„Ich will bei der Eingewöhnung dabei sein“: Svenja Zigard kommt schlecht zum Kindergarten

hzVilla Kunterbunt

Rollstuhlfahrerin Svenja Zigard war froh, als sie hörte, dass ihr Sohn in die Villa Kunterbunt darf. Die Kita ist barrierefrei und nah. Leider musste sie umziehen. Das macht es kompliziert.

Ickern

, 23.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Svenja Zigard fiel ins Koma als ihr Kind knapp ein Jahr alt war. Als sie aufwachte war sie querschnittsgelähmt und musste sich ins Leben zurückkämpfen. Schritt für Schritt. Hilfe bekommt sie von ihrer Familie und von Freunden. Für ihren Sohn Luca hat die 30-Jährige einen Platz in der Villa Kunterbunt bekommen. Bei all den Problemen, die die Rollstuhlfahrerin hatte, war das eine gute Nachricht.

Der Kindergarten ist bei ihr direkt um die Ecke und außerdem barrierefrei. Das ist wichtig, besonders für die Anfangszeit, in der sie Luca eingewöhnen muss, ihn also im Kindergarten begleitet. Doch dann der Schock: Im Kindergarten trat ein Wasserschaden auf, der gesamte Betrieb wurde in die Aapwiesen ausgelagert.

„Ich bin noch ein Baby im Rollstuhl“

Im Pavillon der ehemaligen Janusz-Korczak-Gesamtschule läuft der Betrieb jetzt weiter. „Da komme ich gar nicht hin“, erklärt Zigard und hat damit zunächst ein Problem, was andere Eltern auch haben, die vorher ihre Kinder zu Fuß gebracht und abgeholt haben. Doch Svenja Zigard sitzt im Rollstuhl. „Ich bin noch ein Baby im Rollstuhl“, erklärt sie. Und meint: Sie muss sich an den fahrbaren Untersatz erst gewöhnen. Vor allem müssen sich ihre Arme daran gewöhnen. „Ich bin schnell erschöpft.“

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Stadt Castrop-Rauxel will der Familie helfen

Wenn sie aus dem Haus will, muss ihr Mann sie tragen, denn vor dem Haus sind Stufen. Nächste Hürde: „Ich habe kein Auto, das ich fahren kann“, erklärt Zigard. Ein rollstuhlgerechter Umbau würde rund 15.000 Euro kosten. Geld, das die Familie derzeit nicht hat. Um mit ihrem Kind in die Aapwiesen zu kommen müsste Svenja Zigard demnach mit dem Auto dorthin gebracht und auch wieder abgeholt werden. Für den Bus fühlt sie sich nicht fit genug.

Das Provisorium an der Janusz-Korczak-Gesamtschule ist ebenfalls nicht barrierefrei, doch die Stadt will der Familie helfen. „Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden“, betont Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi. Der Haupteingang des Provisoriums führe über Treppen, es sei aber ein anderer Zugang gefunden worden, der barrierefrei ist. Lucas Gruppe sei dann im Erdgeschoss und der Schlafraum auch. „Wenn etwas nicht klappt, muss man eventuell im laufenden Betrieb nochmal nachsteuern“, erklärt Fulgenzi.

Arbeiten an der Zechestraße dauern noch an

Die Eingewöhnung für Luca beginnt Mitte September. Svenja Zigard ist noch unsicher, ob sie das Abenteuer in den Aapwiesen beginnen soll. Sie hofft, dass die Arbeiten an der Villa Kunterbunt schnell abgeschlossen werden. „Eine Weile kann ich ihn noch zu Hause betreuen“, erklärt Zigard. Sie möchte ungern, dass Luca von jemand anderem eingewöhnt wird. „Ich bin eine Mama wie jede andere auch. Ich schimpfe genauso, ich tröste genauso und ich will dabei sein, wenn mein Kind im Kindergarten eingewöhnt wird.“

Wann die Arbeiten an der Zechenstraße abgeschlossen werden können, steht jedoch noch in den Sternen. Ein Gutachter versucht durch Bohrungen in und um dem Gebäude herauszufinden, wo das Wasser herkommt. Nicole Fulgenzi: „Wenn die Ursache gefunden ist, können die notwendigen Maßnahmen durchgeführt werden.“

BARRIEREFREIHEIT

DIE GESETZESLAGE IST IN DIESEM FALL SCHWIERIG

  • Artikel 24 der UN-Konvention über die Rechte von Menschen enthält das Ziel der Barrierefreiheit. Deutschland hat sich verpflichtet, allen Menschen die eine Behinderungen haben das Recht auf Bildung zu ermöglichen.
  • Kindertageseinrichtungen müssen in dem allgemeinen Besucherverkehr dienenden Teilen auch für Menschen mit Behinderungen, alte Menschen und Personen mit Kleinkindern barrierefrei zugänglich sein.
  • In Kindertageseinrichtungen, in denen auch Kinder mit Behinderung betreut werden, ist die Barrierefreiheit in allen den Kindern zugänglichen Bereichen sicherzustellen.
  • In diesem speziellen Fall ist Svenja Zigard aber weder das zu betreuende Kind, noch eine „allgemeine Besucherin“. Daher ist die Gesetzeslage kompliziert.
  • Aus der Pressestelle der Stadt Castrop-Rauxel heißt es: „Die städtischen Tageseinrichtungen sind für alle beschriebenen Personengruppen barrierefrei zu erreichen. Auch in Räumlichkeiten, die vorübergehend genutzt werden, ist der Stadt daran gelegen, barrierefreie Zugänge zu ermöglichen.“
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