Castrop-Rauxel bekommt Glasfaser und damit die Voraussetzungen für ultraschnelle Internetverbindungen. Bis Ende 2020 müssen die Leitungen liegen und laufen. Aber kann das klappen?

Castrop-Rauxel

, 08.04.2019, 11:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

223 Unternehmen, 29 Schulen, 394 Haushalte, 3 Gewerbegebiete: Diese Zahlen nennt Prokurist Karsten Kremer wie aus der Pistole geschossen, als er am Donnerstag im Hauptausschuss die Pläne seines Telekommunikations-Unternehmens Gelsen-Net vorstellt.

Seine Firma hat die Ausschreibung gewonnen, mit der Castrop-Rauxel als Teil der Region WIN Emscher Lippe den Breitbandausbau unter Zuhilfenahme von Bundesfördermitteln forcieren wollte. Nun investiert Gelsen-Net 30 Millionen Euro, von denen 8,8 Millionen Euro als Fördergeld an das Unternehmen zurück fließen, wenn alle Auflagen erfüllt werden.

Eine zentrale Auflage war, dass zunächst die Schulen angeschlossen werden. Um das gewährleisten zu können, verläuft der zentrale Glasfaser-Strang als Schleife von Gelsenkirchen aus, der Heimatkommune der Firma, über Recklinghausen-Süd/Suderwich nach Castrop-Rauxel in den Norden, dreht über den Süden heraus in Richtung Herten und führt dann zurück nach Gelsenkirchen. Durch diese Form könne man Störungen ausschließen, so Kremer, denn die Daten könnten in zwei Richtungen fließen.

10 bis 15 Bauarbeiter-Kolonnen im Einsatz

Konkret bedeutet es, dass im Norden der Stadt schon in diesem Monat der Tiefbau beginnen wird. Man arbeite mit 10 bis 15 Bauarbeiter-Kolonnen gleichzeitig und werde vor allem Gehwege aufmachen. Unter Straßen und Kreuzungen wolle man hingegen mit dem Pressverfahren arbeiten, um den Verkehrsfluss nicht zu beeinträchtigen.

Karsten Kremer, Prokurist der Gelsen-Net: Das Telekommunikationsunternehmen baut ein Glasfasernetz in Castrop-Rauxel, zunächst bis Ende 2020.

Karsten Kremer, Prokurist der Gelsen-Net: Das Telekommunikationsunternehmen baut ein Glasfasernetz in Castrop-Rauxel, zunächst bis Ende 2020. © Tobias Weckenbrock

210 Kilometer lang werden die Leitungen am Ende unter Castrop-Rauxeler Stadtgebiet sein. Dazu wird es neue Verteilerkästen an Straßenrändern geben. Auf einer Internetseite will man den Baufortschritt täglich aktuell dokumentieren, betroffene Anwohner aber auch schon einige Wochen vor Baubeginn per Hauswurfsendung über die Arbeiten informieren.

Häuser am Wegesrand werden angeschlossen

„Wo wir den Gehweg aufmachen, da werden wir die anliegenden Häuser gleich an die Glasfaser anschließen“, so Kremer. Damit gehe der Grundstückseigentümer oder gar die Mieter keine Verträge oder Verpflichtungen ein. Er könnte es zwar verweigern, aber da der Anschluss kostenfrei geschehe, gebe es laut Kremer keine Hinderungsgründe.

Wer im ersten Bauabschnitt nicht angeschlossen wird, der könne auf eine zweite Ausbauwelle hoffen. Dafür werden an den Hauptsträngen und Kreuzungen schon Schächte verbaut, an die man später einfach auch Anwohnerstraßen anschließen könne.

Rasend schnell: 1 Gigabit pro Wohneinheit

Zu den Geschwindigkeiten: Jede Wohneinheit erhält bis zu 1 Gigabit schnelle Anschlüsse. Das ist zehnmal so schnell wie ein derzeit gängiger High-Speed-Anschluss mit 100 Mbit. Zum Vergleich: Die über 60.000 Zuschauer fassende Arena auf Schalke ist mit 4 Gigabit angebunden, so Kremer, der angesichts der sportlichen Situation des FC Schalke süffisant sagte: „Zumindest die Daten sind dort schnell...“

Und wann wird Castrop-Rauxel komplett erschlossen sein? „Man kann nicht sagen, dass die Stadt in fünf Jahren komplett am Netz sein wird“, so Kremer. In der Heimat Gelsenkirchen baue Gelsen-Net seit 2002 Glasfaserleitungen - und man habe jetzt, also 17 Jahre später, 25 Prozent Abdeckung erreicht.

5G-Mobilfunk arbeitet für Netzaufbau mit Glasfaserkabeln

Aber: „Alle reden zurzeit über 5G, das schnelle Mobilfunknetz der neuen Generation“, so Kremer. „Aber es wird kein 5G-Netz ohne Glasfaser geben.“ Ansonsten bräuchte es für eine gute Netzabdeckung alle 200 Meter eine Mobilfunk-Antenne. „Was wir in Castrop-Rauxel machen, wird erst den Weg für 5G in der Stadt bereiten“, so Karsten Kremer. „Anders wird es nicht funktionieren.“

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