Ebay-Betrüger (27) aus Castrop-Rauxel ruft den Richter an und gesteht seine Lügen

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Ein Castrop-Rauxeler soll auf Ebay ein Rennrad verkauft, 300 Euro kassiert, das Rad aber nie verschickt haben. Nach einer Reihe kurioser Ausreden wählte er jetzt die Nummer des Richters.

Castrop-Rauxel

, 19.02.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit seinem unguten Bauchgefühl lag der Strafrichter kürzlich goldrichtig, das zeigte jetzt die Fortsetzung der Hauptverhandlung am Amtsgericht. Ein 27-Jähriger soll per Ebay-Kleinanzeigen ein Rennrad verkauft, 300 Euro kassiert, das Rad aber nicht geliefert haben.

Das war im April 2019, die geprellte Käuferin erstattete Anzeige. In der ersten Hauptverhandlung hatte der Angeklagte auch unumwunden zugegeben, die 300 Euro erhalten zu haben. Doch das Rad habe er nicht versenden können, weil sein Handy hingefallen sei und er nicht mehr an die Daten des Verkaufs und der Käuferin kommen konnte.

Passwort vergessen und Konto überzogen

Auch über ein anderes Medium habe er es nicht geschafft, seinen Ebay-Account einzusehen. „Passwort vergessen“, so die Antwort auf die Frage des Richters. „Scheiße gelaufen, tut mir leid“, war der einzige Kommentar des 27-Jährigen. Auf das Geld habe er auch keinen Zugriff gehabt, weil sein Konto stark überzogen war, die Bank die Gutschrift zur Tilgung der Außenstände verrechnet hätte.

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Doch mit dieser Behauptung hatte der Angeklagte die Rechnung ohne das Gericht gemacht. Dem Richter lagen nämlich exakte Daten der Sparkasse vor. Demnach waren die gutgeschriebenen 300 Euro noch am selben Tag wieder an einem Kassenautomaten in Ickern abgehoben worden.

Ex-Freundin beschuldigt

Auch in dem Fall war der Angeklagte nicht um eine Erklärung verlegen. Die Ex-Freundin sollte es gewesen sein. Sie habe über Karte und Pin verfügen können und das Geld abgehoben.

Das wollte der Richter von der Ex-Freundin gern selbst hören und lud sie als Zeugin für den zweiten Verhandlungstag. Doch zu einer Aussage kam es nicht. Am Telefon hatte der 27-Jährige den Richter vorab informiert, dass er gelogen habe und die Frau nicht beteiligt war.

Angeklagter erscheint kurz vor knapp im Gerichtssaal

Der Angeklagte selbst hatte wohl auch kein großes Interesse, noch mehr gefragt zu werden. Er kam so spät, dass sich Richter und Staatsanwaltschaft während seiner Abwesenheit bereits geeinigt hatten, einen Strafbefehl zu erlassen.

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Als der 27-Jährige auf den letzten Drücker doch noch im Gerichtssaal erschien, teilten sie ihm die Entscheidung mit. Dazu gab es einen Rat: Wenn der Mann den Schaden wieder gut macht, werde ihm die Geldstrafe von 900 Euro erlassen. Das sieht das Strafgesetzbuch bei einer Strafe unter Vorbehalt vor.

Ob der Angeklagte überhaupt jemals ein Rennrad besessen hat, wurde nicht geklärt. Auf die Frage nach dem Verbleib hatte er am ersten Verhandlungstag bereits erklärt, dass das Rad kurz nach dem Vorfall gestohlen worden sei. Eine Anzeige bei der Polizei habe er allerdings nicht gemacht.

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