Handel trotz Haft - Angeklagter weist Ebay-Betrug von sich

hzStimme soll überführen

Er soll aus der JVA heraus über Ebay für 400 Euro ein Smartphone verkauft haben. Der Käufer erhielt aber bis heute keine Ware. Doch der 59-jährige Angeklagte will es nicht gewesen sein.

Castrop-Rauxel

, 19.09.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 7. Mai 2018 wurde ein Interessent aus Fulda bei Ebay-Kleinanzeigen fündig. Ein Smartphone der Marke Huawei gefiel und weil der Käufer das Gerät möglichst schnell sein eigen nennen wollte, vereinbarte er mit dem Anbieter, die 400 Euro Kaufpreis nicht auf das angegebene Konto bei der Sparkasse Vest, sondern zur Auszahlung per Westernunion als Blitzauftrag zu überweisen.

Der im Deal genannte Verkäufer, ein 59-Jähriger Mann, sagte auf Anraten seines Pflichtverteidigers zunächst nichts. Und dann doch eine ganze Menge. Die Adresse, die im letzten Jahr bei Ebay genannt war, ist immer noch aktuell. Die Lerchenstraße in Ickern, die Justizvollzugsanstalt Meisenhof.

Papiere des Angeklagten gestohlen

Denn nicht nur Name und Adresse stimmten, auch die genannte Bankverbindung, die als ursprüngliche Zahlungsadresse genannt war. Dafür hatte der Angeklagte eine Erklärung.

„Mir sind in der JVA sämtliche Papiere gestohlen worden“, sagte er. Das war im Jahr 2015, als er bereits einmal einsaß, um eine Geldstrafe ersatzweise durch Haft abzugelten.

Dieb soll mit gestohlenen Papieren betrogen haben

Den neuen Ausweis, den er daraufhin beantragte, hat er wohl nicht vermisst. Fast vier Jahre lag das Dokument beim Amt, wurde erst im Januar 2019 abgeholt.

Seine Variante: Der Dieb hat seine Papiere genutzt, um unter einer falschen Identität diesen Betrug zu begehen. Kannte nicht nur die persönlichen Daten, sondern durch die Bankkarte auch die entsprechende Kontonummer.

„Komisch, dass zwischen Diebstahl der Papiere und dem Ebay-Vorfall drei Jahre liegen“, merkte der Richter an. Auffällig auch, dass der Angeklagte bis kurz vor der angeklagten Tat noch im Meisenhof inhaftiert war.

Tabletten, die die Erinnerungen getrübt haben sollen

Dennoch wies der 59-Jährige die Schuld weit von sich. „Ich habe in meinem Leben bestimmt kein straffreies Leben geführt“, sagte er. „Aber ich habe immer dafür meinen Kopf hingehalten.“ Er erklärte auch, dass er sehr krank sei, die Tabletten sein Gedächtnis trübten.

Dagegen ist die Erinnerung der betrogenen Käufer recht gut. Sie seien auch sicher, den Verkäufer an der Stimme wiederzuerkennen, weil sie mehrfach telefoniert hätten. Die Chance sollen sie bekommen, sie sollen zu einem Fortsetzungstermin geladen werden.

Trotz der unzureichenden Indizien und seiner Beteuerung, es nicht gewesen zu sein, will der Angeklagte die 400 Euro erstatten. Um seine Ruhe zu haben. „Notfalls gestehe ich die Straftat, obwohl ich sie nicht begangen habe“, sagte er. Doch der Richter will Fakten, bestellt die Käufer als Zeugen. Denn für den 59-Jährigen steht einiges auf dem Spiel, hat er gelogen, muss er schlimmstenfalls mit einer Haftstrafe ohne Bewährung rechnen.

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