Doppelimpfungen vermeiden.“ Besonders bei Tetanus kämen die relativ häufig vor. Immer wenn jemand mit einer Wunde beim Arzt oder im Krankenhaus auftaucht, kommt die obligatorische Frage: „Sind Sie gegen Tetanus geimpft?“ Weiß man es nicht genau, wird die Spritze gesetzt. Das ist bei Erwachsenen relativ häufig der Fall, bei Kindern selten, da dort der Impfpass und das Gedächtnis der Eltern meist nicht weit sind.

Als Erwachsener geht man häufig nicht mehr so oft zum Arzt und wenn, dann kommt das Thema Impfen nicht unbedingt auf den Tisch. Holger Knapp, seit 30 Jahren im Einsatz, erzählt, dass es meistens erst bei den Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen wieder Thema ist. Ab dem 36. Lebensjahr zahlt die Krankenkasse alle drei Jahre den Check-Up. „Wir bitten die Patienten immer, ihren Impfpass mitzubringen“, so der Castrop-Rauxeler Arzt. Das tut ungefähr die Hälfte. Die andere Hälfte habe ihn vergessen oder verloren.

„Die, die den Impfpass haben und mitbringen, sind häufig auch geimpft“, so Knapp. Wobei zehn Jahre rucki zucki vergehen und dann die nächste Tetanus-Impfung schon wieder fällig sei.

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Ist der Impfpass tatsächlich weg, muss man einen neuen anlegen. Das ist ärgerlich, denn Holger Knapp betont: „Jede Impfung im Leben zählt.“ Heißt: Wer einmal - beziehungsweise mittlerweile empfiehlt die STIKO zweimal - gegen Masern geimpft ist, ist ein Leben lang immun. Eine weitere Impfung wäre unnötig.

Es gibt auch ein Hintertürchen

Holger Knapp hat in seiner Praxis auch die Erfahrung gemacht, dass zu frühes Impfen, also vor Ablauf der Zehn-Jahres-Frist etwa bei Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, die lokalen Impfreaktionen verstärken kann - also Rötungen oder Schmerzen im Arm. Das sei im Vergleich zum Wundstarrkrampf, der durch Tetanus ausgelöst werden kann, im wahrsten Sinne des Wortes zu verschmerzen, dennoch ärgerlich. Das Hintertürchen ist die Titer-Bestimmung per Blutabnahme. So kann gecheckt werden, ob der Patient die entsprechenden Antikörper hat oder geimpft werden muss. Bei akuten Fällen - und das kann schon ein entzündeter Insektenstich fehlt dafür jedoch die Zeit.

Knapp erinnert zudem daran, dass Patienten häufig wegen Reiseimpfungen zu ihm kommen. In manche Länder kann man nur mit bestimmten Impfungen einreisen. Vielen Patienten fällt das relativ spät auf. „Sechs Wochen vorher sollten sie mindestens kommen“, so Knapp. Häufig müsste zweimal geimpft werden mit einem Abstand von mindestens vier Wochen. „Keiner will mit einem dicken Arm am Flughafen stehen.“

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