Freitage für die Zukunft bald auch in Castrop-Rauxel?

hzFridays For Future

Bisher gab es Demos unter dem Motto „Fridays For Future“ nur in großen Nachbarstädten wie Dortmund und Bochum. Kommen sie jetzt auch nach Castrop-Rauxel? Schüler und Schulen äußern sich.

von Jacqueline Meyer

Castrop-Rauxel

, 01.03.2019, 06:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Sommer 2018 begann das einmalige Projekt der 15-jährigen Schwedin Greta Thunberg, freitags den Unterricht zu schwänzen, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. Ihr Ziel war damals, Politiker auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen. Sie forderte schnelle und konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz und das Einhalten des Weltklima-Übereinkommens von Paris.

Das Übereinkommen von Paris ist eine Vereinbarung der 196 Mitgliedsstaaten der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC). Es wurde am 12. Dezember 2015 auf der UN-Klimakonferenz in Paris verabschiedet. Ziel des Übereinkommen ist es, das Klima zu schützen.

Von Schweden aus trat sie eine Welle los: Das Projekt hat sich ausgeweitet, ist auch in Deutschland angekommen. In Bochum und Dortmund gehen Schüler und Studenten bereits regelmäßig freitags auf die Straßen. Bis Castrop-Rauxel ist diese Initiative noch nicht geschwappt, zumindest hat es noch keine keine organisierte Demonstration unter dem Motto „Fridays For Future“ gegeben. Diskussionen aber schon.

Diskussionsrunde im BoGi‘s unter Jugendlichen

Und das mit der Demo könnte sich auch bald ändern: Am Montag (25. Februar) kamen auf Einladung des Jugendforums des Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) und der Volkshochschule (VHS) Interessierte zu einem Informationsnachmittag in den Jugendtreff BoGi‘s in direkter Nachbarschaft des ASG. Was sind die Vor- und Nachteile dieser Bewegung? Ungefähr 20 Jugendliche, die auch in Jugendorganisationen diverser Parteien aktiv sind, kamen zum Treffen. Vertreten waren unter anderem die Junge Union, die Jungsozialisten (Jusos), die Grünen und die Linken.

Großes Diskussionsthema war der Freitag als Tag der Demonstrationen: Durch die Demos soll eine Ausnahmesituation erzeugt werden, sagt eine der Teilnehmerinnen der Diskussion. Während der Schulzeit oder danach? Bei Samstagsdemonstrationen, meinen die einen, werde der Fokus vielleicht wieder mehr auf das Thema gelenkt als dass nur darüber diskutiert wird, ob die Jugendlichen bloß Unterricht schwänzen wollen. Andererseits würden Demos am Wochenende keinen Aufschrei auslösen. Freitags würden die Jugendlichen „ihre Zukunft für die Zukunft des Planeten opfern“.

Welche Alternativen zu Demos gibt es?

Dass die Medien und Politiker sich stark auf den Aspekt Schulschwänzen fokussiert hätten, sei bei Gesprächen unter Jugendlichen selbst genau andersrum: Da gehe es nur um den Klimaschutz, nie ums Schwänzen.

Die Castrop-Rauxeler fragten sich unterm Strich, welche Alternativen sie zu den Demonstrationen haben. „Ein ökologischer Lebensstil ist teuer“, sagte einer aus der Runde. Gerade Jugendliche hätten oft keine andere Möglichkeit, sich für Klimaschutz einzusetzen, also zu demonstrieren - abgesehen von kleinen Schritten in Richtung eines ökologischen Lebensstils wie Radfahren oder daheim bei Geräten den Stecker zu ziehen, um Strom zu sparen.

Was sagen die Schulen zum Schwänzen?

Aber was sagen eigentlich die Schulen? Hans-Detmar Pelz, stellvertretender Schulleiter des Adalbert-Stifter-Gymnasiums, wisse nicht, ob ASG-Schüler bislang an Demonstrationen in umliegenden Städten teilgenommen hätten. Das würde stets in einer unentschuldigten Fehlstunde resultieren, so Pelz auf Anfrage. Sobald ein Schüler oder eine Schülerin häufiger aufgrund von Demonstrationen fehlen würde, müsste man beraten, wie man damit umgeht. Pelz beteuerte aber, dass die Schüler des ASG zu umweltbewussten Menschen erzogen würden. Das Thema „Fridays For Future“ sei jedoch (noch) kein fester Bestandteil des Lehrplans. Es könnte aber sein, dass Lehrer der Politik und Sozialwissenschaften trotzdem schon einmal über die Demonstrationen gesprochen haben.

Auch an der Willy-Brandt Gesamtschule ist es nicht erlaubt, für eine Demo dem Unterricht fern zu bleiben. Schulleiterin Violetta Kroll-Baues versicherte auf Anfrage, dass das den Schülern auch bewusst sei. Die Schüler an der WBG seien mit anderen Aktionen außerhalb der Schulzeit politisch aktiv. (Das Ernst-Barlach-Gymnasium war trotz mehrerer Versuche für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.)

15. März ist globaler Streik - auch in Castrop-Rauxel?

Während des 90-minütigen Austausches am Montag herrschte eine inspirierende Atmosphäre im BoGi‘s. Die Jugendlichen wirkten sehr motiviert, ihre eigene Demonstration in Castrop-Rauxel auf die Beine zu stellen. Aber ob sie wirklich kommt? Am 15. März wird ein auf globaler Ebene laufender Streik stattfinden. Ob dann in Castrop-Rauxel auch eine Demo stattfindet und wie viele Jugendliche teilnehmen: abwarten. Es bräuchte einen Erwachsenen, der sie offiziell anmeldet. Und da sind wir bei einem der größten Probleme, die die Jugendlichen erkennen: die mangelnde Kommunikation zwischen den Generationen über dieses Thema.

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