Gesundheitsamt informiert nicht alle Kontaktpersonen eines Corona-Infizierten

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Nach einem positiven Corona-Test ermittelt das Gesundheitsamt die Kontakte eines Infizierten. Darum sind die Listen in Gaststätten so wichtig. Doch längst nicht jeder, der drauf steht, erfährt davon.

Castrop-Rauxel

, 01.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Monaten gibt es zahlreiche Maßnahmen, die eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen. Mittlerweile haben sich Abstandsbestimmungen und das Anlegen eines Mund-Nasen-Schutzes in Gebäuden als der wichtigste Schutz vor dem Virus herausgestellt. Seit 14 Tagen soll uns außerdem die Warn-App melden, wenn wir mit einem Menschen Kontakt hatten, bei dem eine Corona-Infektion festgestellt wurde.

Doch was passiert eigentlich, wenn sich herausstellt, dass man zeitgleich mit einem Corona-Infizierten im Restaurant, im Freibad oder im Konzert war? Die kurze Antwort lautet: weniger, als die meisten erwarten. Die Stadt Castrop-Rauxel hat uns den Ablauf auf Anfrage geschildert.

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Wird eine Corona-Infektion bekannt, fragt das Gesundheitsamt den erkrankten Menschen nach allen öffentlichen Orten, an denen er sich in den vergangenen Tagen aufgehalten hat – beispielsweise Cafés.

Gesundheitsamt fragt nach den Kontaktlisten

Dann nimmt das Gesundheitsamt Kontakt auf und fragt nach den Kontaktlisten, in die sich alle Anwesenden mit Datum und Zeit des Besuchs eingetragen haben (sollten). Doch anders, als man annehmen könnte, kontaktiert das Gesundheitsamt nicht alle Menschen, die sich zeitgleich etwa im Freibad oder im Restaurant aufgehalten haben.

Kontakt nimmt man im Restaurant-Fall nur zu denjenigen auf, die mit dem Infizierten am gleichen Tisch gesessen haben. Man könnte also einen ganzen Abend am Nachbartisch gesessen, das gleiche Waschbecken oder Handtuch benutzt haben und hinterher nichts darüber erfahren.

Noch schwieriger ist die Lage bei größeren Menschenansammlungen. Auch im Freibad, so bestätigt es uns eine Sprecherin der Stadt Castrop-Rauxel, werden nicht alle Besucher kontaktiert, die im gleichen Zeitfenster das Bad besucht haben, sondern nur direkte Kontaktpersonen. Aber in die Liste am Eingang müssen sich alle eintragen.

Wenn der Infizierte vor mir geschwommen ist, erfahre ich es nicht

Menschen, mit denen man sich zum Beispiel im Schwimmbecken nahe gekommen ist, die nacheinander das selbe Geländer berührt haben oder hinter denen man geschwommen ist, werden nicht benachrichtigt.

Nach den Gründen für diese zurückhaltende Vorgehensweise befragt, heißt es aus der Pressestelle der Stadt Castrop-Rauxel, man leite die Vorgehensweise aus den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes ab.

Was geschieht, wenn eine Bar oder ein Restaurant die Kontaktdaten seiner Besucher nicht sammelt, erklärt die Stadt nicht konkret. Es sei natürlich eine Ordnungswidrigkeit, aber ein Plan für eine andere Möglichkeit der Nachverfolgung scheint nicht zu existieren.

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