Die Grünen sagen: Die neuen Baugebiete decken den Bedarf an neuen Wohneinheiten

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Die Verwaltung wisse gar nicht genau, wieviel Wohneinheiten im Jahr in Castrop-Rauxel gebaut werden, sagen die Grünen. Sie gehen im Durchschnitt von 130 aus. Reicht das?

Castrop-Rauxel

, 21.09.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Grünen lassen nicht locker, wenn es um die zwei oder vielleicht auch drei Parzellen geht, die im Neubaugebiet Wohnen an der Emscher geopfert werden müssten, um die alte Eiche erhalten zu können. In einer Pressemitteilung sticheln sie jetzt: „Wie ein Mantra trägt der Bürgermeister seit Jahren diesen Satz vor sich her: ‚Es gibt keine Bauflächen mehr in Castrop-Rauxel. Deshalb können nicht zwei Parzellen geopfert werden, um die Eiche zu retten‘“.

Dabei wüsste Rajko Kravanja gar nicht, wie viel Wohnungen Jahr für Jahr in Castrop-Rauxel gebaut werden. Das gehe aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Ratsanfrage der Grünen Ende Mai hervor. „Wir hatten gefragt“, sagt Grünen-Ratsherr Uli Werkle, „wie viele Wohnungen in den letzten fünf Jahren genehmigt und wie viele fertiggestellt wurden.“

Verwaltung kennt die Anzahl der Wohneinheiten nicht

Die Antwort sei dem inzwischen ausgeschiedenen Technischen Beigeordneten Heiko Dobrindt seinerzeit so peinlich gewesen, dass sie nicht öffentlich in der letzten Sitzung vor der Sommerpause, sondern nur nicht-öffentlich im Rathaus mitgeteilt worden sei. Die Verwaltung kenne die Anzahl der Baugenehmigungen, wisse aber tatsächlich nicht, wie viele Wohneinheiten sich hinter einer Baugenehmigung verbergen. Dies könne nur aus Handakten herausgesucht werden, werde nicht elektronisch erfasst.

Das gleiche gelte für die Fertigstellungen. 2016 etwa gab es insgesamt 1712 Bauvorgänge in Castrop-Rauxel, 2018 waren es 1589, wie aus den Daten der Verwaltung hervorgeht. Aber: Ein Antrag könne sowohl eine Gebäudezeile mit mehreren Häusern umfassen oder auch nur eine einzelne Einheit. Insofern sei die Auswertung mit gewisser Unschärfe zu bewerten, so steht es auf dem Papier, das den Grünen von der Verwaltung vorgelegt wurde.

Grüne: Neue Baugebiete decken den Bedarf

Daraus abzulesen ist aber auch: 2017 etwa gab es insgesamt 61 Genehmigungen für Einfamilienhäuser, 22 für Mehrfamilienhäuser und 40 für Anbauten, 2018 waren es 29 bei Einfamilienhäusern, 24 bei Mehrfamilienhäusern und 44 bei Anbauten. Ob die auch tatsächlich alle gebaut wurden, sei fraglich.

Denn 1. stelle die Anzahl die Fertigstellungen des jeweiligen Jahres dar und sei nicht auf die zuvor genannten Genehmigungen bezogen. 2. Nicht jede Fertigstellung werde bei der Stadt angezeigt. Dafür gab es vor einigen Jahren mal ein prominentes Beispiel, als am Europaplatz zunächst nicht der Eigentümer für die Müllabfuhr aufgekommen war. 3. Die Eintragung ins System sei nicht in jedem Fall gewährleistet. Aber, auch das steht auf dem Papier: Laut Verwaltung sind 2017 37 Einfamilienhäuser, zwölf Mehrfamilienhäuser und 15 Anbauten fertiggestellt worden, 2016 waren es 48/16/21.

Erfreuliche Zahlen für Castrop-Rauxel

Die Grünen jedenfalls orientieren sich jetzt an Zahlen, die sie bei IT.NRW recherchierten. Demnach, sagt Werkle, seien im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre pro Jahr 130 Wohneinheiten neu gebaut worden. „Das ist eine erfreuliche Zahl für unsere Stadt, wo doch ein Gutachten für die nächsten Jahre insgesamt 160 neue Wohneinheiten angemahnt hatte“, so Werkle. Und das würden allein die Baugebiete In der Kemnade, Alter Garten, Pallasstraße und „Drabig-City“ locker hergeben.

Bei dem Gutachten handelt es sich um die Ende März dieses Jahres im Bauausschuss vorgestellte Bedarfsanalyse, mit der die Stadt die InWIS Forschung und Beratung GmbH aus Bochum beauftragt hatte. Dabei herausgestellt hatte sich auch, dass von 21.438 Mietern 8349 im Jahr 2017 wenig oder gar kein Geld für Miete hatten. Die Studie sollte Richtschnur sein für den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum und wichtiges Standbein für die Stadtentwicklungsgesellschaft.

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