Servietten und Tolstoi müssen im Notfall die Klopapier-Rollen ersetzen

hzCorona-Glosse

Darf man in dieser und mit dieser Krise Witze machen? Unser Autor versucht es, denn manche Not lässt sich nur mit Humor ertragen. Und genug Klopapier natürlich. Aber darum geht es hier nicht.

Castrop-Rauxel

, 25.04.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Klopapier-Mangel hat die ersten Wochen der Corona-Krise bestimmt. Natürlich stand auch unsere Gesundheit zur Debatte, aber gefühlt hat es mehr Hilferufe, Klagen und Beiträge über Toilettenpapier gegeben als über Krankheitssymptome.

Ich will hier nun auf keinen Fall den 100. schlechten Scherz über dreilagige und nicht vorhandene Rollenware machen. Mir hat die aktuelle Klopapier-Krise aber gezeigt, dass ich ganz persönlich für eine Katastrophe nicht gerüstet bin. Außer mit einer gewissen Entspanntheit vielleicht.

Ich bin offenbar ein Notstands-Versager

Wenn ich mir angucke, womit sich meine Mitmenschen vor und in der Not so alles ausgerüstet haben, was gelagert, gebunkert, gehamstert und vorbereitet wurde und wird, muss ich gestehen: Ich bin ein Notstands-Versager.

Es mag schon daran liegen, dass mein Vater nahezu alle Sammel-Gene auf meinen Bruder übertragen hat. Der sammelt und hortet einfach alles: Biergläser, Eisenbahnen, Holz, Kronkorken, Modellautos, Schrauben, Werkzeug, Autoteile. Ich dagegen habe es in meinem Leben nicht einmal geschafft, ein Panini-Album auch nur halbvoll zu bekommen.

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Und da auch meine Gattin zwar nicht gern wegwirft, aber keine echte Struktur-Verfechterin ist, passiert bei uns im Leben vieles aus dem Bauch heraus, spontan. Das ist mit organisierter Vorratshaltung nicht immer komplett kompatibel.

Und so sah unser Vorratskeller zu Beginn der Corona-Epidemie auch, nun ja, ich will es mal „leicht lückenhaft“ nennen, aus. Ein paar Pakete Kaffee hier, ein sehr überschaubares Nudel-Häufchen und die eine oder andere Packung passierte Tomaten, H-Sahne, eine halbe Kiste Wasser, reichlich Wein (sorry!) und fünf Rollen Klopapier.

Kurbelradio? Campingtoilette?

Als ich mir angesehen habe, was das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge (wird das eigentlich BuBeKa abgekürzt?) an Vorratshaltung empfiehlt, bin ich etwas blass geworden: Da wird von 3,5 Kilogramm Getreide, Getreideprodukten, Brot, Kartoffeln, Nudeln und Reis geschrieben, von 20 Litern Wasser oder ähnlichen Getränken (mein Wein gilt wahrscheinlich nicht), von 5 Kilo Hülsenfrüchten und Gemüse, von Kerzen, Streichhölzern, Feuerzeugen, Taschenlampen, Reservebatterien, Camping-, Spirituskochern mit Brennmaterial, von Campingtoiletten samt Ersatzbeuteln(??).

Endlich für die Krise gerüstet: Dank Vollvisiermaske darf für Thomas Schroeter die Maskenpflicht in Castrop-Rauxel und Dortmund kommen.

Endlich für die Krise gerüstet: Dank Vollvisiermaske darf für Thomas Schroeter die Maskenpflicht in Castrop-Rauxel und Dortmund kommen. © Thomas Schroeter

Ehrlich: Manche dieser Dinge habe ich im Leben noch nicht in der Hand gehabt oder benutzt. Auch behelfsmäßige Schutzkleidung, Schutzhelme oder ein Kurbelradio sind empfohlen, aber in meinem Haushalt nicht zu finden.

Versagen also auf der ganzen Linie im Hause Schroeter. Da hilft es sicher auch nicht, dass wir dafür (meiner Gattin sei Dank) über immense und jahreszeitlich wie anlassbezogen sehr breit gestreute Vorräte an Servietten verfügen, die ich ins Feld führen könnte.

Viele Landkarten anzubieten

Auch die Tatsache, dass ich - und hier habe ich offenbar doch einen kleinen Sammmelspleen meines Vaters geerbt - über eine beachtliche Menge an Landkarten sämtlicher Provenienz verfüge, dürfte im lokalen Katastrophenszenario wohl keine Hilfe sein. Wenn Sie aber in Notzeiten doch mal topographische Karten von Olfen, Ontario oder dem Osnabrücker Land brauchen sollten: ein Anruf genügt.

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Die Hamsterkäufer der Corona-Zeit haben mir dann endgültig klar gemacht, dass ich meine Papiervorräte, die sich auch auf eine größere Literatursammlung erstrecken, leider in den völlig falschen Produktgruppen angelegt habe. So werde ich, sollte die Krise sich ziehen, unzureichende Küchenrollen- oder Klopapier-Bestände nur notdürftig mit Häschen-Servietten, laminierten Wanderkarten des Chiemgaus oder den 750 Seiten von Tolstois „Krieg und Frieden“ ausgleichen können.

Aber ich bin lernfähig: Ich habe mich mittlerweile mit einer schmucken Vollvisiermaske ausgerüstet. Die Maskenpflicht immerhin darf also kommen.

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