Volker Anderl kämpft wie andere Fahrradhändler mit Lieferproblemen bei Fahrrädern und Ersatzteilen. © Foto Jens Lukas
Lieferengpässe

Fahrradboom hält an: Ersatzteile werden in Castrop-Rauxel knapp

Das Geschäft mit Fahrrädern boomt in Coronazeiten. Das führt zu Engpässen. Nicht nur Fahrräder werden knapp, auch Ersatzteile. Volker Anderl hat schon 2023 im Blick.

Volker Anderl ist froh, dass es noch so kalt ist. Denn sonst kämen noch mehr zu ihm, die ihr Fahrrad fit machen wollen für den Frühling. Oder die sich ein neues Fahrrad oder Pedelec kaufen wollen. Der Inhaber von 2Rad Anderl in Ickern hat so schon genug zu tun in seiner Werkstatt.

Fahrradfahren liegt im Trend seit Beginn der Corona-Pandemie. Viele Menschen haben das Fahrrad als Freizeitaktivität für sich entdeckt. Und auch für den kurzen Berufsweg steigen manche auf das Rad um. Wer jetzt zu Beginn der Saison neue Reifen braucht, einen anderen Sattel will oder die Kette erneuern will, wird nicht immer fündig.

Fahrradhändler in der Region berichten von Lieferengpässen. Da sollen Teile schon mal eineinhalb Jahre nach der Bestellung ankommen. Und auch gewisse Fahrradmarken sind zurzeit nicht erhältlich. Auch Volker Anderl kennt diese Meldungen.

Ersatzteile wurden schon vor einem Jahr bestellt

„Es gibt extreme Lieferprobleme, bei Fahrrädern ein Jahr, teilweise noch länger“, sagt er. Aber: „Das war abzusehen.“ Deshalb habe er rechtzeitig reagiert, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Ich habe schon im vergangenen Jahr so viele Ersatzteile bestellt, dass ich meine Jungs jetzt an der Arbeit halten kann.“ Zu siebt sind sie im Team.

Die Probleme haben viele Ursachen. „Alternative Mobilität blüht auf“, sagt Volker Anderl. „Die Leute stecken ihr Geld nicht in Urlaub, sondern in Freizeitaktivitäten.“ Im vergangenen Jahr wurden nach Schätzungen des Zweirad-Industrie-Verbands rund eine Million mehr Räder verkauft als in den Vorjahren.

Volker Anderl hat Fahrräder schon für das Jahr 2023 bestellt

Viele wollen also ein Fahrrad kaufen, die meisten wiederum ein E-Bike. 85 Prozent der Räder, die Anderl in seinem Laden an der Emscherstraße verkauft, haben elektrische Unterstützung. „Ich habe Fahrräder für 2023 bestellt. Nicht für 2022. Für 2023“, sagt der Castrop-Rauxeler. „Blind. Ohne die genauen Preise zu kennen.“

Ähnlich macht er es bei Ersatzteilen. Dabei ist er auch von Tipps seiner Zulieferer dankbar. „Ich habe gerade 60 Sattelstützen für nächstes Jahr bestellt“, erzählt er. Hätte er gewartet, hätte er wahrscheinlich gar keine bekommen. Dafür muss er dann in Vorleistung gehen. Es sei ein Spagat, sagt er. Normalerweise würde er sich im Frühjahr mit Verkauf und Wartung beschäftigen und im Herbst ordern. „Jetzt geht alles gleichzeitig.“

Verkaufsberatung geht über E-Mails

Auch globale Logistik-Probleme spielen eine Rolle beim Geschäft mit den begehrten Rädern und Ersatzteilen. Und die Transportkosten aus Fernost seien um das bis zu Zehnfache angestiegen, so der Castrop-Rauxeler Fahrradhändler. Von Fernost, man denke nur an Shimano aus Japan, sei der Markt sehr abhängig. Geht es um Schutzbleche und Luftpumpen dagegen, sieht es besser aus. „Da sitzen die Hersteller im Sauerland.“

Aktuell hat nur die Werkstatt geöffnet. In seinen Laden zum Kauf von Rädern darf Volker Anderl keine Kunden lassen. Da werde dann per E-Mail beraten, welches Modell am besten zu welchem Kunden passe.

In der Werkstatt geht das meiste nur mit Termin. Damit reagiert er darauf, dass zeitweise sogar Kunden aus Kamen oder Essen ihr Glück bei ihm suchten. Nur Kunden, die ihr Fahrrad bei Volker Anderl gekauft haben, so steht es auf der Homepage, können ihr Rad auch so vorbeibringen.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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