Gericht braucht drei Verhandlungen für ein gebrauchtes 90-Euro-Ceranfeld

hzBetrugsvorwurf

Drei Verhandlungen für ein gebrauchtes Ceranfeld und noch immer keine Klarheit. Das Amtsgericht in Castrop-Rauxel muss sich immer wieder mit solchen Bagatell-Fällen beschäftigen.

Castrop-Rauxel

, 24.07.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die deutschen Gerichte sind seit Jahren massiv überlastet. Der Richterbund verweist seit Jahren auf die Dringlichkeit von mehr Personal an den Gerichten. In manchen Fällen müssen Kläger Jahre lang auf einen Termin warten.

Hinzu kommen zuletzt Einschränkungen durch die Corona-Krise, die die Gerichte natürlich auch zu spüren bekommen. Die Zahl der Fälle, die verhandelt werden konnten und können, ist dadurch auch am Castrop-Rauxeler Amtsgericht gesunken.

Statt sich dann aber mit tatsächlich wichtigen Fällen befassen zu können, mit Fällen, müssen sich Richterinnen und Richter immer wieder mit Bagatell-Fällen befassen, müssen Sitzungen neu anberaumen, weil Beklagte oder Zeugen nicht auftauchen, müssen viel Zeit in Strafsachen investieren, die den Staat viel Geld kosten.

Bagatell-Fälle belasten das Amtsgericht

Ein Präzedenzfall für solche Bagatell-Sachen spielte sich jetzt wieder in einem der Gerichtssäle an der Bahnhofstraße ab. Dort ging es in der inzwischen dritten Verhandlung um ein Ceranfeld. Genauer: Um ein gebrauchtes Ceranfeld, das bei Ebay angeboten worden war aber nie den Käufer erreichte:

So wunderte sich nicht nur eine 44-jährige Zeugin jetzt, dass sie vor Gericht aussagen sollte. Anlass dazu gab erwähntes Ceran-Kochfeld, das verkauft, aber trotz umgehender Zahlung nie bei der Käuferin angekommen war. Die hatte Anzeige erstattet.

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Verkäufer war ein 32-Jähriger, der in zwei vorangegangenen Sitzungen versucht hatte, die missglückte Aktion zu erklären. Dabei machte er die 44-Jährige, zum Zeitpunkt der Ebay-Aktion noch seine Freundin, zur möglichen Betrügerin. Denn es sei ihr Ceranfeld gewesen. Er habe ihr nur großzügig seinen Ebay-Account zur Verfügung gestellt. Und seine Mail-Adresse und seine Bankverbindung.

89,95 Euro waren nach der Auktion auf dem fraglichen Konto eingegangen, die die Ex-Freundin kassierte. Aber: „Sie hatte das Ceranfeld wieder mit zu sich genommen“, so der Angeklagte vor Gericht.

Keine Ahnung

„Nein“, sagte die Zeugin, ihr Ex-Freund habe den Artikel angeboten und auch das Geld kassiert. Zufällig habe sie eine Mail bei ihm gelesen, in der nach dem Versand des Artikels gefragt wurde. „Ich habe damals bei Ebay nur gekauft, wusste gar nicht, wie ein Verkauf funktioniert.“

Ein ratloser Richter schüttelte den Kopf. Er kannte beide Partner aus einer früheren Verhandlung, auch die neun Vorstrafen des Angeklagten. Doch diesmal gab es keine Fakten. So blieb nur eine Einstellung des Verfahrens, allerdings mit deftigen Auflagen für den Mann: Schadensersatz, Entschuldigungsschreiben und 200 Sozialstunden.

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