Gastronomen in der Coronakrise: Zwischen Super-Gau und Gastro-Ideen

hzCoronavirus

Super-Gau, Lockdown, Existenzgefährdung: Diese Worte fallen, wenn man mit Gastronomen über private Feiern und neue Coronaregeln spricht. Es gibt Kritik an der Politik. Aber auch tolle Ideen.

Castrop-Rauxel

, 15.10.2020, 17:50 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Donnerstag ist wieder einmal ein Tag, an dem die Telefone in den Restaurants und beim Caterer dauernd klingeln. Die Coronaregeln des Landes, wie sie im Risikogebiet Kreis Recklinghausen gelten, machen manchen Plan für eine Feier zunichte. Und wenn die Beschlüsse der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten erst einmal umgesetzt sind, können sich noch weniger Menschen zu einer privaten Feier im öffentlichen Raum treffen.

Bei einer schnellen Umfrage ist sogar von „Super-Gau“ und „Existenznot“ die Rede. Öffentlich zitiert werden wollen diese Ansprechpartner allerdings nicht. Andere äußern dagegen ihre Kritik ganz offen. Und erzählen, wie sie der Krise begegnen wollen.

Es gibt also Absagen, Verschiebungen und jede Menge Anfragen, weil die Menschen nicht genau wissen, was jetzt eigentlich gilt. Das wirkt sich finanziell aus. Viele der Gastronomen jammern trotzdem nicht. „Ernst, aber nicht hoffnungslos“ und „Wir müssen einfach damit leben“, sind Aussagen, die öfter fallen. Dabei lief es in den vergangenen Wochen gar nicht so schlecht.

„Eine Feier nur mit zehn Personen ist keine Feier“

Christa Eickenscheidt, Chefin im Restaurant Wetterkamp in Henrichenburg, lebt auch von Feiern, die in ihrem Restaurant möglich sind. „Eine Feier nur mit zehn Personen, das ist doch keine Feier“, sagt sie. Am kommenden Sonntag hätte eine Gruppe von 35 Menschen bei ihr gefeiert. Jetzt ist alles verschoben.

Ab Ende Oktober beginnt die Saison der Weihnachtsfeiern. Wie die stattfinden sollen, weiß die Gastronomin nicht. „Die meisten haben abgesagt“, sagt sie. Gerade ältere Menschen hätten auch einfach Angst, es sei ihnen zu riskant. Christa Eickenscheidt will jetzt wieder verstärkt auf den Außer-Haus-Verkauf setzen, weil sie davon ausgeht, dass das À-la-carte-Geschäft leiden wird. Auch so beliebte Angebote wie die „Gänsezeit“ will sie so umsetzen, dass die Gans auch zu Hause verzehrt werden kann.

Es ist ihr aber klar: „Es wird uns treffen.“ Ihre Angestellten sind in Kurzarbeit. An den Wochenende hat sie manchmal Verstärkung in der Küche. Aber das Aufräumen und Putzen erledigt die Chefin wieder selbst, um zu sparen. Ihren Optimismus hat sie nicht verloren: „Man muss nach vorne schauen und überlegen, was man machen kann.“

Für die Veranstaltungsbranche bedeutet es den nächsten Lockdown

Wie man der Krise begegnet, darüber wird auch bei dem Catering-Unternehmen Stolzenhoff nachgedacht. Immerhin 800 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. „Im August und September haben wir noch viele schöne Veranstaltungen gehabt“, berichtet Dennis Stolzenhoff. „Das hat allen Spaß gemacht.“ Doch jetzt kommen wieder die Absagen. „In der vergangenen Woche haben wir Lebensmittel von geplanten Feiern für insgesamt 2000 Leute an die Tafel weitergegeben.“

Jetzt lesen

Angesichts der aktuellen Beschränkungen sagt er: „Das ist der nächste Lockdown, den die Veranstaltungsbranche bekommt.“ Den Kunden macht er keine Vorwürfe. Er verstehe deren Ängste, sagt er, gerade bei älteren Menschen. Aktuell kämen auch viele Anrufe, weil Menschen verunsichert sind, nicht mehr wissen, was erlaubt ist.

Er will aber lieber mehr finanzielle Unterstützung und hat Forderungen an die Politik. „Es müssen 90 Prozent der Fixkosten in jeglicher Höhe übernommen werden“, sagt er. Und das gerade vor dem Hintergrund, dass es durch das ständig wechselnde Regelwerk kurzfristige Absagen und damit finanzielle Ausfälle gibt. Zurzeit werden bei Stolzenhoff mit Überbrückungshilfen rund 45 Prozent der Fixkosten gedeckt. Und natürlich gibt es Kurzarbeit.

Pop-up-Weihnachtsmarkt ist für Firmen eine Alternative zur Weihnachtsfeier

Aber auch bei Stolzenhoff werden Ideen entwickelt. Die Metzgereien machen Fleischpakete, die ausgeliefert werden, und es wird eingekocht. Eine andere Idee ist entstanden, weil klar ist, dass das Weihnachtsgeschäft nicht wie gewohnt stattfinden wird. „Wir haben ein schönes Konzept. Wir machen einen Pop-up-Firmen-Weihnachtsmarkt in der Rennbahn in Dortmund.“ Hier könnten Firmen ihren Mitarbeitern oder Kunden Danke sagen und sie für ein paar Stunden auf einen Weihnachtsmarkt zu Glühwein und vielem anderen einladen.

Einbußen hat auch Marvin Michalek in seinem Restaurant Mythos an der Borghagener Straße. Und viele Anfragen, was denn eigentlich gilt. „Warum dürfen 25 Menschen zusammen feiern, aber ein Stammtisch mit zehn Personen nicht?“ ist so eine Frage. Seine Kritik richtet sich an Land und Bund. „Die Informationspolitik ist sehr unbefriedigend“, sagt er.

Herauszufinden, welches die aktuellsten Beschlüsse sind, wie er das umsetzen muss, Gäste zu informieren und mit ihnen Absagen oder Verschiebungen zu besprechen, das nehme viel Zeit in Anspruch. Von seiner Kritik nimmt er das Ordnungsamt der Stadt explizit aus. Dort werde er vernünftig beraten, sagt er. Und: „Bei den notwendigen Kontrollen sind sie nicht aufdringlich.“

Lesen Sie jetzt