Feuerwehr: Spagat zwischen akustischer Rücksichtnahme und schneller Lebensrettung

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Ein Facebook-Beitrag der Feuerwehr Mettmann schreckt auf: Weil man abends mit Martinshorn zum Feueralarm fuhr, schrieben Anwohner eine anonyme E-Mail und drohten mit Anzeige. Ein Einzelfall?

Castrop-Rauxel

, 05.08.2019, 12:24 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Absender, der die Nachricht mit „die kranken Anwohner“ unterschrieb, beschreibt die Rettungskräfte darin als „Wilde“, die man noch einmal „auf den Einsatz der Martinshörner“ schulen solle. Der Beitrag erreichte ein gewaltiges Echo. Er wurde bis Donnerstagmittag über 4000 Mal kommentiert, die meisten Facebook-Nutzer stellten sich dabei hinter die Einsatzkräfte.

Auch die Dortmunder Feuerwehr bekommt Beschwerden von Anwohnern – „aber nicht in diesem Ausmaß“, sagt Feuerwehr-Sprecher André Lüddecke. „Wir kriegen immer wieder mal E-Mails oder Nachrichten über die Sozialen Netzwerke. Anwohner, die sich von den Einsatzhörnern gestört fühlen, fragen darin: „Muss das sein?“

Anwohner bringen größtenteils Verständnis entgegen

Und wie sieht das in Castrop-Rauxel aus? Wir fragten nach. „Die Hauptwache der Feuerwehr an der Frebergstraße besteht bereits länger, als der größte Teil der umliegenden Bebauung. So sind die Anwohner sich der besonderen Wohnsituation an einer Feuerwehrwache bewusst und bringen der Arbeit der Feuerwehr größtenteils Verständnis entgegen. Die Feuerwehr lässt bei der Durchfahrt zu verkehrsarmen Zeiten den Signalton auch hier nicht dauerhaft ertönen“, heißt es in einer schriftlichen Antwort dazu aus der Stadtverwaltung.

Und zur weiteren Einordnung schreibt Nicole Fulgenzi, Sprecherin der Stadt: „Die Feuerwehr kann aufgrund der Straßenverkehrsordnung (§35) bestimmte Sonderrechte in Anspruch nehmen. Die Regelungen über die Verwendung von Einsatzhorn und Lichtsignalen sind in Paragraf 38 zu finden.“

Alle Verkehrsteilnehmer müssen sofort freie Bahn schaffen

Darin heißt es unter anderem: „Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“

Laut Nicole Fulgenzi würden im Zuge einer Alarmierung Martinshorn und Blaulicht eingeschaltet, sofern andere Verkehrsteilnehmer betroffen sein könnten. Aber: „Da nachts die Verkehrslage entspannter ist, ist es nicht immer nötig, das Einsatzhorn auf der gesamten Strecke zu nutzen. Jedoch wird es an Kreuzungen, Einbiegungen etc. immer eingeschaltet.“

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Zudem fielen die Fahrzeuge über das Einsatzhorn hinaus durch ihre besondere Gestaltung ins Auge. Einsatzfahrzeuge seien mit fluoreszierenden Elementen versehen und fielen auch durch ihre Signalfarben auf. Aber auch am Blaulicht gebe es durch den Einsatz von LED-Lampen Verbesserungen in der Wahrnehmung.

Rettungsgasse wird schnell wieder dicht gemacht

Und wie sieht es unterwegs aus? Reagieren die Autofahrer auf die anrückende Feuerwehr? Nicole Fulgenzi: „Die Erfahrungen der Feuerwehr mit dem fließenden Verkehr im Stadtgebiet sind überwiegend positiv.“ Aber es gibt auch Einschränkungen. Manchmal seien andere Verkehrsteilnehmer unsicher, wenn es gelte, weitere Verkehrsregeln zu beachten. Fulgenzi nennt ein Beispiel: „Ist beispielsweise eine Ampel rot, bleiben einige Autofahrer stehen, obwohl sich ein Einsatzfahrzeug mit Sirene und Blaulicht nähert. Hier ist es richtig, den Weg frei zu machen.“

Rettungsgassen auf Autobahnen würden inzwischen zwar nun häufiger gebildet, „jedoch wird die Gasse zuweilen nach einem Einsatzfahrzeug wieder geschlossen, ohne zu bedenken, dass weitere Fahrzeuge folgen könnten“, so die Stadtsprecherin. Da auf der Autobahn aber quasi keine Ausweichmöglichkeiten bestehen, sei die freie Rettungsgasse dort von großer Bedeutung.

Mit Material von dpa

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