Hitzeschlacht auf dem Wochenmarkt: Händler schließen ihre Stände früher

hzAltstadt im Hochsommer

Temperaturen über 30 Grad und eine stehende Luft. Der Altstadt-Wochenmarkt war am Samstag eine Hitzeschlacht. Händler schlossen ihre Stände früher als üblich – nicht nur wegen weniger Kunden.

Castrop-Rauxel

, 09.08.2020, 10:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Samstagmittag in der Castrop-Rauxeler Altstadt. Wenige Passanten schleppen Einkaufstüten. Ein kurzer Stopp am Obst- und Gemüsestand hier, noch ein paar Gewürze für den Grillabend dort. Der Schweiß rinnt – vor allem unter den Atemschutzmasken.

Viel Betrieb ist hier nicht – anders als in den Straßencafés und auf den Terrassen vor den Kneipen. Iris Andrä ist Verkäuferin am Geflügelstand. Sie nimmt es einigermaßen gelassen. „Ich habe das erwartet, die Hitze und es ist das letzte Ferienwochenende“, erklärt sie. „Die Leute sind ganz früh morgens gekommen. Gegen Mittag fehlen die Kunden.“

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Die Sonne brennt gnadenlos vom tiefblauen Himmel. Auf der Münsterstraße steht die Luft – gefangen von den Fassaden in den engen Gassen. Noch sind gut eineinhalb Stunden Marktzeit. Iris Andrä und ihre beiden Kolleginnen räumen aber bereits die Auslage.

Auch der Käsestand schließt früher

„Wir müssen aufpassen, dass die Ware nicht kaputt geht“, erklärt die Verkäuferin. Die Kühltheken kommen an ihre Kapazitätsgrenzen. Hinter der Theke und vor dem Verkaufswagen fühlt es sich noch ein paar Grad wärmer an. Der Grund: Die Abluft der Kühlaggregate erhitzt die Luft zusätzlich.

Der Käsestand gegenüber steht im Schatten der Geschäftszeile. Stück für Stück nimmt Kerstin Khouri den Käse aus der Auslage und wischt die Edelstahlflächen. „Ich schließe jetzt“, sagt sie. „Als verantwortungsvoller Händler prüfe ich die Temperatur.“ In der Theke liegt die mittlerweile bei zehn Grad. „Das ist nicht mehr verantwortbar.“

Einkäufer kamen eher noch am frühen Morgen auf den Wochenmarkt in der Altstadt. Gegen Mittag war der Besuch eher verhalten.

Einkäufer kamen eher noch am frühen Morgen auf den Wochenmarkt in der Altstadt. Gegen Mittag war der Besuch eher verhalten. © Uwe von Schirp

Bis 35 Grad Außentemperatur sei die Kühlung in ihrem Verkaufswagen ausgelegt. An diesem Hitze-Samstag ist die Grenze erreicht. Manche Kunden würden durchaus kritisch reagieren, wenn sie an Tagen wie diesen vor einem bereits verschlossenen Stand stehen. „Wenn der Käse wegfließt, mögen sie ihn aber auch nicht kaufen.“

Händler freuen sich auf den Feierabend

Kerstin Khouri freut sich wie ihre Händler-Nachbarn auf den Feierabend: auf den Garten und kühlende Erfrischungen. Ihren Standplatz räumen kann sie in der dicht an dicht stehenden Wagenreihe noch nicht. „Wenn ich die Klappe runter mache, ist der Wagen aber wie ein Kühlschrank. Und die kurze Strecke bis nach Hause bleibt die Ware kühl“, sagt sie. „Jetzt ist auf jeden Fall Ende im Gelände.“

Gut 100 Meter entfernt in der Straße Am Markt ist es schattig. Ohne die warme Luft der Kühlaggregate fühlt es sich spürbar kühler an. Edgar Dzielak grüßt aus seinem Wagen die vorbeigehenden Passanten: „Guten Tag!“ Viele kennt er, viele auch nicht.

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Dass auch Stammkunden an diesem heißen Sommertag Kartoffeln und Eier mit Missachtung ‚strafen‘ und den Umsatz schmälern, stört ihn nicht. „Das macht die Erfahrung“, sagt er. „Wenn ich gleich zuhause Kotelett, Möhren und Kartoffeln auf dem Teller habe, rolle ich auch mit den Augen.“

„Ich bin froh, dass ich kein Dachdecker bin“

Das allerdings gebe es an einem solchen Tag nicht zu Mittag. „Meine Frau kennt mich. Da gibt es Tomatensalat oder Gurkensalat oder beides.“ Das Essverhalten sei an Hochsommertagen eben ein anderes, weiß der 54-Jährige. Seit Kindesbeinen steht er auf dem Markt, übernahm später nach einer Ausbildung zum Industrieelektriker den elterlichen Betrieb.

Edgar Dzielak liebt spürbar seinen Beruf als Markthändler. Die Hitze konnte seine Kundenfreundlichkeit überhaupt nicht schmälern.

Edgar Dzielak liebt spürbar seinen Beruf als Markthändler. Die Hitze konnte seine Kundenfreundlichkeit überhaupt nicht schmälern. © Uwe von Schirp

„Haben sie niemanden zum Schleppen?“, spricht er eine mit Einkaufstaschen bepackte Kundin an. „Nein“, entgegnet sie mit Blick auf die Kartoffeln. „Ich brauche noch große Kartoffeln zum Grillen. Muss ich da eine bestimmte Menge kaufen?“ Edgar Dzielak verneint, hält fünf Kartoffeln in den Händen und sucht weitere in gleicher Größe heraus.

Die Kundin ist zufrieden. „Was macht das?“ Dzielak lächelt: „Für dieses Gespräch 3,80 Euro.“ Das Thermometer zeigt 31 Grad im Schatten. Der Kartoffelhändler liebt spürbar seinen Beruf. „Den kann ich auch noch mit 70 machen. Was bin ich froh, dass ich kein Dachdecker bin.“

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