Einvernehmlicher Sex oder Vergewaltigung? Schwierige Verhandlung vor dem Amtsgericht

hzProzess am Amtsgericht

Eine 26-Jährige war angeklagt, eine Vergewaltigung angezeigt zu haben, die so nicht stattgefunden haben soll. Viele Widersprüche führten vor dem Amtsgericht zu einem Freispruch.

Castrop-Rauxel

, 25.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Vorfall liegt mittlerweile fast eineinhalb Jahre zurück. Dennoch schilderte die Angeklagte den fraglichen Abend ziemlich genau. Ein bis dahin flüchtiger Bekannter und Ex einer ehemaligen Freundin, habe mit zwei Fläschchen Jägermeister vor ihrer Tür gestanden.

Nach dem Trinken sei ihr komisch gewesen, sie habe sich wie ferngesteuert gefühlt und vermutet K.O.-Tropfen, die ihr schon mal nach einer Schulabschlussfeier zugesetzt hätten. „Da muss was drin gewesen sein“, bekräftigte sie vor dem Amtsgericht Castrop-Rauxel.


Aufs Bett geworfen und gewürgt

Auch wenn der Geschlechtsverkehr zunächst einvernehmlich gewesen sein mag, hätte sie sehr bald deutlich gemacht, dass sie nicht mehr wollte.

„Da hat er mich auf das Bett geworfen und gewürgt“, sagte sie. Ihre Hilferufe hörte ein Nachbar auf der anderen Straßenseite. Als er hinzukam, sei ihm der Besuch der jungen Frau im Treppenhaus entgegengekommen. Die Nachbarin selbst sei völlig aufgelöst gewesen, habe geweint.

Geschrei alarmiert Nachbarn

Mit dem Ex-Freund, den die junge Frau ebenfalls informiert hatte, habe er die Nachbarin auf die Couch gebettet und zu beruhigen versucht. Durch das Geschrei aus dem Haus wurde zuletzt noch ein junges Ehepaar aus der Nachbarschaft aufmerksam. Gesehen hatten sie jedoch niemanden.

Dagegen beteuerte der ursprünglich der Vergewaltigung angeklagte Bekannte, dass es zu jeder Zeit sehr ruhig gewesen sei. Er hatte sich selbst bei der Polizei gemeldet, als er in einer nahegelegenen Bar erfuhr, dass die Ordnungshüter zunächst einen anderen Mann festgenommen hatten.

Kripo-Beamtin war skeptisch

Für ihn sei der Abend ein typischer One-Night-Stand gewesen. Und auf das Würgen angesprochen, meinte er nur: „Das mögen manche gern, und ich drücke ja nicht zu.“ Widersprüchlicher konnten die Aussagen nicht sein.

Widersprüche hatte aber auch eine Beamtin der Kripo festgestellt, die die Angeklagte noch in der fraglichen Nacht ins Krankenhaus zur Untersuchung begleitet hatte. „Ich war skeptisch“, sagte sie. Die Laborwerte seien unauffällig gewesen, die Frau zwar weinerlich, aber auf das Gespräch fokussiert. Und ein Chat-Verlauf, der dem Gericht vorlag, zeigte, dass der 26-Jährige die Frau nicht überrumpelt hatte, sondern eingeladen war.

Verfahren aus Mangel an Beweisen eingestellt

Am Ende des Prozesses stand für die Frau ein Freispruch. Aus Mangel an Beweisen wurde das Verfahren eingestellt - so wie zuvor schon das Verfahren wegen mutmaßlicher Vergewaltigung gegen den Mann. „Nur sie beide wissen, wie es wirklich war“, sagte der Richter.

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