Warum es bei einer Herzrhythmusstörung wichtig ist die Medikamente einzunehmen

Medizin vor Ort

Vorhofflimmern kann mehrere Ursachen haben. Bei der Therapie dieser Herzrhythmusstörung kommt es vor allem darauf an, regelmäßig seine Medikamente einzunehmen. Dr. Jürgen Jahn erklärt warum.

Castrop-Rauxel

, 08.06.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Warum es bei einer Herzrhythmusstörung wichtig ist die Medikamente einzunehmen

Ein Schirmverschluss kann Vorhofflimmern beseitigen. © picture alliance/dpa

Dr. Jürgen Jahn, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus (EvK), schreibt in Teil zwei der Medizin-Kolumne „Medizin vor Ort“ über Herzrhythmusstörungen und deren Therapiemöglichkeiten.

Die absolute Arrhythmie bei Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die gern auch als Vorkammerflimmern oder Vorhofflimmern bezeichnet wird. Sie entsteht auf dem Boden einer Störung der elektrischen Aktivität im Herzen.

Wie eine Zündspule am Automotor

Die Tätigkeit des Herzmuskels wird durch einen elektrischen Impuls ausgelöst, wie auch ein Automotor durch die Zündspule gestartet wird. Statt einen Zylinder beim Motor besitzt das Herz zwei Vor- und zwei Hauptkammern, die durch den elektrischen Impuls synchron zur Kontraktion, also zum Zusammenziehen, gebracht werden.

Dadurch wird das Blut über die Vorkammern in die Hauptkammern gepumpt und von den Hauptkammern in die weiteren Organe gepumpt. Die elektrischen Impulse laufen bei jedem Pulsschlag nach einem klaren Schaltplan ab.

Warum es bei einer Herzrhythmusstörung wichtig ist die Medikamente einzunehmen

Dr. Jürgen Jahn ist Chefarzt am EvK © Volker Beushausen

Beim Vorhofflimmern ist dieser Schaltplan außer Kraft gesetzt, weil die Impulse nicht mehr über geordnete Bahnen laufen, sondern völlig irregulär über die Vorkammer auf die Hauptkammer treffen und somit die Synchronie aufheben. Das führt dazu, dass die Vorkammern und Hauptkammern nicht mehr synchron arbeiten und dadurch die Vorkammern die Hauptkammern nicht mehr ausreichend befüllen können.

Dadurch kann sich eine Herzmuskelschwäche entwickeln. Ferner verlangsamt das unregelmäßige Schlagen des Herzens den Blutfluss im Herzen. Das ist vergleichbar mit einem Blutstropfen auf der Haut, der nicht weggewischt wird. Er verklumpt und entwickelt sich zum Schorf.

Mögliche Folge: Schlaganfall

Passiert dieser Ablauf in einer Blutbahn, so nennen wir das Gerinnsel nicht Schorf sondern Thrombus. Dieser Thrombus kann sich lösen und über die Schlagadern in das Gehirn wandern, woraus durch das Verstopfen einer Ader des Gehirns ein Schlaganfall auftreten kann.

Patienten spüren überwiegend keine Beschwerden, weshalb diese Herzrhythmusstörung über lange Zeit unbemerkt bleiben kann. Manche Patienten verspüren ein Stolpern des Herzens, manche Luftnot und manche werden mit einer Herzmuskelschwäche im Krankenhaus aufgenommen. Bei manchen Patienten zeigt erst der Schlaganfall das Vorliegen des Vorhofflimmerns an.

Mehrere Ursachen von Vorhofflimmern

Überwiegend ist das Vorhofflimmern eine Erkrankung bei Älteren. Es kann auch durch eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße, eine Bluthochdruckerkrankung, einen Herzklappenfehler oder eine Überfunktion der Schilddrüse ausgelöst werden. Um diese Ursachen abzuklären, ist es wichtig, dass kardiologische Untersuchungen bei diesen Patienten durchgeführt werden.

Je nach Ursache kann eine spezifische Therapie eingeleitet werden. Das Vorhofflimmern selbst ist gut behandelbar, wenn man durch ein Medikament den Herzrhythmus stabilisiert und durch ein Medikament zur Blutverdünnung den Schlaganfall zu vermeiden sucht.

Allerdings ist das Vorhofflimmern keine Grippe; das bedeutet, dass man die Medikamente, wenn es einmal festgestellt wurde, nicht mehr absetzen kann. Sollte man das dennoch tun, werden die Gefahren wie zum Beispiel ein Schlaganfall sicher wiederkommen.

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