E-Tretroller für 222 Euro - Verführen Verkaufsprospekte die Kunden zum E-Scooter-Kauf?

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Verkehrsexperten sind sich einig: Der E-Scooter kommt. Und die Supermärkte bieten schon preisgünstige Modelle an. Sollen Interessenten jetzt zuschlagen oder gibt es da einen Haken?

von Dieter Duewel

Castrop-Rauxel

, 08.06.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach Schätzungen der Branche will sich jeder vierte Bundesbürger zeitnah einen Elektro-Tretroller zulegen. Daher werden einige Modelle bereits in Kaufhäusern, Supermärkten und Onlineshops angeboten. Wie zum Beispiel der Elektro-Tretroller „City Blitz“ für 222 Euro.

In einem Werbeprospekt des real-Marktes scheint der interessierte E-Roller-Kunde ein Schnäppchen zu finden. Allerdings hat die real-Werbung bei genauer Betrachtung einen großen Haken: der äußerst kleingedruckte Hinweis „nur für den Gebrauch auf nicht öffentlich zugänglichem Gelände“ lässt keinen Zweifel daran, dass der „City Blitz“ für den öffentlichen Verkehr nicht zugelassen ist. Man kann sich also nur auf privatem Gelände damit bewegen.

Das sagt der real-Pressereferent zu den Vorwürfen

Diese Einschränkung wurde uns bei der Probe im real-Markt in Habinghorst bestätigt: Es ist noch nicht abzusehen, wann die notwendige Zulassung erfolgt, und es ist ebenfalls nicht gesichert, dass der angebotene Roller die Zulassung auch wirklich bekommt.

Wird der Kunde durch die Werbung etwa zum Kauf verführt? real-Pressereferent Frank Grüneisen weist diesen Vorwurf zurück: „Wir sind der Meinung, dass wir unsere Kunden ordnungsgemäß informieren. Da es Stand heute gesetzlich noch für keinen dieser elektrischen Tretroller in Deutschland eine Zulassung für die Nutzung im Straßenverkehr gibt, müssen die Produkte derzeit noch mit dem Hinweis ‚nur für den Gebrauch auf nicht öffentlich zugänglichem Gelände‘ gekennzeichnet werden“, so der Presserefent, „dass es bundesweit noch keine Nutzungserlaubnis im öffentlichen Straßenverkehr gibt, dürfte jedem Kunden, der plant, sich zurzeit einen solchen elektrischen Tretroller zuzulegen, sollte zudem bekannt sein.“

So hoch ist das Bußgeld, wenn man mit einem E-Scooter erwischt wird

Wer schon bei dem angeblichen Schnäppchen zugeschlagen hat, muss sich zunächst wohl auf das Fahren auf privatem Grund beschränken. Risikofreundliche Verkehrsteilnehmer sollten sich gründlich überlegen, ob sie es riskieren möchten, den Roller im Straßenverkehr zu fahren. Wird man dabei erwischt, ist im besten Fall ein Bußgeld von 70 Euro fällig.

In einigen Fällen könnte sich sogar der Staatsanwalt melden. Nach Paragraph 21 der Straßenverkehrsordnung wird Fahren ohne Fahrerlaubnis mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe bestraft, sofern Betroffene vorsätzlich gehandelt haben. Besonders ärgerlich wird es, wenn der Fahrer erwischt wird: er muss er den Scooter abgeben.

E-Tretroller für 222 Euro - Verführen Verkaufsprospekte die Kunden zum E-Scooter-Kauf?

In der Stadt Herne sollen mit Erlaubnis der lokalen Behörden mehrere Dutzend E-Scooter auf die Straße kommen. © picture alliance/dpa

Nach Einschätzung des Bundesverbands Elektrokleinstfahrzeuge sind in Deutschland bereits 250.000 E-Scooter unterwegs, von denen 95 Prozent vermutlich keine Betriebsgenehmigung erhalten werden. Zwar besteht die Möglichkeit, eine Einzelerlaubnis beim Technischen Überwachungsdienst (TÜV) zu beantragen, doch aufgrund der Vielzahl der Fahrzeuge und der komplexen Regelungen werden viele Tretroller-Besitzer damit wohl keinen Erfolg haben. Eine Einzelerlaubnis würde zudem in vielen Fällen mehrere Hundert Euro kosten.

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt daher, mit dem Kauf eines E-Scooters noch einige Wochen zu warten. Am 15. Juni soll dann die neue Verordnung des Bundesverkehrsministeriums in Kraft treten.

Das plant die Stadt Herne in Sachen E-Scooter

Für diejenigen, die es nicht abwarten können, einen Roller im Stadtverkehr zu fahren: „Nachbarschaftshilfe“ kommt aus Herne. Ab Mittwoch können dort E-Scooter im gesamten Stadtgebiet geleast und öffentlich benutzt werden. Per App kann der E-Scooter gestartet werden. Das Ausloggen nach der Fahrt funktioniert nur in klar definierten Bereichen. Dadurch soll verhindert werden, dass die E-Scooter achtlos im Stadtgebiet stehengelassen werden.

Herne ist offiziell die erste Stadt in Deutschland, die ein solches System anbietet. Die Miete wird voraussichtlich einen Euro Grundgebühr und dann 15 Cent pro Minute kosten, also 10 Euro die Stunde.

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