Hickhack um Pflegegeld vor Gericht

CASTROp-RAUXEL Sie hatte keine Skrupel, mit der EC-Karte der verstorbenen Freundin Geld abzuheben. "Das stand mir zu, das war für die Pflege", beteuerte die angeklagte 51-Jährige am Freitag im Gerichtssaal. "Nimm, was dir zusteht", soll die Freundin wenige Tage vor ihrem Tod gesagt haben. Gemeint war Geld für die Pflege der 51-jährigen Schwester der Toten.

von Von Gabriele Regener

, 12.01.2008, 08:16 Uhr / Lesedauer: 1 min

Diese Arbeit hatte bis dahin die Verstorbene geleistet und dafür das Pflegegeld erhalten. In Absprache mit den Eltern, der Pflegebedürftigen selbst und deren Töchtern. Als sie jedoch - nur drei Monate vor ihrem Tod - die Diagnose Krebs erfuhr und schon bald zu schwach für die Pflegearbeit war, zog sie die Angeklagte hinzu.

Bar auf die Hand gab es das Geld

Für einige Tage im Februar und die Monate März, April und Mai machte die arbeitslose Angeklagte Forderungen wegen der geleisteten Pflege geltend. Geld, was sie laut Aussage der 85-jährigen Mutter der Pflegebedürftigen auch erhalten hat. Bar auf die Hand, vom ihrem Ehemann, dem Vater der Patientin. Denn er hatte ebenfalls eine Vollmacht, wie die inzwischen verstorbene Tochter und eine Enkelin.

Das Geld, nach einer Erhöhung der Pflegestufe gab es ab April statt 410 Euro nun 655 Euro, habe sie verteilt, gab die 85-jährige Zeugin an. 300 Euro an die Enkelin für die Haushaltsführung, 365 Euro an die Angeklagte.

Sieben Abbuchungen reigstriert

Das bestritt die 51-Jährige vehement und beharrte darauf, dass die Abhebungen vom fraglichen Konto - sieben an der Zahl über insgesamt 880,20 Euro, rechtens waren. Komisch nur, dass dazu sieben Abbuchungen mit den unterschiedlichsten Summen getätigt wurden. Verwirrend auch, dass die Verwandten der Kontoinhaberin, die ja selbst den Weg zur Bank nicht bewältigen kann, plötzlich keine und dann manipulierte Kontoauszüge erhalten haben wollen. Und schließlich ist es nicht ganz verständlich, warum der Ehemann der Verstorbenen die EC-Karte erst Ende Mai an die Bank zurückgegeben hat.

Also wahrlich kein schöner Moment für die hilfebedürftige Zeugin. Das Gericht konnte nur getreu dem Prinzip "Im Zweifel für den Angeklagten" das Verfahren wegen mangelnder Beweise einstellen. Auch wenn die Angeklagte schon eine Reihe einschlägige Vorstrafen hat und derzeit unter Bewährung steht.

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