In eigener Sache Ruhr Nachrichten weisen Kritik des Bürgermeisters zurück

Redaktionsleiter
Der Ratssaal in Castrop-Rauxel am 24. November 2022. Um die 400 Menschen demonstrieren vor und während der Ratssitzung.
In der Ratssitzung kritisierte Bürgermeister Rajko Kravanja die Berichterstattung unserer Redaktion. Zu unrecht. © Nora Varga
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Emotional ging es in der Ratsdebatte zu den Energiesparmaßnahmen in Castrop-Rauxel am vergangenen Donnerstag (24.11.) her. Rund 350 Demonstranten sorgten für einen vollen Ratssaal und hatten viele, teils sehr kritische Fragen an die Stadtverwaltung, konkret an Bürgermeister Rajko Kravanja.

Ein zentrales Thema: die geplante Hallenbad-Schließung für einen gewissen Zeitraum. Eine Woche vor der Ratssitzung hatte unsere Redaktion darüber berichtet, die Stadt plane, das Hallenbad an der Bahnhofstraße „wohl mindestens bis März 2023 geschlossen zu halten“.

SSV formulierte ähnlich

Sehr ähnlich formulierte es auch der Stadtsportverband (SSV) in der Einladung zu einer Video-Konferenz, die sich an alle Sportvereine richtete und die per Mail auch an eine Adresse in der Stadtverwaltung ging. Wörtlich hieß es hier: „Die Vorschläge für den Rat sehen vor, dass das Hallenbad für einen Zeitraum von ca. drei Monaten geschlossen wird.“

Auf diesen Vorschlag, der spätestens zwei Tage vorher nicht mehr zur Debatte stand, sprach ein DLRG-Mitglied in der Einwohnerfragestunde im Rat Bürgermeister Rajko Kravanja an. Und der reagierte mit einer deutlichen Kritik nicht etwa am SSV, sondern an der Qualität der Berichterstattung unserer Redaktion.

Wörtlich sagte der Bürgermeister: „Ende März – da müssen Sie mal die Kollegen der Ruhr Nachrichten fragen, wo die das herhaben. Weil das war keine Information von uns. Da müssen Sie über die Qualität der Ruhr Nachrichten nachdenken. Das war nie unser Plan.“

„Flanke für Annahmen offen“

Konfrontiert damit, dass diese Aussage vom Stadtsportverband stammt, erklärte Kravanja nun auf Anfrage: „Zur Ratssitzung war mir persönlich das Schreiben nicht bekannt. Da wir in vorläufigen Gesprächen noch keine abschließende Vorlage formuliert hatten, kann ich im Nachhinein nachvollziehen, dass eine Flanke für Annahmen offen war.“

Mit anderen Worten: Eine Schließung für drei Monate war demnach nicht explizit geplant, war aber aufgrund der Aussagen der Stadt gegenüber dem Stadtsportverband auch nicht ausgeschlossen.

Was unserer Redaktion aber vor allem wichtig ist: Die Zahl war nicht erdacht, sondern fußte auf Angaben des Stadtsportverbandes, des anerkannten Vertreters der Sport-Vereine in Castrop-Rauxel. Mit diesem Gerücht hatten wir übrigens auch im Vorfeld der Berichterstattung die Stadt konfrontiert. Diese hatte aber lediglich auf die offizielle Vorlage verwiesen, die Stunden später veröffentlicht wurde und in der die Zahl „drei Monate“ nicht vorkam.

Die Kritik des Bürgermeisters an Qualitätsdefiziten unserer Berichterstattung weisen wir in diesem Zusammenhang daher zurück.