Gegen die Armut: Linke wollen drei neue Sozialbetreuer-Stellen in der Stadtverwaltung

hzAntrag gestellt

Durch die geplante Mahnwache am 24.1. auf dem Castroper Marktplatz ist eine neue Armutsdebatte entflammt. Die Linkspartei analysiert die Situation und fordert eine Offensive: mehr Personal.

Castrop-Rauxel

, 18.01.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Linkspartei geht gegen die Armut in Castrop-Rauxel in die Offensive. Laut ihren Informationen betrage die Armutsquote in Deutschland 15,5 Prozent, in NRW 18,1 Prozent, im Ruhrgebiet 21,1 Prozent und in der Emscher-Lippe-Region 22 Prozent. Verengt man den Kreis, wird der Anteil der Armen also laut Linkspartei immer größer. Auf Castrop-Rauxel bezogen liegt diese Quote nicht vor, was die Stadtverwaltung unserer Redaktion gegenüber ebenso angab.

Wer ist arm? So leitet die Linkspartei die Zahlen her

Arm sei jeder, der ein geringeres Nettoeinkommen habe als 1035 Euro als Alleinstehender, 1553 Euro als Paar und 1863 Euro als Paar mit einem Kind unter 14 Jahren, heißt es in einem Schreiben von Pressesprecher Meinolf Finke.

Zu den Armen zählten dem folgend 9216 Castrop-Rauxeler, die laut Jobcenter-Jahresbericht im Jobcenter betreut werden. Darunter sind 2801 Kinder unter 18 Jahren. Dazu zählen laut der Erhebung auch alle Personen, die Grundsicherung im Alter beziehen, sowie Personen, die das soziale Basisnetz nicht in Anspruch nehmen.

Jetzt lesen

Festgestellt worden sei in Umfragen, dass 60 Prozent aller anspruchsberechtigten Senioren Grundsicherung nicht in Anspruch nehme. „Die Armut bei Senioren ist viel größer, als die offizielle Statistik ausweist“, sagt Meinolf Finke. „Nicht 520 Personen, sondern etwa 1300 Personen haben in Castrop-Rauxel vermutlich Anspruch auf Grundsicherung.“

Nur zehn Prozent der Berechtigten erheben den Anspruch

Besonders groß sei die Nichtinanspruchnahme von Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket, nach dem Kinder aus Hartz-IV-Familien gefördert werden können: „Nur zehn Prozent der Berechtigten nehmen diese Leistungen in Anspruch“, so Finke.

Das will die Linke ändern: Sie fordert die Stadtverwaltung auf, im Bereich Soziales drei neue Stellen einzurichten. Die Mitarbeiter sollten Menschen in Angelegenheiten von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Wohngeld und in anderen sozialen Fragen beraten, zum Beispiel zum Bildungs- und Teilhabepaket. Und sie dann auch begleiten.

„Wenn es möglich wird, den Berechtigten dabei zu helfen, Leistungen aus dem sozialen Basisnetz zu beziehen, würde das zwar nicht die Armut beseitigen, aber sie kämen etwas besser über die Runden“, findet Meinolf Finke. Die drei Stellen sollen finanziert werden über das Jobcenter.

„Keine Aktivität feststellbar“

Die Verwaltung habe im Februar 2019 auf Antrag der Linken einen Prüfauftrag für den Bereich Bildung und Teilhabe erhalten. „Es ist aber keine Aktivität feststellbar, die den Jugendlichen endlich ihnen zustehende Gelder besorgt“, kritisiert Finke.

Problemerledigungen seitens der Verwaltung scheiterten bislang oft an Personalmangel. Dass die interfraktionelle Steuerungsgruppe „Armutsbekämpfung in Castrop-Rauxel“ im August 2018 stillschweigend eingeschlafen sei, bedauern die Linken. Die Sozialdezernentin sagte auf Anfrage unserer Redaktion, man erarbeite gerade einen umfangreichen Sozialbericht und bereite Maßnahmen zur Armutsbekämpfung vor.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt