Castrop-Rauxeler Politiker und die Stadtverwaltung haben zusammengesessen und über alle Gammel- und Problemhäuser in der Stadt gesprochen. Die Lange Straße 107 ist von besonderem Kaliber.

Castrop-Rauxel

, 08.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

So ganz Friede, Freude, Eierkuchen kann da nicht einziehen, in dieses Thema Gammelhäuser. Dazu ist es zu vielschichtig, vielleicht zu emotional, sicherlich ganz nahe am Datenschutz. Dass die Verwaltung am Thema und an der Problemlösung arbeitet, und zwar auch schon vor dem Antrag der CDU-Fraktion in der jüngsten Ratssitzung, darin sollen sich die Teilnehmer der sogenannten „interfraktionellen Runde“ am Dienstag (4. August) einig gewesen sein.

Das Statement zur Sache von FDP-Fraktionschef und Bürgermeister-Kandidat Nils Bettinger auf Facebook jedenfalls fand auch Zustimmung bei den politischen Gegnern. Wenngleich Michael Schneider für die CDU betont: „Wir haben schon das Gefühl, dass wir hier einen entscheidenden Impuls gegeben haben.“ Und nun?

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Ob es eine Fortsetzung in dieser Causa in einigen Monaten nach der Wahl geben wird, bleibt abzuwarten. Die CDU jedenfalls will sich da wohl keine Zurückhaltung auferlegen. Übrig geblieben sein soll nach dem konstruktiven Treffen unterm Strich eine Handvoll von Objekten, die die Stadtverwaltung angehen möchte.

Lange Straße 107 ist ein Problemhaus mit sozialem Hintergrund

Raus aus dieser Aufzählung fällt das Problemhaus Lange Straße 107. Auch da soll Konsens in der „interfraktionellen Runde“ geherrscht haben, dass es hier in Habinghorst um eine soziale Grundproblematik geht, die besonderes Kümmern nötig macht. Dafür dürfte der 1. Beigeordnete Michael Eckhardt mit dem Bereich Ordnung zuständig sein, hieß es.

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Aber der Reihe nach: Um die Herner Straße, also das Gelände des ehemaligen Fuhrparks, die daher kommt, als handelte es sich um eine große Geldvernichtungsmaschine, kümmere sich die Verwaltung weiter. Das betonte Stadtbaurätin Bettina Lenort in einem Gespräch mit unserer Redaktion am Mittwoch.

Am ehemaligen Fuhrpark wird aufgeräumt

„Das Fuhrparkgelände steht ganz oben auf unserer Liste“, sagte Lenort. Und zwar bei der von der Stadt mit der Sparkasse Vest gegründeten Flächenentwicklungsgesellschaft. Dabei geht es darum, einen Steckbrief zu machen für jedes für Wohnbebauung infrage kommende Grundstück. Katalogisiert werden sollen etwa Planungsrecht und Besitzverhältnisse.

„Das Grundstück steht seit längerer Zeit bei uns im Fokus“, sagte Lenort. Dort werde jetzt aufgeräumt und ein Zaun errichtet. Sowohl mit den Anwohnern als auch mit der Besitzerin habe sie gesprochen. Sie betont aber auch: Die genaue Nennung der Gammelhäuser und Co. ermögliche eine Zuordnung oder Identifizierbarkeit, die aus Datenschutzgründen nicht okay sei. „Das hat auch mit Vertrauen zu tun“, sagt sie. Zum Teil gehörten die Betroffenen schließlich der älteren Generation an.

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Ehemaliger Blumenhof liegt im Außenbereich

Dass an der Herner Straße Wohnungsbau möglich und wünschenswert sei, darauf hat bereits ihr Vorgänger Heiko Dobrindt verwiesen. Beim ehemaligen Blumenhof Herker, direkt an der Stadtgrenze zu Herne gelegen, handele es sich um Außenbereich. Und dafür gibt es planungsrechtliche Vorschriften.

Das müsse auch der neue Besitzer gewusst haben, als er den vergammelten Bau erworben habe, sagt sie. Bis jetzt jedenfalls habe es ausschließlich Anfragen gegeben, die nicht mit „Außenbereich“ vereinbar seien. „Wir sind gerne bereit, eine Bauvoranfrage unterstützend zu begleiten“, unterstreicht die Stadtbaurätin.

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Stichwort Petrikirche: Der Landschaftsverband hat es zwei Mal abgelehnt, die Kirche unter Schutz zu stellen – mit der Begründung, es sei zu viel daran verändert worden. „Trotzdem ist die Kirche stadtbildprägend und sehr schön“, stellte Lenort klar. Man werde alles dafür tun, dass sie künftig vernünftig genutzt werde.

Interesse an ehemaliger Flüchtlingsunterkunft

Für die ehemalige Flüchtlingsunterkunft an der Wartburgstraße gebe es Interessenten wegen einer Gewerbenutzung. Gewohnt werden dürfe hier wegen der Nähe zu Rütgers nicht. Was die evangelische Kirche mit Christophorusheim und Co. mache, müsse abgewartet werden. Grundsätzlich sei die Ecke im Flächennutzungsplan als „Fläche für den Gemeinbedarf“ ausgewiesen. Könne man also für soziale Zwecke nutzen oder einen Bebauungsplan aufstellen.

Über die alte Tanke an der Bahnhofstraße in Rauxel sei ausführlich in der letzten Sitzung des Bauausschusses vor der Sommerferien gesprochen worden. Mit den beiden Erwerbern sei Kontakt aufgenommen worden. Das Grundstück wurde geteilt. Dort sollen ein drei- bis viergeschossiges Wohngebäude und eine Übereck-Bebauung mit einer Gewerbeeinheit oder Ähnlichem hinkommen.

Praxis wird nach Städteleitfaden umgesetzt

„Stadtentwicklung findet statt, mitunter eben nicht so in der Öffentlichkeit wahrnehmbar“, sagte Bettina Lenort. In der Ratssitzung am 25. Juni hatte sie den Städteleitfaden des Landes zum Umgang mit Problemimmobilien zum Thema gemacht. Bürgermeister Rajko Kravanja hatte darauf verwiesen, dass Castrop-Rauxel das entsprechende Handlungskonzept längst umsetze.

Und was wird aus den Schrottimmobilien an Kreuzstraße, Glückaufstraße und Bergstraße?

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In Obercastrop und der Altstadt scheinen die Hürden nach wie vor hoch. Bei der Bergstraße hatte sich die Stadt vor einigen Wochen durchaus optimistisch gezeigt. Der alte Bauernhof am Kanal zwischen Pöppinghausen und Habinghorst, dessen Pächter 2019 starb, kommt auch auf die Liste bei der Flächenentwicklungsgesellschaft. Hier hat die Stadt nach eigenen Angaben 20 Versuche unternommen, um eine schnellere Lösung zu finden.

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