Diffuse Aussagen zu Schlägerei vor Kneipe am Hauptbahnhof in Castrop-Rauxel

hzKneipe am Hauptbahnhof

Eine Schlägerei vor der Kneipe Gleis 4 in Castrop-Rauxel: Was passierte im Juni 2019? Und wer ist der Hauptangreifer? Die Zeugenaussagen gehen auseinander. Ein 24-jähriger Stammgast gerät in Erklärungsnot.

Castrop-Rauxel

, 01.03.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kneipe Gleis 4 am Hauptbahnhof um 2.45 Uhr in den frühen Morgenstunden des 2. Juni 2019: statt Nachtruhe eine „Rangelei“ vor der Gaststätte. So nannten es zumindest mehrere Zeugen im Amtsgericht, geladen in einem Prozess, in dem es um schwere Körperverletzung ging.

Unter den Zeugen auch der Hauptleidtragende, ein 25-Jähriger, von mindestens einem Fausthieb getroffen. Eine aufgeplatzte Lippe und Prellungen am Kopf zeugten davon.

24-jähriger Stammgast konnte keine Erklärung liefern

Angeklagt wegen Körperverletzung waren zwei junge ehemalige Flüchtlinge aus dem Mittleren Osten. Inzwischen verfügen sie über gute Deutschkenntnisse und sind in Lohn und Brot. Beiden stand jeweils ein Verteidiger zur Seite.

Und diese beiden Juristen ergriffen für ihre Mandanten das Wort, aber nur um zu sagen, dass die beiden keine Angaben machen würden. Ihr gutes Recht. Wortreicher dagegen die fünf Zeugen. So bemühte sich ein 24-jähriger Stammgast redlich, die Situation zu schildern.

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Er habe einen der beiden Angeklagten vom Tresen aus erkannt und bemerkt, dass diesem der Einlass verwehrt wurde. Deshalb sei er mit seinem Freund, dem späteren Opfer, zur Tür gegangen, habe den Bekannten umarmt, sich dann ruhig mit ihm unterhalten.

Dann sei es unruhig geworden. Von irgendwo sei eine Faust gekommen, habe seinen Freund getroffen. Es entstand besagtes Gerangel. „Was verstehen Sie darunter“, wollte der Richter wissen. Eine genaue Definition blieb der Zeuge dem Richter schuldig. Auch eine genaue Erklärung dafür, dass er im Protokoll bei der Polizei von mehreren Faustschlägen gesprochen habe, blieb aus.

Messer gezückt, um Einlass zu erzwingen

Während er den einen der beiden Angeklagten wiederzuerkennen glaubte, waren deren Gesichter dem 44-jährigen Türsteher völlig fremd. „Die waren es hundertprozentig nicht“, sagte er. Es seien andere gewesen, drei oder vier, von denen ihn einer mit einem Messer bedroht haben soll, um Einlass zu erzwingen.

So habe sich das Gerangel in die Kneipe verlagert, Stühle und Glasscherben seien geflogen. Und eine Wolke Pfefferspray, mit dem der Wirt die Schlägerei beenden wollte, sich aber versehentlich selbst etwas außer Gefecht setzte.

Festzustellen blieb nach Anhörung weiterer Zeugen, die an besagtem Abend zum Teil rauchend oder dampfend vor der Tür gestanden hatten, dass es wohl drei oder vier Beteiligte gab.

Freispruch für die Angeklagten

Der Hauptangreifer soll aber ein anderer gewesen sein, ein Unbekannter, keinesfalls jemand von der Anklagebank.

„Ich muss feststellen, dass es uns trotz aller Bemühungen nicht gelungen ist, die Angelegenheit aufzuklären“, konstatierte der Strafrichter. Die Staatsanwältin zitierte den Grundsatz „in dubio pro reo“ – im Zweifel für die Angeklagten. So lautete das Urteil „Freispruch“.

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