Geldautomat der Sparkasse gesprengt Verdächtiger (23) humpelt auf Krücken ins Gericht

Gerichtsreporter
Der Angeklagte zwischen seinen beiden Verteidigern Marco Ostmeyer (li.) und Axel v. Irmer.
Der Angeklagte zwischen seinen beiden Verteidigern Marco Ostmeyer (li.) und Axel v. Irmer. © Martin von Braunschweig
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Am Dortmunder Landgericht hat am Freitag (18.11.) der Prozess um die nächtliche Sprengung des Geldautomaten an der Sparkasse in Henrichenburg begonnen. Zusammen mit zwei bislang unbekannten Komplizen soll der 23-jährige Angeklagte in der Nacht auf den 19.5.2022 einen Sprengsatz gezündet haben.

Während die beiden Komplizen mit über 42.000 Euro Beute flüchteten, wurde der Angeklagte von einem Schuss eines Polizisten ins Bein getroffen. Bis heute ist die Verletzung nicht vollständig ausgeheilt. Als der Niederländer zu Prozessbeginn von zwei Wachtmeistern in den Saal geführt wurde, konnte er sich nur langsam und an Krücken bewegen. Sein Gesicht war von Schmerzen gezeichnet.

Im Hinterzimmer geht es weiter

Zu den Vorwürfen wollte sich der 23-Jährige am ersten Verhandlungstag noch nicht äußern. Grundsätzlich sei sein Mandant jedoch zur Aussage bereit, sagte Verteidiger Marco Ostmeyer. Zuvor regte er aber ein sogenanntes Rechtsgespräch mit der Staatsanwaltschaft und den Richtern an.

In einem Rechtsgespräch wird üblicherweise abgeklärt, ob es eine Möglichkeit gibt, das Verfahren mit einem Geständnis abzukürzen und sich schon im Vorfeld auf eine Höchststrafe zu verständigen. Dem Angeklagten und der Verteidigung scheint also auch klar, dass angesichts der Festnahme am Tatort ein komplettes Bestreiten überhaupt keinen Sinn ergeben würde.

Sowohl der Vorsitzende Richter Dirk Kienitz als auch Staatsanwältin Esther Schulte-Göbel wollten sich einem Rechtsgespräch nicht verschließen. Das soll allerdings erst zu Beginn des zweiten Verhandlungstages geführt werden.

Solche Gespräche werden außerhalb der Verhandlung, also auch ohne Öffentlichkeit geführt. Im Anschluss müssen Zuschauer und Medien jedoch über den Inhalt der Unterredung informiert werden. Dann wird auch feststehen, ob es eine Einigung gegeben hat.

„Eine Bombe geschmissen“

Am ersten Verhandlungstag wurden aber bereits Zeugen aus der Nachbarschaft der Sparkasse gehört. Ein 65-jähriger Rentner wurde von dem lauten Knall aus dem Schlaf geschreckt und erinnerte sich so: „Ich dachte erst an einen Donner, aber meine Lebensgefährtin wusste gleich, dass da jetzt die Bank gesprengt wurde.“

Ein Blick aus dem Fenster machte damals deutlich, dass die Frau recht hatte. „Es sah aus, als hätte da einer eine Bombe in die Bank geschmissen“, so der Zeuge. „Aber schon nach wenigen Sekunden war dann die Polizei vor Ort und hat geschossen.“ Acht bis zehn Schüsse will der Rentner wahrgenommen haben. „Und irgendwann hörte man dann nur noch ein leises Jammern und Wimmern von dem Getroffenen.“