Die Wiege in Castrop-Rauxel umsorgt 300 Schwangere im Jahr

Hebammenpraxis

Die Wiege wird 20 Jahre alt. In der Gemeinschaftspraxis in Castrop arbeiten sieben Hebammen. Eine meint: „Bevor der Mann von der Schwangerschaft erfährt, erfahren wir es.“

Castrop

, 12.12.2019, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Wiege in Castrop-Rauxel umsorgt 300 Schwangere im Jahr

Die Hebammenpraxis Die Wiege am St.-Rochus-Hospital wird 20 Jahre alt. Julia Wienkotte (v.l.), Lisa Kowalski, Maren Kruse, Bianca Khoury, Melanie Leupold, Marlies Glaßmeyer und Nicole Katzy gehören mit Denise Schluse und Marina Wolters (beide nicht im Bild) zum Team. © Jessica Hauck

Es war ein Samstag im Jahr 1999. Der Vorabend des 3. Advent. Kurz vorher war hier im Altbau an der Wittener Straße renoviert worden. Am Vortag wurden schnell noch die Räume geputzt. Dann ging es los: Die Wiege war geboren. Das Zentrum für Geburt und Familie am St.-Rochus-Hospital wird jetzt 20 Jahre alt. Für Tausende von Castrop-Rauxelern begann das Leben als Familie auch hier.

Die Räume an der Glückaufstraße standen damals über ein Jahr leer, nachdem eine Krankenpflegeschule ausgezogen war. Das kam zwei Hebammen gelegen: Sie hatten die Idee, am Rochus-Hospital als Beleghebammen zu arbeiten. Vorher hatte es nur festangestellte Hebammen dort gegeben, erzählt Marlies Glaßmeyer. Sie ist die Leiterin und Ehefrau des Chefarztes Dr. Michael Glaßmeyer, der nebenan im Rochus die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe führt.

So entstand vor 20 Jahren die Gemeinschaftspraxis „Die Wiege“. Die Nähe und die schnellen Wege zum Krankenhaus, aber auch eine familiäre Atmosphäre machen die Praxis bis heute aus.

Die Wiege in Castrop-Rauxel umsorgt 300 Schwangere im Jahr

Am 3. Adventswochenende 1999 hat die Hebammenpraxis die Wiege ihre Eröffnung gefeiert. © Jessica Hauck

20 Jahre später arbeiten sieben Beleghebammen in der Wiege. Fünf bieten Geburtsbegleitung an, zwei nicht. In der Wiege finden Familien Angebote für den Beginn der Schwangerschaft: Yoga, Geburtsvorbereitung oder Akupunktur. Es gibt Angebote für die Begleitung bei der Geburt im Krankenhaus bis zur Zeit nach der Geburt. Dann bietet die Wiege Rückbildungsgymnastik, Babymassage und Spielgruppen an. Neu sind Babybrei-Kurse und ab Januar Erste Hilfe am Kind.

Neue Beleghebammen gesucht

Die tolle Gemeinschaft mache den Reiz der Praxisgemeinschaft aus, sagt Maren Kruse, die als Kinderkrankenschwester Kurse in der Wiege gibt. „Jeder macht das, was er kann.“ Das Angebot werde gut angenommen, sagt Marlies Glaßmeyer. Eine Frau betreut die Hebamme Nicole Katzy beispielsweise schon bei ihrem inzwischen fünften Kind.

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Die Leiterin der Wiege hat einen Geburtstagswunsch: „Wir würden gerne noch ein oder zwei Hebammen mit Geburtsbegleitung einstellen.“ Denn über zu wenig Arbeit können sich die Hebammen der Wiege nicht beschweren. Im Gegenteil.

250 bis 300 Schwangere kommen jedes Jahr in die Kurse und Sprechstunden, sagt die Leiterin. „Wir haben so eine hohe Nachfrage, dass wir es manchmal kaum auffangen können“, so Marlies Glaßmeyer.

Viele Schwangere begeben sich schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft auf die Suche nach einer Hebamme. „Bevor es der Mann erfährt, erfahren wir es“, scherzt Wiege-Hebamme Lisa Kowalski. Tatsächlich sei es ein paarmal so passiert, pflichtet ihre Kollegin ihr bei.

Begleitung bei der Geburts im Rochus-Hospital

Der Vorteil der Beleghebammen sei das enge Vertrauensverhältnis, das sich mit den Schwangeren ergebe, sagt Marlies Glaßmeyer. Die Beleghebamme betreue die Frauen schon vor der Geburt bei Kursen oder Untersuchungen. Während der Geburt im Rochus-Hospital begleitet die Hebamme nur diese eine Frau.

Anders die festangestellten Hebammen im Krankenhaus: Sie betreuen mehrere Geburten gleichzeitig, wenn in zwei oder drei Kreißsälen parallel Geburten anstehen. Die Termine lassen sich nun einmal nicht planen.

Viele Beleghebammen gibt es derzeit nicht, sagt Marlies Glaßmeyer. Denn der Beruf bringe unregelmäßige Arbeitszeiten und viel Rufbereitschaft mit sich.

Das Team in der Wiege stehe Berufsanfängerinnen beim Schritt in die Selbstständigkeit gerne beratend zur Seite. Damit die Hebammen auch noch in den nächsten 20 Jahren noch Familien in der Wiege betreuen können.

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Zum 20-jährigen Bestehen

Jubiläums-infoabend im Januar

  • Die Wiege lädt zu einem Jubiläums-Infoabend für Donnerstag, 23. Januar 2020, ein. Ab 19 Uhr geht es im Konferenzraum II im Rochushospital schwerpunktmäßig um das Elterngeld.
  • Neben dem Vortrag gibt es ein Bü­fett für die Gäste und einen Prosecco für Nichtschwangere zur Feier des 20-jährigen Bestehens.
  • Die Wiege ist telefonisch erreichbar unter Tel. (02305) 9679526.
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