Frau steht wegen Betrugs vor Gericht – und soll selbst betrogen worden sein

Amtsgericht

Eine Frau gibt der Tochter einer guten Freundin ihre Kontodaten weiter. Um zu helfen, sagt sie. Mit den weitreichenden Konsequenzen hat sie nicht gerechnet.

Castrop-Rauxel

, 11.03.2020, 19:40 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eine Frau steht vor Gericht, weil sie bei ebay-Kleinanzeigen zur Betrügerin geworden sein soll.

Eine Frau steht vor Gericht, weil sie bei ebay-Kleinanzeigen zur Betrügerin geworden sein soll. © picture alliance/dpa

Ebay-Kleinanzeigen. Diese Internet-Verkaufsplattform kennt fast jeder, viele nutzen sie, um ein Schnäppchen zu machen oder um Ausrangiertes zu verkaufen. Im Prinzip eine gute Sache, die jedoch immer wieder von Betrügern missbraucht wird.

Im vorliegenden Fall, der nach fast zwei Jahren vom Amtsgericht rekonstruiert wird, waren eventuell besonders dreiste Mitmenschen am Werk. Denn die 60-jährige Frau, die auf der Anklagebank saß, beteuerte, nicht Schuldige, sondern Opfer zu sein.

Vier Käufer geprellt

Der Castrop-Rauxelerin wurde vorgehalten, im Mai 2018 über die Kleinanzeigen-Plattform ein hochwertiges Fitness-Armband zum Verkauf angeboten zu haben. 85 Euro zahlte der Interessent. Der wie drei weitere bis heute keine Ware gesehen hat.

Denn das besagte Armband wurde anschließend noch drei Mal eingestellt und erfolgreich verkauft. Auf das Konto der Verkäuferin flossen einmal 80, einmal 50 und einmal 75 Euro.

Dieses Konto gehört der inzwischen 60-jährigen Angeklagten, die von dem schwunghaften Handel aber nichts gewusst haben will. Sie hole nur jeden Monatsanfang ihr Arbeitslosengeld II ab, gucke nicht auf die Auszüge.

Auf den Vorfall aufmerksam sei sie erst geworden, als sie bei Facebook böse Worte erreichten, in denen die Zusendung der Ware reklamiert wurde.

Denn sie war die offizielle Empfängerin des überwiesenen Verkaufspreises. Da habe sie geahnt, dass ihr übel mitgespielt worden sei, sagte sie aus.

Bankkarte verliehen

Nach ihren eigenen Angaben hatte sie nämlich ihre Bankdaten der Tochter ihrer besten Freundin und deren Freund weitergegeben, ihnen auch die Bankkarte für den Geldautomaten überlassen. Das Pärchen habe darum gebeten, weil es ein paar Sachen verkaufen wollte, aber kein eigenes Konto für die Gutschriften hatte.

Für die Frau ein Freundschaftsdienst mit Folgen. Der nicht nur das Ende einer langjährigen Freundschaft bedeutete, sondern auch ein Strafverfahren brachte. Geplündert werden konnte das Konto allerdings nicht, weil es als reines Guthabenkonto geführt wird.

Zeugen müssen aussagen

Doch bislang beruht der geschilderte Vorfall nur auf Vermutungen, denn weder die junge Frau noch ihr damaliger Partner waren als Zeugen vertreten.

Die Frau ist aus dem Haus in Habinghorst abgemeldet, unbekannt verzogen, der Mann wohnt mittlerweile in Frankfurt und ist momentan verreist, wie er dem Gericht schriftlich mitgeteilt hatte.

Der Richter ist dennoch sicher, den Prozess erfolgreich beenden zu können. So wird der Neu-Frankfurter verpflichtet, zum Fortsetzungstermin zu erscheinen, und nach der jungen Frau wird gesucht. Sie soll nach wie vor in Castrop-Rauxel wohnen.

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