Eine Nachbarschaft geht wegen alter Eichen auf die Barrikaden

hzIllegale Baumfällungen

Die Situation an der Ickerner Heide spitzt sich zu. Mit aller Macht versucht jemand, dort prachtvolle alte Bäume zu fällen. Selbst vor einer Protest-Aktion am Sonntag gab es einen Versuch.

von Martin Behr

Ickern-End, Waltrop

, 18.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Das Zeichen war eindrucksvoll, wenngleich auch nur symbolisch: Mehr als 100 Anwohner, Freunde und Nachbarn der Ickerner Heide an der Stadtgrenze zu Waltrop versammelten sich am Sonntagvormittag an den Bäumen, die mit aller Macht illegal zu Fall gebracht werden sollen. Ebenfalls vor Ort: hochrangige Politiker wie der Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe (SPD) und Waltrops Bürgermeisterin Nicole Moenikes (CDU).

Verdächtig, der Unbekannte zu sein, der die alten Eichen abgeholzt wissen will, ist ein Anwohner, der das Baum-Grundstück gerade im Begriff ist zu erwerben. Auf Nachfrage unserer Redaktion bestritt er jedoch bereits, etwas mit den illegalen Fällversuchen und der einen erfolgreichen Fällung zu tun zu haben (wir berichteten).

Stadt Waltrop hat Ordnungswidrigkeitsverfahren

Dennoch ist man sich in der Nachbarschaft sicher, dass er derjenige ist, auf dessen Konto die verbotenen Aktivitäten gehen. Ein Indiz dafür sind auch die Ordnungswidrigkeitsverfahren der Stadt Waltrop, die sich ebenso gegen den besagten Anwohner richten. Der muss bereits jetzt mit empfindlichen Sanktionen rechnen, die möglicherweise noch einmal verschärft werden müssen.

Denn was die Nachbarn, die sich so zahlreich für den Erhalt der Bäume einsetzen, bereits befürchtet haben, ist nun Gewissheit geworden: Trotz klaren und wiederholten Verbots, trotz Verfahrens und trotz öffentlichen Aufsehens ist erneut versucht worden, den alten Eichen und der einen noch älteren Buche (circa 180 Jahre) Schaden zuzufügen. „Ich bin wirklich entsetzt und sprachlos“, sagte am Sonntag auch Michaela Heßelmann, Grünflächenbeauftragte der Stadt Waltrop.

Neue Einschnitte in den Stämmen diverser Bäume

Denn während sich der Protest vor Ort gerade formte, fiel auf: Es gibt neue Einschnitte in den Stämmen diverser Bäume. Zwar würden die alten Bäume „schon viel aushalten“, sagte Heßelmann. Schwerwiegende Folgen könnte das großflächige Einritzen aber trotzdem haben.

Eine Nachbarschaft geht wegen alter Eichen auf die Barrikaden

Deutliche Spuren einer Kettensäge sind auf den Stämmen diverser alter Eichen erkennbar. Allein das Ansägen hat den Bäumen schon erheblich geschadet. © Martin Behr

Durch die Wunde könnten zum einen Schaderreger wie Pilze, Viren oder Bakterien in den Baum eindringen. Zum anderen sei auch das Wasserversorgungssystem unterbrochen. „Die Leitungsbahnen eines Baumes, in denen das Wasser rauf und runter geht, liegen direkt unter der Borke. Werden die Bahnen durchgeschnitten, funktioniert das ganze Wassertransportsystem nicht mehr“, sagte Michaela Heßelmann.

Bis zu 50.000 Euro Strafe

Auf Nachfrage einer Anwohnerin, welche Strafe dem Verursacher drohe, nannte Heßelmann eine Hausordnung: „Bis zu 50.000 Euro“ – aber das Verfahren laufe noch. Man werde sich hier Zeit nehmen, um alles so sorgfältig und sicher wie möglich zu vollziehen.

Zugegen war auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Frank Schwabe. Er versicherte, sich zur Not auch in Berlin für die Möglichkeit einer angemessenen Bestrafung einzusetzen. „Hier geht es um das Rechtsempfinden und ich denke, man kann da ein Zeichen setzen.“ Freilich wolle man nicht jeden, der was mit einem Baum vor seiner Haustür macht, in den Knast bringen. Aber das hier sei etwas anderes. Schwabe sprach von „krimineller Energie“ – und dagegen müsse man vorgehen.

Die Nachbarschaft war zunächst einmal „dankbar und begeistert“, dass sich so viele Menschen mit ihnen für die Bäume eingesetzt haben. Das sagten Sabine Biniek und Silvana Krüger, die stellvertretend für die Anwohner das Wort ergriffen.

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