Emscherland sorgt für Entspannung und bringt jungen Menschen einen Ausbildungsplatz

hzEmscher-Renaturierung

In dem geplanten Naherholungsgebiet werden 15 junge Menschen zum Garten- und Landschaftsbauer ausgebildet. Auch mit 27 Jahren hat Tobias Nowotnick noch handfeste Gründe für den Neuanfang.

Castrop-Rauxel

, 24.09.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Projekt Emscherland 2020 soll nicht nur dafür sorgen, dass sich Castrop-Rauxeler und Recklinghäuser in dem Gebiet am Wasserkreuz von Rhein-Herne-Kanal und Emscher künftig erholen können - der geplante Park beschert jungen Menschen zudem eine berufliche Perspektive.

15 junge Männer und Frauen, die bislang auf dem ersten Arbeitsmarkt noch nicht Fuß fassen konnten, werden im Emscherland zu Garten- und Landschaftsbauern (GaLaBau) ausgebildet. Eine Kooperation von Emschergenossenschaft, Kreisverwaltung Recklinghausen, dem Jobcenter des Kreises und dem Netzwerk „Weg und Raum“ macht’s möglich.

Junge Menschen mit einbeziehen

Der Gedanke für diese Aktion ist nicht ganz neu: Nachdem Jugendliche bei einem Roman-Projekt mehrere Bücher, darunter eines mit dem Titel „Willkommen im Emscherland“, geschrieben hatten, entstand die Idee, junge Menschen in Entwicklung und Bau des Parks mit einzubeziehen.

„Über Emscherland 2020 sollte Ausbildung, Weiterbildung und Beschäftigung initiiert werden“, erläutert Dr. Martina Oldengott von der Emschergenossenschaft die Ziele. Und die künftig 15 Azubis, von denen zehn am 1. September ihre GaLaBau-Ausbildung begonnen haben, sind der beste Beweis dafür, dass diese Idee in die Realität umgesetzt werden konnte.

Private Probleme

Laura Wutzler wollte nach dem Hauptschulabschluss eigentlich Malerin und Lackiererin werden. „Aber ich habe keine Ausbildungsstelle gefunden“, sagt die 19-Jährige, um ehrlich anzufügen: „Das lag unter anderem auch daran, dass ich private Probleme hatte.“

Über den Verein „Jugend in Arbeit“ hörte sie von den Lehrstellen zum Garten- und Landschaftsbauer, bewarb sich – und hatte am 1. September ihren ersten Arbeitstag.

Im Ruhrgebiet unterwegs

Pflanzen setzen, Natursteine legen, pflastern: In den wenigen Wochen hat die 19-Jährige schon viele Seiten ihres neuen Berufs kennengelernt; momentan allerdings noch an anderen Einsatzorten im gesamten Ruhrgebiet, denn die Arbeiten im Naherholungsgebiet Emscherland beginnen erst im kommenden Frühjahr.

Und trotzdem hat Laura Wutzler ihre Berufswahl noch keine Sekunde bereut: „Ich liebe es, draußen zu sein und handwerklich zu arbeiten. Ansonsten säße ich ja zu Hause.“

Emscherland sorgt für Entspannung und bringt jungen Menschen einen Ausbildungsplatz

Aus den bislang zehn Azuibs zum Garten- und Lanchaftsbauer sollen in naher Zukunft 15 Auszubildende werden. © Michael Schuh

Tobias Nowotnick hat bereits fünf Jahre als Helfer im Gartenbau gearbeitet und war in einer Maßnahme der „Dorstener Arbeit“ beschäftigt, als er von dem Kooperationsprojekt hörte. Obwohl schon 27 Jahre alt und Vater von zwei Kindern, entschied sich Nowotnick, die Chance beim Schopfe zu packen und eine Ausbildung zu beginnen.

Keine Angst vor der Schule

„Denn als Helfer habe ich ja immer viel weniger verdient als ein gelernter Garten- und Landschaftsbauer“, nennt er ein schlagkräftiges Argument für seine Entscheidung. Allerdings muss er als Berufsschüler nach längerer Zeit nun erstmals wieder die Schulbank drücken. Ob er Respekt oder gar Angst vor der Schule habe? Nowotnick schüttelt den Kopf: „Das wird schon.“

Finanziert wird das Azubi-Projekt vom Jobcenter des Kreises mit 500.000 Euro, Ausbildungsvergütung inklusive. Für die fachliche Ausbildung zeichnet der Kreisgartenbaulehrbetrieb verantwortlich, bei allen sozialen Fragen steht die Arbeitsgemeinschaft „Weg und Raum“ den jungen Menschen zur Seite.

Bleibende Werte

Patrick Hundt, stellvertretender Leiter des Jobcenters Kreis Recklinghausen, möchte den jungen Menschen natürlich vor allem zu einem Beruf und damit zu einer Lebensperspektive verhelfen. Doch in dem Projekt erkennt er noch einen zweiten wichtigen Aspekt: „Beim Emscherland geht es auch darum, an einem bleibenden Wert mitzuarbeiten. Und das ist ein Glücksfall.“

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