Hunderte Menschen warteten am Samstagmorgen vor dem Adventszelt in der Altstadt auf eine Booster-Impfung. © Uwe von Schirp
Coronavirus

Hunderte Menschen standen Schlange vor dem Impfzelt auf dem Marktplatz

Riesen Andrang vor dem Adventszelt in der Altstadt am Samstagmorgen. Bis auf den Biesenkamp standen die Menschen für einen Impf-Booster Schlange. Am Mittag gab es einige enttäuschte Gesichter.

Premiere im Adventszelt auf dem Markplatz in der Altstadt: Hunderte Castrop-Rauxeler stellen sich bei Eiseskälte am Samstagmorgen (27.11.) für eine Booster-Impfung an. Gegen 11.20 Uhr war klar: Die zur Verfügung stehenden Impfdosen werden nicht für alle reichen.

Die Letzten in der Schlange gehen über den Wochenmarkt oder zum Shoppen in die Altstadt – enttäuscht, aber ohne Protest. Eine Gruppe von rund 25 Männern und Frauen steht weiter an.

Sie haben zwar kein Zettelchen von den Mitarbeitern des Kreisgesundheitsamtes erhalten.

Das würde ihnen an diesem Samstag einen Booster garantieren. Aber sie haben Hoffnung, dass die eine oder andere Dosis von Biontec mehr da ist. „Sie bleiben auf eigenes Risiko“, sagt Lukas Walter. Er ist der Organisationsleiter im Impfzelt. „Eine Garantie gibt es nicht.“

Hoffnung am Ende der Schlange

Solche Szenarien sind nicht neu: Schon zu Jahresbeginn sorgte die Frage, wie viele Impfdosen die kleinen Fläschchen enthalten, für reichlich Diskussionen. „In einem Vial sind garantiert sechs Dosen“, erklärt Walter. „Je nachdem wie der Impfstoff aufgezogen wird, ist auch mal mehr drin.“ Die Hoffnung der Wartenden. „Wir ziehen das jetzt durch“, sagt eine Bankerin und lacht.

Zunächst geht es noch zügig voran. Drinnen sind viele Plätze in der Nachbeobachtung besetzt. 15 Minuten warten die Geimpften, ob der Pieks etwa zu Kreislaufproblemen führt. Die vollen Plätze zeigen, dass sowohl der Check-In am Eingang des Impfzentrums als auch das Impftempo der Ärzte schnell seien, erklärt Lukas Walter.

Gegen 12.40 Uhr stockt der Einlass. Offenbar haben Dr. Holger Knapp und Dr. Laura Christin Tillmann alle 228 garantierten Dosen injiziert. Es beginnt eine halbe Stunde des Wartens. „Ich verstehe nicht, warum nicht mehr Impfdosen zur Verfügung stehen“, sagt ein Mann.

Die Frage hat Lukas Walter zuvor im Gespräch mit dieser Redaktion beantwortet. Nach den Vorgaben des Landes NRW hätten noch weniger Impfdosen zur Verfügung gestanden. Es sind Hochrechnungen, wie viele Impfungen ein Arzt pro Stunde vornehmen kann.

Kreis hat Kontingent aufgestockt

„Dr. Knapp impft doch so schnell“, sagt der Mann. Das weiß auch Lukas Walter. Im Zuge der Vorbereitung habe der Kreis deswegen nach Rücksprache mit Holger Knapp das Kontingent um 15 Vials aufgestockt. Das entspricht 90 Dosen.

Ende aller Hoffnungen: Gegen 13.15 Uhr erklären Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, dass alle Dosen verimpft sind.
Ende aller Hoffnungen: Gegen 13.15 Uhr erklären Mitarbeiter des Gesundheitsamtes, dass alle Dosen verimpft sind. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Gegen 13.15 Uhr erklären Mitarbeiter den Wartenden, dass alle Dosen verimpft sind. „Ich bin schon enttäuscht“, erklärte eine Beschäftigte der Caritas im Live-Stream unserer Redaktion am Vormittag, als sie kein Zettelchen mehr bekommen hatte. Immerhin habe sie bereits einen späteren Termin beim Betriebsarzt.

„Ich habe am 22. Dezember einen Termin bei meinem Orthopäden“, erzählt die Bankerin. „Eigentlich ist mir das mit Blick auf den Schutz zu knapp vor Weihnachten. Ich will zu meinen Eltern, sie sind über 80 und ich habe sie schon letztes Jahr nicht besuchen können.“

Warten zahlt sich nicht aus

Die Hoffnung ist zerstoben. Die Stunden des Wartens und Frierens zahlen sich nicht aus. Zumindest hat die Sonne für ein wenig Licht und Wärme gesorgt. Die kleine Gruppe am Ende der Schlange verlässt ein wenig enttäuscht den Weihnachtsmarkt.

„Die Leute sind dankbar, dass wir überhaupt die Aktion machen“, berichtet Lukas Walter von der Stimmung im Impfzelt. „Jede Impfung ist eine gute Impfung. Es geht darum, mit dem Boostern die vierte Welle zu brechen.“ Er ist mit der Aktion auf dem Marktplatz zufrieden.

Nachmittags haben das Kreisgesundheitsamt und die Ärzte die improvisierte Impfstelle wieder den Betreibern von „Ab ins Zelt“ übergeben. Am 11. Dezember (Samstag) wird das Adventszelt erneut zum Impfzelt: Dann wiederholen Dr. Holger Knapp und das Kreisgesundheitsamt die Aktion.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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