Die neue Emscher wird flacher und breiter als die Kloaken-Emscher

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Nach der Pflicht steht an der Emscher bald die Kür an. Wenn Ende 2021 keine Abwässer mehr in den Fluss geleitet werden, kann die Ex-Kloake in Castrop-Rauxel endlich renaturiert werden.

Castrop-Rauxel

, 01.06.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Es gibt jetzt schon Tage, an denen von der Emscher in Castrop-Rauxel kein Geruch mehr ausgeht“, erzählt Ilias Abawi, Pressesprecher der Emschergenossenschaft. Denn das Mammutprojekt Emscherumbau geht tatsächlich einem absehbaren Ende entgegen.

„Die eigentliche Kloaken-Zeit ist vorbei, es werden nur noch an wenigen Stellen Abwässer in den Fluss eingeleitet. Und bis Ende 2021 ist das völlig vorbei“, so Abawi über den Zeitplan seines Unternehmens. Das ist von Corona-Problemen überwiegend verschont geblieben „und unsere Arbeiten in Castrop-Rauxel waren davon bisher überhaupt nicht betroffen.“

Die Emscher soll ab 2022 renaturiert werden

Und so kann man sich langsam über die Zeit nach der Kloake Gedanken machen. Wie kann eine renaturierte Emscher in Castrop-Rauxel einmal aussehen? Die Planungen dafür laufen natürlich schon seit Jahren, ab 2022 kann die Emschergenossenschaft dann aber auch in die Realisierung gehen.

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„Das Problem in Castrop-Rauxel ist ja, dass die Wohnbebauung an vielen Stellen ganz nah bis an den Fluss geht. Da können wir also keine Kurven in den Flusslauf einbauen“, so Abawi.

Wie der Fluss trotzdem einen komplett anderen Charakter entwickeln kann, das habe die Emschergenossenschaft schon einmal in Dortmund-Deusen ausprobiert, erzählt der Unternehmens-Sprecher. „Da haben wir ähnlich enge Verhältnisse wie in Castrop-Rauxel.“

So sieht die Emscher heute noch aus in Castrop-Rauxel. Künftig wird sie bis auf die rechts und links zu erkennenden Wiesenbereiche, die sogenannte Berme ragen.

So sieht die Emscher heute noch aus in Castrop-Rauxel. Künftig wird sie bis auf die rechts und links zu erkennenden Wiesenbereiche, die sogenannte Berme ragen. © Thomas Schroeter

Auch dort habe man im vorgegebenen Flussprofil bleiben müssen. „Was die Kollegen da gemacht haben, ist aber total faszinierend. Wir haben schon von vielen Besuchern gehört, dass das mit dem altbekannten Emscherbild überhaupt nichts mehr zu tun hat“, hört man bei Abawi tatsächlich Stolz auf die neue Emscher heraus.

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Um dem Fluss in der Zeit nach dem Abwasser mehr Breite geben zu können, sei man im Bereich Deusen an den Deich gegangen, die sogenannte Berme. Abawi: „Das ist der relativ flache Bereich neben dem eigentlichen Flussbett, der heute – trotz Verbots – immer wieder etwa von Hundehaltern gern für einen Spaziergang entlang der Emscher benutzt wird.“

Artenvielfalt im und am Wasser soll steigen

Die Emscher wird dabei künftig höher gelegt als bisher, wird deutlich breiter und auch flacher gemacht. Dadurch wird die Fließgeschwindigkeit reduziert. Damit könne man im Fluss und in seiner Umgebung eine hohe Artenvielfalt erreichen, wolle neben Fischen auch wieder viele Vögel entlang der Emscher heimisch werden lassen. „Ein Beispiel dafür ist der Eisvogel“, so Abawi.

Wie lange die Renaturierung des gesamten Flusslaufs in Castrop-Rauxel dann dauere, das sei noch im Planungsstadium. „Aber auf die Optik, die der Fluss dann bekommt, können sich die Castrop-Rauxeler schon heute freuen“, ist Abawi sich sicher.

Nebenbäche

  • Neben dem Landwehrbach muss auch noch der Deininghauser Bach in Castrop-Rauxel komplett von Abwässern befreit werden.
  • Dafür ist in einem nächsten Schritt die Ableitung der Abwässer der Rütgers-Werke nötig. Damit will die Emschergenossenschaft im September 2020 beginnen.
  • Ziel aller Arbeiten ist es, Ende 2021 alle Abwässer aus der Emscher heraus zu haben.
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