Großes Aufgebot gegen kleine Krabbler: Diese starken Sauger machen der Raupe den Garaus

hzEichenprozessionsspinner

Schädlingsbekämpfer haben Freitag den Raupen des Nachtfalters auf dem Schulhof des Berufskollegs den Garaus gemacht. Doch wahrscheinlich sieht man den Eichenprozessionsspinner bald wieder.

Castrop-Rauxel

, 22.06.2019, 14:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Großes Aufgebot für ein kleines Kerlchen: Zwei Schädlingsbekämpfer der Ascheberger Spezialfirma Angelkort, die auch in Rauxel eine Filiale besitzt, rückten am Freitagmorgen mit Schutzanzügen, einem Lkw inklusive 22 Meter hohem Hubsteiger, einem Stromaggregat und einem extrem starken Industriestaubsauger am Berufskolleg an, um den Raupen des Eichenprozessionsspinners den Garaus zu machen.

Die bis zu fünf Zentimeter langen Krabbler hatten die Eichen auf dem Schulhof des BKCR in Massen befallen und schadeten so nicht nur den Bäumen, sondern sorgten auch für Gefahr, da die winzigen Brennhärchen der Raupe bei Menschen Reaktion vom Hautausschlag bis hin zum allergischen Schock auslösen können.

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So gingen die Schädlingsbekämpfer gegen den Eichenprozessionsspinner vor

21.06.2019
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Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh
Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus.© Michael Schuh

Trotz dieser wenig erfreulichen Begleiterscheinungen dürften die Schüler des Berufskollegs eine gewisse Sympathie für den Nachtfalter und seine feurigen Raupen hegen – das Insekt hatte ihnen am Mittwoch nämlich einen schulfreien Tag beschert.

Jede Menge Gespinste

Freitag ist Brückentag am Berufskolleg: Auf dem Schulhof herrscht ungewöhnliche Ruhe. Damit ist es um Punkt 10 Uhr allerdings vorbei. Die Schädlingsbekämpfer befahren mit ihrem Lkw den Hof und lassen sich zunächst von den Hausmeistern erläutern, welche Bäume die Spinner-Raupe befallen hat.

Schnell wird klar, dass eine Menge Arbeit auf die beiden Spezialisten wartet: Denn fast auf jeder Eiche finden sich Raupennester, sogenannte Gespinste.

Gefährliche Raupen

Befall in der ganzen Stadt

  • Laut Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi ist der Befall des Eichenprozessionsspinners in Castrop-Rauxel erheblich und über alle Ortsteile verbreitet.
  • Der für die Raupen zuständige Mitarbeiter der Stadt sei momentan nur sporadisch in seinem Büro anzutreffen.
  • Die Tiere befielen vorzugsweise Stiel- und Traubeneichen, während andere Eichenarten im Stadtgebiet bislang nicht betroffen seien.
  • Besorgte Bürger würden dem Bereich Stadtgrün häufig Gespinste auf anderen Bäumen und Sträuchern melden; dabei handele es sich aber eher um die Larven harmloser Gespinstmotten.

Schädlingsbekämpfer Heinrich Hülsmann schlüpft in einen Overall, zieht sich Handschuhe sowie Mundschutz an und begibt sich mit dem Industriesauger auf die Arbeitsbühne des Hubsteigers. So kann er auch Raupen und deren Nester in den höheren Gefilden der Bäume absaugen.

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Ohne Schutzkleidung wäre die Beseitigung der Schädlinge eine körperliche Qual. Denn die winzigen Brennhaare, die ein Nesselgift enthalten und vielfach vom Wind durch die Luft getragen werden, sorgen bei der kleinsten Berührung für einen juckenden Hautausschlag. Dank ihrer Widerhaken halten sich die Härchen hartnäckig an beinahe jedem Material, sodass die Overalls nach jedem Einsatz fachgerecht entsorgt werden müssen.

Rote Quaddeln

Doch einen hundertprozentigen Schutz gegen das Gift der Tierchen gibt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen nicht, sagt Matthias Hülsmann, der zweite Experte aus Ascheberg. Er krempelt einen Ärmel hoch, sodass zahlreiche rote Quaddeln auf seinem Arm sichtbar werden. „Teilweise gerät die Haut beim Ausziehen des Schutzanzugs mit den bis zu 700 000 Härchen einer Raupe in Berührung“, sagt er, „und das juckt ganz schön.“

Großes Aufgebot gegen kleine Krabbler: Diese starken Sauger machen der Raupe den Garaus

Schädlingsbekämpfer machten den Raupen des Eichenprozessionsspinners am Berufskolleg den Garaus. Solche Pünktchen entstehen durch die Nesselhaare auf der Haut. © Michael Schuh

Sein Kollege, der in seiner Spezialkleidung ein wenig einem Außerirdischen ähnelt, ist nun einsatzbereit. Auf der Bühne des Hubsteigers fährt er in die Höhe - in Händen den bis auf mehrere Meter verlängerbaren Rüssel des Staubsaugers.

Immer wieder entdeckt Heinrich Hülsmann inmitten des Blätterdachs Gespinste und einzelne Raupen, die der Laie wohl übersehen würde. Doch Übung macht den Meister: Ein Nest nach dem nächsten verschwindet im brummenden Sauger.

Sondermüll

Der Inhalt des Geräts landet anschließend aber keineswegs in einem gewöhnlichen Mülleimer, sondern in einem eigens dafür vorgesehenen Container. „Denn dabei handelt es sich um Sondermüll“, sagt Matthias Hülsmann, „der muss verbrannt werden.“

Ansonsten auch für Mäuse, Wespen, Ratten und andere unerwünschte Besucher zuständig, widmen sich die Ascheberger Schädlingsbekämpfer derzeit fast ausschließlich den Raupen des Nachtfalters.

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Und obwohl momentan gleich vier Lkw mit Besatzung zwischen Gronau, Telgte und Dortmund in Sachen Eichenprozessionsspinner unterwegs sind, haben die Mitarbeiter der Firma Angelkort alle Hände voll zu tun. „Da kann ein Arbeitstag schon mal elf Stunden dauern“, verdeutlicht Matthias Hülsmann die Ausmaße des Befalls in vielen Städten Nordrhein-Westfalens, darunter auch Castrop-Rauxel.

Härchen verkleben

Und das, obwohl die Hausmeister des Berufskollegs im Vorfeld ihr Möglichstes getan hatten, um die Gefahr durch das Insekt zu minimieren. Mit einem Spezialkleber besprühten sie die Raupen, die sich am Eichenstamm gerade auf dem Weg in Richtung Baumkrone befanden, um so dafür zu sorgen, dass deren Härchen gebunden werden. Das Einatmen kann zu schmerzhaftem Husten oder sogar zu Asthma führen.

Andere Garten- oder Waldbesitzer rücken den Raupen, die für Kahlfraß an den Bäumen sorgen können, mit Insektziden zu Leibe. Diese Mittel sollten allerdings versprüht werden, bevor die Tiere ihre Brennhaare entwickelt haben.

Großes Aufgebot gegen kleine Krabbler: Diese starken Sauger machen der Raupe den Garaus

Weiträumig abgesperrt waren die befallen Eichen, die Schule verhängte sogar ein Raupen-schulfrei am Mittwoch. © Michael Schuh

„Das könnte auch hier auf dem Schulhof Sinn machen“, sagt Matthias Hülsmann. Denn von der Bildfläche werden die Eichenprozessionsspiner in hiesigen Gefilden auf absehbare Zeit wohl nicht verschwinden - der Klimawandel mit den einhergehenden milden Frühjahren und heißen Sommern begünstigt die Vermehrung und Ausbreitung des Insekts.

Vom Abflämmen der Nester rät Hülsmann ab: „Das kann aufgrund der Thermik zu Verwirbelungen führen, sodass die Härchen verstärkt durch die Luft fliegen.“

Harmlose Falter

Heinrich Hülsmann hat den ersten Baum von den Plagegeistern befreit, gleitet zu Boden und sprüht den Stamm mit einem speziellen Leim ein, auf dem die Raupen haften bleiben. So gelangen sie nicht mehr zu ihrer Nahrung, den Blättern.

In einigen Wochen, nach der Verpuppung, dürfte sich das Problem von selbst gelöst haben - von den Faltern des Eichenprozessionsspinners geht keine gesundheitliche Gefahr mehr aus. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Im nächsten Jahr sieht man sich höchstwahrscheinlich wieder.

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