Ehrenamtler: Können Integration nicht nur fordern

Tag des Ehrenamtes

Erst half er Senioren, die ein Studium aufnehmen wollten. Dann vermittelte er Freiwillige an Einrichtungen, die Unterstützung brauchten. Jetzt arbeitet er mit Kindern, Jugendlichen und Flüchtlingen. Zum Tag des Ehrenamts stellen wir einen Castrop-Rauxeler vor, der seit Jahren dabei ist: Rüdiger Landsiedel (62).

CASTROP-RAUXEL

, 05.12.2015, 07:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ist seit Beginn seines Engagements für die „Ehrensache!“ im Jahr 2007 eng mit den Aktivitäten der Caritas verbunden: Rüdiger Landsiedel, hier mit Koordinatorin Silvia Engemann.

Ist seit Beginn seines Engagements für die „Ehrensache!“ im Jahr 2007 eng mit den Aktivitäten der Caritas verbunden: Rüdiger Landsiedel, hier mit Koordinatorin Silvia Engemann.

Rüdiger Landsiedel hat eine Ruhrgebiets-Biografie wie aus dem Bilderbuch: Geboren in Bochum, als Kind mit den Eltern nach Herne gezogen, in Castrop-Rauxel heimisch geworden, beruflich als Industriekaufmann bei der Deutschen Steinkohle tätig, bis die Kohle dem Ruhrgebiet so langsam ausging - und Landsiedel die Arbeit.

Das war 2005, also vor zehn Jahren, und Landsiedel war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 52. „Ein Ehrenamt hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie inne, mich nicht einmal gedanklich damit beschäftigt“, blickt der Frohlinder auf diesen Abschnitt seines Lebens zurück.

Was sich zunächst einmal auch nicht änderte. „Am 30. September 2005 hatte ich meinen letzten Arbeitstag, am 15. Oktober habe ich ein Seniorenstudium an der Uni Dortmund begonnen, weil ich mich fit fühlte und nicht nur zu Hause rumsitzen, sondern meinem Alltag weiterhin Struktur geben wollte“, so damals sein Motiv.

Erste langsame Schritte

Der Studienalltag und die Begegnung mit den vielen jungen Menschen machte ihm ebenso Spaß wie die Lehrinhalte – Soziales, Psychologie, Gerontologie. Zwischenprüfung und Abschlussprüfung nach fünf Semestern bestanden – und dann sozusagen schleichend ins Ehrenamt gerutscht. „Ich habe anschließend denjenigen geholfen, die auch ein Seniorenstudium aufnehmen wollten“, berichtet Landsiedel.

Bis er im Lokalteil von dem Aufbau der „Ehrensache – Vermittlungsstelle für bürgerschaftliches Engagement“ in Castrop-Rauxel gelesen hatte. Eine Freiwilligen-Agentur unter dem Dach der Caritas, wo Bedarf und Nachfrage fürs Ehrenamt, also der richtige Deckel auf den Pott, zusammengeführt werden.

Anfang in der katholischen Pfarrgemeinde

Eine Anfangsneugier, die zu einer ersten Begegnung mit Caritas-Koordinatorin Silvia Engemann führte und die Landsiedel nachhaltig prägen sollte. „Da haben sich dann viele Dinge entwickelt“, sagt der verheiratete Vater eines 32-jährigen Sohnes. Zwar habe er rasch gemerkt, dass die ursprüngliche Aufgabe, das Ehrenamt beratend zu unterstützen, auf Dauer nicht sein Ding war. Dafür ergriff ihn die eigentliche ehrenamtliche Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Flüchtlingen und anderweitig Hilfsbedürftigen.

Und zwar zunächst in der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef Habinghorst. Obwohl selbst konfessionslos und deshalb von pfarrgemeindlichen Bindungen zahlreicher Ehrenamtler weit entfernt, hat ihn das Engagement der katholischen Caritas von Beginn an überzeugt.

"Das Team ist alles“

„Wir kümmern uns mit zwei Haupt- und sechs Ehrenamtlern einmal in der Woche um Grundschulkinder der Kästner-Schule, die in der Offenen Ganztagsbetreuung nicht untergekommen sind“, fasst Landsiedel seine Tätigkeit zusammen. Dazu gehört das Spielen, das gemeinsame Mittagessenkochen sowie die Hausaufgabenbetreuung.

Wobei er das „Wir“ und das „Team“ bei all seinen Formulierungen immer bewusst in den Vordergrund stellt. „Alleine läuft im Ehrenamt gar nichts“, hat er mit der Zeit erfahren. Denn die Zusammenarbeit mit vielen Gleichgesinnten ist für ihn Bestandteil der Freude am Ehrenamt. „Die Chemie zwischen uns stimmt, wir treffen uns zwischendurch dienstlich, doch kommen uns nicht so nahe, dass es ins Private geht“, hat Landsiedel erfahren.

Arbeit ist "sinnvoll und notwendig"

Zu dem Engagement in Habinghorst kam bei Landsiedel im Frühjahr in Folge des kirchlichen Flüchtlingshilfsprogramms „Rut“ das Projekt „Deutsch plus“ für ältere Flüchtlingskinder in den Vorbereitungsklassen der Hillebrand-Hauptschule. Auch für Erwachsene aus den GUS-Nachfolgestaaten gab Landsiedel schon Deutsch. Sein Credo: „Ehrenamt ist nicht nur sinnvoll, sondern auch absolut notwendig.“ Und weiter: „Wir können nicht nur dauernd Integration einfordern, sondern müssen auch selbst dafür etwas tun.“

Er selbst tue seine Arbeit keineswegs nur aus altruistischen Gründen, sondern weil er auch selbst davon profitiere. Landsiedel: „Ein Ehrenamt kann ich jedem nur ans Herz legen. Nicht, um sein Gewissen zu beruhigen, sondern weil man selbst etwas davon hat.“ 

Internationaler Tag des Ehrenamtes
Der Internationale Tag des Ehrenamts wird seit 30 Jahren am 5. Dezember begangen.
In Deutschland wird an diesem Termin der Verdienstorden der Bundesrepublik an besonders engagierte Personen vergeben.
Die deutschen Bischöfe haben am Freitag die Ehrenamtler in der Flüchtlingshilfe besonders heraus gehoben. „Sie sind sensibel für neue Problemlagen, für die unser Sozialsystem trotz seines hohen Niveaus keine Lösungen parat hat“, heißt es.

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