Höherer Anteil an Kaiserschnitten: Geburtsmethode hat Vorteile - und Risiken

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Viele Kinder im Kreis Recklinghausen wurden im Jahr 2018 per Kaiserschnitt zur Welt gebracht - mehr als im NRW-Durchschnitt, wenn man den Anteil an der Gesamtzahl der Geburten betrachtet.

Kreis Recklinghausen

, 12.07.2020, 07:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Jahr 2018 wurden laut aktuellen Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW im Kreis Recklinghausen 1.479 von 4.347 Kindern per Kaiserschnitt zur Welt gebracht. Das sind 34 Prozent aller Geburten.

„Damit liegt der Kreis Recklinghausen deutlich über dem NRW-Durchschnitt von 29,9 Prozent“, heißt es nun in einer Mitteilung der Krankenkasse IKK classic. Sprecherin Stefanie Weier sagt: „Der Bundesdurchschnitt liegt bei 29,1 Prozent. 1994 betrug der Anteil der Kaiserschnitte in Deutschland lediglich 17,3 Prozent. Die natürliche Methode wird also durch den Kaiserschnitt immer mehr verdrängt.“

Warum immer mehr Entbindungen per Kaiserschnitt erfolgen, ist nicht eindeutig geklärt. „Es gibt Situationen, in denen ein Kaiserschnitt medizinisch unumgänglich ist, beispielsweise um das Leben von Mutter und Kind zu schützen“, erklärt Stefanie Weier.

Methode birgt Gefahren

Aber die Situationen gab es früher wie heute. „In den meisten Fällen gibt es einen Ermessensspielraum, der von Ärzten und Krankenhäusern offensichtlich ganz unterschiedlich genutzt wird“, so die IKK-Sprecherin.

Hinzu kommt heute wohl, dass viele Frauen den Kaiserschnitt einer natürlichen Geburt vorziehen. Beispielsweise weil sie glauben, dies sei die sicherere Methode und sie Angst vor Schmerzen und Komplikationen haben. Oder weil sie so an einem bestimmten Termin entbinden können.

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Zwar sind die Komplikationen bei einem Kaiserschnitt dank des medizinischen Fortschritts zunehmend gesunken, trotzdem handelt es sich bei dieser Methode immer noch um einen großen medizinischen Eingriff. Gefahrlos ist das nicht.

Gesteigertes Risiko einer Thrombose

So haben beispielsweise Frauen nach einer natürlichen Geburt ein erheblich gesteigertes Risiko, eine Thrombose oder eine Lungenembolie zu bekommen. Bei einem Kaiserschnitt ist dieses Risiko noch höher. Außerdem haben Kaiserschnittkinder ein höheres Risiko, später an Diabetes Typ 1, Allergien, Asthma und Zöliakie, eine Überempfindlichkeit gegenüber Weizenbestandteilen in der Nahrung, zu erkranken.

Zudem wirkt sich ein Kaiserschnitt auf zukünftige Schwangerschaften aus. Durch die Narbe ist die Einnistung des Embryos in der Gebärmutter häufiger beeinträchtigt.

„Bei einem normalen Schwangerschaftsverlauf sollte deshalb die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts immer gut abgewogen und mit dem Arzt und der Hebamme besprochen werden“, sagt Stefanie Weier.

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