Um eine Samsung-Smartwatch ging es in einem Prozess mit traurigem Hintergrund vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel. (Symbolbild) © dpa
Luxus-Uhr

Ebay-Betrug mit Samsung-Uhr offenbart traurigen Hintergrund

Ein Fall wie viele andere? Darauf ließ die Anklage - ein Ebay-Betrug - schließen. Doch dahinter verbergen sich traurige Begleitumstände. Vor dem Richter saß eine junge, überforderte Witwe.

Auf den ersten Blick ein Verfahren wie etliche andere zuvor an deutschen Gerichten: Ebay-Betrug. Diesmal ging es um eine Smartwatch Gear S3. Für 100 Euro im August 2020 verkauft, an einen Interessenten in Sachsen-Anhalt, doch dort bis heute nicht angekommen. Weshalb der geprellte Käufer Anzeige erstattete.

Soweit die Fakten. Erst die Verhandlung vor dem Castrop-Rauxeler Amtsgericht offenbart das menschliche Drama, das hinter diesem angeklagten Betrug steht.

Auf der Anklagebank saß eine 26-jährige Mutter von zwei kleinen Kindern. Eine Witwe, deren Mann im Mai gestorben war, kurz nach der Geburt des zweiten Kindes. Eine Welt zusammengebrochen, die Zukunft in Scherben. Das Geld knapp.

Deshalb sollte auch der Uhrverkauf etwas helfen. Doch das ging schief. In dieser Zeit lebte die junge Witwe mit ihren Kindern wieder bei den Eltern, konnte es in ihren eigenen vier Wänden nicht aushalten. Ist erst vor Kurzem zurückgekehrt.

„Ich habe die Uhr wirklich verschicken wollen“, sagte sie bei der Verhandlung, nachdem sie die traurigen Begleitumstände geschildert hatte. Doch das Paket sei zurückgekommen, weil sie es fehlerhaft adressiert hatte. Zweiter Versuch: Diesmal sollte ein Cousin des Verstorbenen die Ware zur Post bringen.

Doch er verbaselte es, wie er im Zeugenstand offen zugab. Habe auf dem Weg dahin einen Anruf erhalten, umgehend zu seiner Arbeitsstelle zu kommen, es an den Tagen danach nicht geschafft. „Schließlich habe ich ihr das Paket zurückgegeben“, sagte der 28-Jährige.

Zu viel für die junge Witwe, sie vergaß die Sache, holte auch nur sporadisch Post von ihrem eigentlichen Wohnort, so dass sie Mahnungen nicht zeitig genug sah. „Ich wollte mit dem Geld doch nur zu den Beerdigungskosten beitragen“, sagte sie. Der Entschluss, die Uhr zu verkaufen, sei nicht leicht gewesen.

Geld zurück

Die Uhr hat sie noch immer, zeigte sie im Gerichtssaal. So setzte sich der Strafrichter kurzentschlossen während der Verhandlung mit dem Käufer in Verbindung und erfuhr, dass sich dieser längst eine andere Uhr gekauft hatte. Er wollte stattdessen sein Geld zurück.

Auf ihr Bankkonto hatte die Angeklagte lange Zeit keinen Zugriff, weil ihr der erforderliche Code fehlte. Sie hatte eine neue Karte nebst Pin angefordert, doch der Brief mit der erforderlichen Zahlenkombination kam nicht an. Nachdem sie bei der Bank persönlich vorgesprochen hatte, bekam sie die neue Pin ausgehändigt, hat wieder Zugriff.

Das ist gut so, denn der Richter fand eine pragmatische Lösung. Er stellte mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft das Verfahren ein; mit der Auflage, dem Käufer die ausstehende Summe zurückzugeben. Das soll nun in fünf Raten passieren.

Über die Autorin
Redaktion Castrop-Rauxel
Ich bin seit etlichen Jahren als freie Mitarbeiterin für die Lokalredaktion tätig, besuche regelmäßig Gerichtsverhandlungen, um darüber zu berichten, und bin neugierig auf alles, was in Castrop-Rauxel passiert.
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