Gefahren der künstlichen Intelligenz: WLT zeigt „Die Mitwisser“

Theater

Was wäre, wenn der Mensch jegliche Kontrolle über sein Leben abgibt? Das WLT zeigt „Die Mitwisser“. Warum das Stück humorvoll und beängstigend zugleich ist, erklären Regisseur und Dramaturg.

Castrop-Rauxel

von Sabrina Dubray

, 28.01.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 3 min
Gefahren der künstlichen Intelligenz: WLT zeigt „Die Mitwisser“

Das WLT zeigt am Samstag die Premiere des Stückes "Die Mitwisser". © Volker Beushausen

Philipp Löhle ist ein deutschsprachiger Dramatiker und hat mit „Die Mitwisser“ ein Stück über die Perspektiven und den Umgang mit Big Data in einer immer digitalisierteren Welt geschrieben. Er entwirft ein Post-Siri- und -Alexa-Szenarium, in dem der Mensch jegliche Kontrolle über das Leben abgegeben hat. Das Westfälische Landestheater bringt das Stück in einer Inszenierung von Markus Kopf auf die Bühne. Im gemeinsamen Interview mit Dramaturg Christian Scholze spricht er über seine neueste Produktion, die am 1. Februar Premiere feiert.

Für alle, die das Stück nicht kennen: Können Sie kurz erklären, wovon es handelt?

Markus Kopf: Der Autor Philipp Löhle verlegt die uns heute umgebende digitale Welt mit Smartphone, Instagram, Facebook, YouTube in eine analoge Lebenswirklichkeit. Was uns der unverzichtbare Internetzugang anbietet, wird in dieser vom Autor als „Idiotie“ vorgestellten Farce durch allzeit präsente Kwants dargestellt: Menschen die uns bereitwillig Dienste anbieten, uns durch ihr Wissen mit Informationen überschütten und zunehmend in unsere Privatheit eindringen.

Herr Kwant und seine Klone, die man sich gratis ins Haus holen und als Helfer und Alleswisser benutzen kann, sammeln nicht nur Daten, sondern saugen damit zugleich die Freiheit und Individualität aus den Menschen, denen sie zu dienen scheinen.

Gefahren der künstlichen Intelligenz: WLT zeigt „Die Mitwisser“

Markus Kopf © Volker Beushausen

Christian Scholze: Wir haben das Stück deswegen auf den Spielplan genommen, weil wir uns mit den Auswirkungen der digitalen Entwicklung auf die Gesellschaft beschäftigen wollen. Wir alle haben in der Theorie eine Ahnung davon, dass die digitale Entwicklung auch mit Gefahren verbunden ist und unser Leben verändern wird. Wie sehr das geschieht übersteigt unsere Vorstellungskraft. In diesem Stück bekommt man eine Ahnung davon.

Können Sie die anfängliche Euphorie für Herrn Kwant verstehen?

Markus Kopf: Wir alle sind doch begeisterte Internetnutzer, wohlwissend wie stark die Einflussnahme ist und wohlwissend wie unabsehbar die Folgen. Wir alle, ob Skeptiker, Befürworter oder Verweigerer kommen um die Möglichkeiten der sozialen Netzwerde nicht herum. Sind Sie Eltern werden Ihre Kinder von Ihnen den Netzwerkzugang einfordern, da diese sonst von der sozialen Gemeinschaft abgeschnitten sind. Für mich als Regisseur hat es enorme Vorteile, sich über das Internet mit Hintergrundinformationen zu Stücken zu versorgen. Die Vorteile sind evident können aber nicht darüber hinwegtäuschen welch enorme Gefahr in der Datenanhäufung liegt.

Christian Scholze: Ich glaube, dass es durchaus eine Faszination hat, wenn man jemanden hat, der wie ein Mensch aussieht, der aber im Grunde ein Diener ist. Der macht alles und auch noch alles richtig. Das kann ich psychologisch verstehen. Mich persönlich würde das, glaube ich, langweilen.

Gefahren der künstlichen Intelligenz: WLT zeigt „Die Mitwisser“

Menschen die uns bereitwillig Dienste anbieten, uns durch ihr Wissen mit Informationen überschütten und zunehmend in unsere Privatheit eindringen - darum geht es in „Die Mitwisser“. © Volker Beushausen

Das Stück zeichnet ein düsteres Szenario, aber es hat auch Humor und Leichtigkeit. Wie würden Sie die Stimmung beschreiben?

Christian Scholze: Die Situationen und Figuren haben etwas Humorvolles. Dabei sind sie aber auch ziemlich authentisch. Es gibt eine Stelle, da ist Herr Kwant gerade erst angekommen und es wird deutlich, dass Anna versucht, schwanger zu werden. Sie fragt ihn, ‚woher wissen Sie das‘ und er sagt, er habe es durch die Indizien im Badezimmer entdeckt. Sie regt sich darüber auf und sagt zu ihm, ‚Kümmern Sie sich um Ihren eigenen Scheiß‘. Und er nimmt das wörtlich, weil es ja ein Befehl ist. So etwas finde ich witzig. Oder auch das Erstaunen in der Büro-Szene, wenn Theo sich Gedanken darüber macht, wo er für seine Arbeit recherchieren muss und Herr Kwant einfach alles weiß.

Gefahren der künstlichen Intelligenz: WLT zeigt „Die Mitwisser“

Christian Scholze. © Volker Beushausen

Für wen ist es das richtige Stück?

Markus Kopf: Es wendet sich an jeden, der mit Big Data in Kontakt kommt. Das Stück ist von hohem Unterhaltungswert und es gelingt leicht verständlich und mit Witz die Thematik zu behandeln.

Christian Scholze: Ich finde, es ist ein total interessantes Stück und es eignet sich für viele Altersgruppen. Denn ich glaube, man kann so eine grundlegende Tendenz in der Gesellschaft erkennen: Wenn ich etwas nicht verstehe, dann wird es schon nicht so schlimm sein. Das ist eine Art Verdrängungsmechanismus. In unserem Stück zeigen wir, wie sich ein privates, individuelles, soziales Miteinander dadurch verändert und wie jemand darüber die Kontrolle verliert. Das ist auch beim Umgang mit den sozialen Medien der Fall. Ich mag solche Stücke, die mit einer Realität umgehen, die nicht so weit in der Zukunft liegt.

Die Premiere feiert das WLT am Samstag, 01. Februar um 20 Uhr im WLT-Studio, Europaplatz 10. Es gibt nur noch Restkarten. Weitere Termine: 8. und 11. Februar. Karten, Abos und Informationen an der Theaterkasse: Maximilian Bock, Tel. (02305) 978020 oder per E-Mail an bock@westfaelisches-landestheater.de

Lesen Sie jetzt