Vorwurf: Ehemann soll seiner Frau Kleidung und Schuhe gestohlen haben

hzRosenkrieg

Ein Schrank voller Kleidung und Schuhwerk war plötzlich leer, als die 55-Jährige nach Hause kam. Ihr Verdacht fiel sofort auf den Ehemann, doch der Diebstahl war ihm nicht nachzuweisen.

Castrop-Rauxel

, 31.07.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Rosenkrieg ist wohl der passende Begriff für die Situation des Ehepaares, das sich jetzt vor Gericht traf. Das Ereignis im letzten Sommer ist dabei offenbar nur eine von vielen unschönen Begebenheiten in 31 Jahren Ehe. Die Schilderungen gehen allerdings weit auseinander.

„Der Garderobenschrank war fast komplett leer“, sagt die getrennt lebende Noch-Ehefrau. Sie war, in Begleitung ihres Bruders, ins Haus gekommen, als sie den offenen Schrank gesehen habe. „Am Morgen war noch alles da.“ 15 Paar Stiefel, etliche Paar Schuhe, diverse Handtaschen, Mäntel, Jacken, auch Tupperdosen. Jetzt war alles weg.

Noch-Ehefrau rief sofort die Polizei

Der Verdacht fiel sofort auf den Ehemann. Dessen Auto soll vor dem Haus gestanden haben, voll bepackt, die Ladung mit einer Plane abgedeckt. Um den Schrankinhalt wegzuschaffen, vermutet die 55-Jährige. Glaubt, dass die Kleidung bei seiner Mutter in Bochum deponiert wurde.

„Du warst das selbst“, kontert der 57-jährige Mann vor Gericht. Er sei den ganzen Vormittag daheim gewesen, in Souterrain des Hauses, wo er als selbstständiger Ingenieur sein Büro habe. Der Sohn habe in seinem Zimmer für das Studium gelernt. Der Garderobenschrank seiner Frau habe ihn nie interessiert.

Polizisten schickten die Ehefrau weg

Das erzählte er auch der Polizei, die die Frau damals rief. Zu dritt kamen die Ordnungshüter, erinnert sich der Bruder der Frau. Die guckten sich im Haus um, redeten mit dem Ehemann und gingen mit in den Keller, der für die Frau, wie sie sagt, stets verschlossen war.

„Dann haben sie gesagt, ich solle das Haus verlassen“, erklärt die 55-Jährige heute. Sie kam zunächst bei ihrem Bruder unter, die endgültige Trennung aber war an diesem Tag besiegelt. Der Bruder schildert die Ereignisse wie seine Schwester.

Aussage steht hier gegen Aussage

„Das war kein Platzverweis, sondern ein Appell an die Vernunft“, sagt jetzt einer der Polizisten vor Gericht aus. Als Zeuge im Strafverfahren, das dem Ehemann Diebstahl vorwirft. Ein Diebstahl sei damals nicht feststellbar gewesen, der Sohn habe Emotionen wegen der Trennung angeführt.

Vor Gericht sagt der Sohn nicht aus, macht als naher Angehöriger von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Und die Mutter des Angeklagten kann auch nicht zur Aufklärung beitragen, kann sich an nichts erinnern.

Aussage steht also gegen Aussage, unterschiedlicher geht es kaum. „Es gibt nur eine objektive Aussage“, fasst die Staatsanwaltschaft zusammen. „Und das ist die des Polizisten.“ Es gebe keinen Tatnachweis, daher sei der Angeklagte freizusprechen.

So entscheidet dann auch der Richter. „Wenn ich nicht weiß, wie es gewesen ist, muss ich den Angeklagten freisprechen.“

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