Christoph Grabowski liebt gutes Fleisch. Aber er legt großen Wert darauf, die Tiere und das Fleisch wertschätzend zu behandeln. © Oehlke
Nach Tierhandel-Skandal

Fleischermeister erklärt: „Es gibt keine Sicherheit, die kann es nicht geben“

Nach schockierenden Bilder aus einer Tiersammelstelle in Werne wird viel über den Umgang mit Fleisch gesprochen. Fleischermeister Grabowski aus Castrop-Rauxel über den Umgang mit Lebensmitteln.

Die Bilder aus der Tiersammelstelle in Werne sind nichts für schwache Nerven. Geschwächte kranke Tiere werden von Mitarbeitern der Viehsammelstelle der Mecke GmbH gequält. Nach den Videos aus Werne, nur 30 Kilometer entfernt, ist die Stadt an der Lippe in Aufruhr. Noch ist das Ausmaß des Skandals nicht abzusehen. Verbraucher fragen sich jetzt auch in Castrop-Rauxel: Was können sie tun?

Der Castrop-Rauxeler Fleischsommelier Christoph Grabowski setzt sich seit Jahren für einen bewussten Umgang mit dem Thema Essen ein. Zu den Berichten aus Werne hat er eine klare Haltung: „Das geht gar nicht. Solche Menschen gehören rausgeschmissen. Tierquälerei und Tierwohl beißen sich.“

Für die Verbraucher sei schwer zu erkennen, ob Tierquälerei in einem Lebensmittel steckt: „Das hat nichts mit der Haltung, der Qualität oder dem Siegel zu tun. Auch in einem Demeter-Stall können solche Menschen arbeiten.“ Trotzdem seien Siegel ein guter Anhaltspunkt, um Fleisch aus artgerechter Haltung zu kaufen. Christoph Grabowski: „Ich würde Demeter- oder Bioland-Produkte vorziehen. Oder den Metzger des Vertrauens.“

Für Verbraucher, die sich mit Siegeln und Versprechen vor Tierquälerei schützen wollen, hat er eher schlechte Nachrichten: „Es gibt keine Sicherheit, die kann es nicht geben.“ Der Umgang mit dem Tier und dem Leben des Tieres sei eine Grundeinstellung, die von Behörden nur begrenzt kontrolliert werden kann.

Grundsätzlich gäbe es genug Kontrollen. Christoph Grabowski leitet die Fachabteilung Fleisch im Bochumer Betrieb Niggemann. Dort legt er großen Wert darauf, dass sein Team sorgsam und wertschätzend mit dem Fleisch umgehen.

Jeder ist in der Verantwortung

Die Verbraucher sieht er selbst in der Verantwortung, sich über ihre Ernährung zu informieren: „Meine Aufgabe ist es, die Menschen aufzuklären, aber ich kann am Ende nicht entscheiden, was die Leute mit ihrem Geld machen.“

In seinen Büchern und in Kursen schreibt und lehrt der Castrop-Rauxeler regelmäßig über die Beziehung der Menschen zu ihrem Essen. Die Schlüsse aus all dem müssten die Leute am Ende jedoch selbst ziehen, meint er.

Findet kein Umdenken unter den Verbrauchern statt, sehe der Fleischsommelier schwarz: „Dann bekommen wir eine verdickte und kranke Gesellschaft. Wir befassen uns gerade nicht richtig mit dem Thema Lebensmittel.“

Christoph Grabowski ist sich sicher: „Wer früh beginnt, gesund und richtig zu essen, der muss später weniger Pillen schlucken.“ Er plädiert dafür, schon früh mit der Aufklärung zu beginnen: Das Thema Ernährung müsse man zu einem festen Bestandteil in der Schule machen.

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Jahrgang 2000. Ist in Bergkamen aufgewachsen und nach Dortmund gekommen, um die große, weite Welt zu sehen. Überzeugte Europäerin mit einem Faible für Barockmusik, Politik und spannende Geschichten
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