Giftiger Rauch in Moschee: Castrop-Rauxeler wegen 50-fachen Mordversuchs vor Gericht

hzLandgericht Hagen

Ein drogenabhängiger Mann aus Castrop-Rauxel soll vor einer Hagener Moschee Feuer gelegt haben. Seit Mittwoch steht er vor Gericht. Religiöser Hintergrund? Eher nicht, so die Staatsanwaltschaft.

Castrop-Rauxel

, 05.12.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Überwachungskamera zeigt einen Mann mit zwei Hunden. Er geht in eine Art „Tunnel“, den Eingangsbereich eines Mehrfamilienhauses in Hagen. Kurz darauf schlagen Flammen hoch, giftiger Rauch zieht ins Gebäude, in dem sich auch eine Moschee befindet.

Seit Mittwoch wird dem mutmaßlichen Brandstifter, einem 53-Jährigen aus Castrop-Rauxel, in Hagen der Prozess gemacht. Die Anklage: 50-facher Mordversuch.

Container und Holzdach fangen Feuer

Es war der 25. Mai 2019, gegen 9.30 Uhr. In dem überdachten Eingangsbereich des Hauses stehen Papier- und Müllcontainer. Einer davon fängt Feuer. Die Flammen bereiten sich sofort aus – auch auf das Holzdach des „Tunnels“.

In der Moschee befinden sich zu diesem Zeitpunkt zwar keine Personen, dafür aber in den Wohnungen des vierstöckigen Hauses. Die Bewohner sitzen in der Falle. Ihnen ist durch das Feuer laut Anklage der einzige Fluchtweg abgeschnitten. Dass niemand verletzt worden ist, liegt wohl nur daran, dass der Brand sofort entdeckt wurde.

Die Bilder von der Überwachungskamera sind zwar schlecht, doch sie könnten auf den Mann passen, der später in Hagen festgenommen wurde und nun vor Gericht steht. Er hatte sich mit seinen Hunden an Bahngleisen aufgehalten.

Angeklagter will vor Gericht schweigen

Zum Prozessauftakt vor dem Hagener Schwurgericht äußerte sich der Castrop-Rauxeler noch nicht zu den Vorwürfen. „Er will sich schweigend verteidigen“, sagte einer seiner beiden Verteidiger.

Ein unbeschriebenes Blatt ist der 53-Jährige nicht. Er war erst 2018 aus dem Gefängnis entlassen worden – nach sieben Jahren Haft. Damals war er in Bonn verurteilt worden – auch wegen Brandstiftung.

Ob er überhaupt erkannt hat, dass sich in dem Wohnhaus eine Moschee befindet, ist unklar. Ein Schild in deutscher Sprache gab es nicht. Nur ein Hinweis auf die „Islamische Gemeinde Milli Görüs“.

Offenbar kein religiöser Hintergrund

Von einem religiösen oder rassistischen Hintergrund geht die Staatsanwaltschaft aber ohnehin nicht aus. Der Angeklagte gilt als schwer heroinabhängig und soll unter einer Persönlichkeitsstörung leiden.

Dass bei der Brandstiftung nichts passiert ist, war übrigens großes Glück: Wäre das Feuer eine Stunde später gelegt worden, hätten sich in der Moschee 60 bis 70 Kinder befunden.

Durch den giftigen Rauch waren die Räumlichkeiten nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden des islamischen Vereins rund zwei Wochen nicht benutzbar. Der durch den Brand entstandene Sachschaden soll sich auf rund 70.000 Euro belaufen.

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