Hofläden sind im Trend, obwohl das wenigste, was es dort zu kaufen gibt, vom Hof kommt

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Zum Bauern fahren, Äpfel, Milch und Eier holen? Was altbacken klingt, ist im Trend. Die Hofläden in Castrop-Rauxel haben keine Probleme, sich gegen Wochenmarkt und Discounter durchzusetzen.

Henrichenburg

, 06.05.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein älterer Herr bestellt an der Fleischtheke ein Kaninchen, die Eltern der Verkäuferin suchen sich Aufschnitt aus. Nicole Risse hat bereits Äpfel und Kartoffeln im Korb, an der Kasse sucht ein Ehepaar aus der Spargelkiste die schönsten Stangen. Im Hofladen von Familie Klöcker herrscht Betrieb. „Wir kommen schon immer hierher, erklärt Nicole Risse, die den eineinhalbjährigen Knut mitgebracht hat. Das Angebot sei gut und alle seien nett.

„Wir punkten mit Qualität und Freundlichkeit“, sagt auch Birgit Klöcker, die mit ihrem Mann den Hof in der vierten Generation betreibt. Den Hofladen gibt es seit 22 Jahren, er sei immer gut gelaufen.

Im Gegensatz zum Verkauf auf dem Wochenmarkt. Dort habe die Familie 60 Jahre Spargel, Erdbeeren und Blumenkohl angeboten, doch im vergangenen Jahr war Schluss. Der Vorteil vom Hofladen seien die Öffnungszeiten. Markt ist morgens, der Hofladen hat auch nachmittags geöffnet. Das passt laut Birgit Klöcker besser zu den Lebensgewohnheiten von Familien, in denen heutzutage eben oft beide Elternteile arbeiten gehen.

Jeder Hofladen hat sich spezialisiert

Eine Hand voll Hofläden gibt es in Castrop-Rauxel. Jeder hat sich auf etwas Eigenes spezialisiert - beim Dingebauern gibt es beispielsweise Bioware, beim Heidbauern Ziegenmilch-Produkte und bei Menken Eier aus dem Hühnermobil.

Alles für den Hofladen selbst zu erzeugen, kommt für die Landwirte nicht in Frage: „Das schaffen wir nicht“, sagt Birgit Klöcker. Juniorchef Julian (25) hat seine Fleischerei auf dem Hof, damit wird die Theke im Laden gefüllt. Im Herbst gibt es Kürbisse aus eigenem Anbau, die Kartoffeln kommen von der Verwandtschaft aus dem Rheinland, die Milch vom Hof Billmann in Waltrop.

Und die anderen Waren? „Wir versuchen Produkte aus landwirtschaftlichen Betrieben zu kaufen, die sich auf Dinge spezialisiert haben“, erklärt Birgit Klöcker. Schließlich müsse sie den Kunden etwas bieten, was es im Supermarkt nicht gibt. Dazu gehören Nudeln aus einer Manufaktur in Süddeutschland und eingekochtes Obst in Weckgläsern.

Preislich mit dem Supermarkt mithalten

So ist es im wahrsten Sinne des Wortes ein Eiertanz - einerseits müssen die Hofläden eine gewisse Produktpalette anbieten, damit die Kunden kommen, andererseits darf die Ware nicht zu teuer sein.

Ludger Sanders betreibt seinen Hof mit dazugehörigem Laden ein paar hundert Meter neben dem Hof Klöcker. „Preislich halten wir mit Real, Edeka und Rewe mit“, erklärt er. Spargel, Kartoffeln, Kürbisse und Eier kommen aus eigenem Anbau. Der Rest wird auch hier zugekauft - „aus der Region“, wie Sanders erklärt.

Wobei „Region“ ja immer ein schwieriger Begriff ist. Das Gemüse kommt aus Waltrop, die Äpfel aus dem Alten Land. Meistens kennen die Landwirte ihre Lieferanten aber persönlich und können so die Kunden im Hofladen besser beraten.

Manuela Haake hat bei Sanders Eier, Obst und Gemüse gekauft: „Ich habe gerne frische Ware und Eier von glücklichen Hühnern, das gibt es hier“, erklärt die 48-Jährige, die als nächstes noch in den Supermarkt fährt.

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Die direkte Nähe der beiden Hofläden sieht Birgit Klöcker sportlich: „Konkurrenz belebt das Geschäft. Der Kunde entscheidet und Kunden gibt es genug.“ Das meiste seien Stammkunden, bunt gemischt, von jung bis alt.

Sowohl Sanders als auch Klöcker merken: Die Kunden kaufen immer bewusster ein, achten mehr auf Regionalität, Qualität und (wenig) Verpackung. Das gibt es im Hofladen inklusive Bauernhofcharme.

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