Lena Mreyen hat gute Voraussetzungen fürs Homeschooling. Das geht nicht allen ihren Klassenkameraden so. © privat
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Homeschooling und Corona: Mutter und Tochter erzählen aus ihrem Schulalltag

Seit Wochen lernen Schüler im Homeschooling. Das geht auch im Wechselunterricht so weiter. Wie läuft das zu Hause ab? Eine Schülerin und ihre Mutter schildern, was klappt – und was nicht.

Wie sieht der Schulalltag im Homeschooling aus? Wie digital ist der Unterricht? Wie groß ist die Belastung? Und klappt das alles? Die Ergebnisse unserer Schul-Umfrage zeigen, dass bei der Digitalisierung noch ganz schön viel Nachholbedarf besteht. Wir haben eine Schülerin und ihre Mutter gefragt, wie es bei ihnen zuhause aussieht.

Lena Mreyen (16) ist Schülerin in der EF (Einführungsphase zur Oberstufe, Klasse 10) des Adalbert-Stifter-Gymnasiums in Castrop-Rauxel. Ihre Mutter, Silke Mreyen, ist Elternvertreterin am ASG. Beide beschreiben ihren Alltag und ziehen Bilanz.

Wie sieht der Alltag in der Familie Mreyen aus?

Silke Mreyen: Unser Tag beginnt eigentlich wie in normalen Zeiten. Wir frühstücken zwischen 7 Uhr und 7.30 Uhr. Dann gehen bei uns alle ins Homeoffice, also Lena, mein Mann und ich. Feste Arbeitszeiten oder Lernzeiten gibt es nicht, aber wir strukturieren den Tag wie einen Arbeits- bzw. Schultag. Wir versuchen, jeden Mittag gemeinsam zu essen. Das klappt durch die Videokonferenzen, die wir alle haben, nicht immer, meistens aber schon.

Wie ist die technische Ausstattung?

Silke Mreyen: Sie ist hier sehr komfortabel. Das ist sicher nicht in allen Familien so. Wir haben jeder einen eigenen Arbeitsplatz mit PC und ein bis zwei Monitoren. Lena hat ein Laptop mit Dockingstation und somit auch einen weiteren Bildschirm zur Verfügung. Sie hat ein eigenes Zimmer und kann ungestört arbeiten.Lena Mreyen: Ich habe meine eigenen Geräte. Darüber bin ich sehr froh, vor allem, weil wir jetzt so viel digital machen müssen, dass das nur mit einem Handy gar nicht mehr wirklich machbar ist – oder jedenfalls nur sehr schwer.

Wie läuft der Distanzunterricht?

Lena Mreyen: Das variiert. Manchmal haben wir in einem Fach Videokonferenzen und manchmal bekommen wir einfach nur Aufgaben. Wie die nächste Stunde stattfinden wird – also ob Konferenz oder Aufgaben –, erfahren wir meist am Ende der letzten Stunde oder am Wochenende für die ganze Woche.

Wie digital ist der Unterricht?

Lena Mreyen: Wie die Lehrer ihren Unterricht digital umsetzen, ist sehr unterschiedlich. Einige machen nur Videokonferenzen und geben uns hin und wieder Hausaufgaben auf, andere arbeiten ausschließlich mit schriftlichen Aufgaben. In einem Fach bereitet mein Lehrer immer PowerPoint-Präsentationen vor, die wir dann zusammen in der Konferenz mit Inhalt füllen. In solchen Fällen merkt man – jedenfalls inhaltlich – keinen Unterschied zum Präsenzunterricht, da wir auch in der Schule immer schon mit PowerPoint-Präsentationen gearbeitet haben, was ich sehr gut finde. Diese wurden uns dann nachher über die Lernplattform zur Verfügung gestellt.

Und was ist die beste Variante?

Lena Mreyen: Am besten finde ich persönlich einen gesunden Mittelweg, wie es auch manche Lehrer machen. Dann haben wir beispielsweise nur über die Doppelstunde eine Videokonferenz und bekommen für die Einzelstunde eine kleine Aufgabe. So kann das Thema in der Konferenz ausreichend erklärt und dann anschließend allein bearbeitet werden. Dadurch sind es einerseits nicht zu viele Konferenzen und andererseits auch nicht zu viele Aufgaben.

Zu viele Aufgaben?

Lena Mreyen: Ja, gerade die Aufgaben bergen meiner Meinung nach die Gefahr, dass sie schnell zu viel werden können. Ich habe es oft, dass ich Aufgaben bekomme, die ich nicht in den drei Schulstunden erledigt bekomme, die ich in der Schule dafür hätte. Die Aufgaben kommen mir hier oft viel vor, was aber glaube ich daran liegt, dass wir nun alles schriftlich bearbeiten müssen. Manche Dinge hätten wir in der Schule einfach in der Gruppe besprochen und nicht einzeln ausarbeiten müssen.

Geht das allen Mitschüler so?

Lena Mreyen: An dieser Stelle spalten sich die Meinungen. Ich weiß, dass manche immer sehr viel Stress mit der Bearbeitung der Aufgaben haben, aber ich weiß auch, dass manche sagen, sie hätten kaum etwas zu tun. Zum einen hängt das einfach damit zusammen, welche Lehrer man hat. Wenn man nur Lehrer hat, die sehr viele Aufgaben schicken, dann häuft sich das natürlich. Zum anderen bearbeitet jeder Schüler die Aufgaben natürlich auch in unterschiedlichem Maße.

Wie ist der Kontakt zu den Mitschülern?

Lena Mreyen: Hin und wieder machen wir Gruppenarbeit über Teams. Dann haben wir Konferenzen nur mit Mitschülern, was immer eine nette Abwechslung ist. Außerdem hat man so wenigstens etwas Kontakt zu Mitschülern. Die Aufgaben, die wir zusammen erledigen, werden meistens in einer großen Konferenz mit allen verglichen und besprochen. Hierbei arbeiten die Lehrer auch sehr oft damit, dass man den Bildschirm teilt. So sehen die anderen, was erarbeitet wurde, und man hat quasi eine digitale Tafel.

Und zu den Lehrern?

Lena Mreyen: Da habe ich auch schon ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die meisten davon waren positiv. Besonders über den Chat von Teams kann man sehr gut und schnell kommunizieren. Oft habe ich sogar schon nach wenigen Minuten eine Antwort auf meine Fragen bekommen. Ich hatte es bis jetzt erst einmal, dass ich mehrere Tage auf eine Antwort warten musste. Das war natürlich blöd, im Generellen sind meine Erfahrungen jedoch eher positiv. Silke Mreyen: Die Kommunikation mit den Lehrern ist auch individuell sehr unterschiedlich. Lena bekommt eigentlich immer Rückmeldungen zu ihren Aufgaben. Aus den Rückmeldungen der Elternschaft zu diesem Thema wird aber deutlich, dass das nicht unbedingt bei allen so ist.

Wie sieht der Vergleich zum ersten Lockdown aus?

Silke Mreyen: Im ersten Lockdown hat Lena alle Aufgaben über einen eher umständlichen Weg bekommen. Da die Schule keinen Verteiler hatte, wurden die Aufgaben von den Fachlehrern zu den Klassenlehrern geschickt, von dort zur Klassenpflegschaftsvorsitzenden und von hier zu allen Eltern der Klasse. Auch die Informationen wurden über die Eltern verbreitet. Das war für alle ein ziemlicher Aufwand, aber es haben alle Eltern das ASG unterstützt. Jetzt im zweiten Lockdown hat sich das durch die Lernplattform stark verbessert. Mittlerweile bekommt Lena alle Aufgaben über die Lernplattform, und die generellen Informationen gehen direkt über einen Verteiler von der Schulleitung an alle Eltern und damit an die Schüler. Wir sind hier aus meiner Sicht ein sehr großes Stück weitergekommen.

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von anderen Eltern?

Silke Mreyen: Wie gesagt, das ist sehr stark vom Lehrer abhängig. In manchen Klassen wünschen sich die Eltern etwas mehr Rückmeldung. Viele Lehrer sind aber sehr motiviert und daran interessiert, den Unterricht immer besser zu gestalten. Es gibt Klassenlehrer, die regelmäßig an mehreren Tagen in der Woche ihre Klasse zusammentrommeln und fragen, ob es allen gut geht. Es gibt auch Lehrer, die auch in Nebenfächern sehr ausführliche Rückmeldungen geben und die Schüler dadurch motivieren. Verbesserungsbedarf gibt es in der Vereinheitlichung von bestimmten Dingen. Wo auf der Lernplattform werden welche Dinge abgelegt? In welchem Format? An welchen Tagen? Das ist aber ein Prozess, der sich langsam entwickelt, denke ich.

Und Ihre Bilanz als Elternvertreterin?

Silke Mreyen: Das ASG schlägt sich aus meiner Sicht hier sehr gut. Wir waren vor der Corona-Krise weit weg von digitalem Lernen. Durch einen sehr digital orientierten Schulleiter und eine wirklich konstruktive und unterstützende Elternschaft sind wir mittlerweile noch keine Profis, aber schon ziemlich gut geworden. Die Schüler haben in kurzer Zeit eine hohe Medienkompetenz erworben und sind somit für Studium, Ausbildung und Beruf bestens gerüstet. Das sind noch nicht alle, und es muss auch an die gedacht werden, die noch nicht gut ausgestattet sind. Aber alles in allem müssen wir uns nicht verstecken.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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