Castrop-Rauxel in der NS-Zeit: In Habinghorst gab es die meisten Nazi-Straßennamen

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Während der Nazi-Zeit wurden viele Straßen in Castrop-Rauxel zu Ehren von Schlachten oder Kriegsveteranen umbenannt. Auch die B235 bekam den Namen eines Politikers.

von Jost Berendes

Castrop-Rauxel

, 22.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zur NS-Zeit wurden nach Angaben des Instituts für Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe deutschlandweit Straßen und Plätze umbenannt, auch in Castrop-Rauxel. In Habinghorst wurden vier Straßen umbenannt, in Ickern und Rauxel jeweils drei und in Castrop zwei sowie eine Straße, die durch die beiden Stadtteile Castrop und Rauxel führt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie wieder umbenannt. Mittlerweile existiert keiner der belasteten Straßenamen mehr.

Die bekannteste Straße ist die Lange Straße in Habinghorst. Zuvor hieß sie Kronprinzenstraße, bis sie am 18. April 1933 in die Adolf-Hitler-Straße umbenannt wurde. Aufgrund dieses Namenswechsels wurde am selben Tag der Marktplatz in Kronprinzenplatz umbenannt, vermutlich als Ersatz für die Kronprinzenstraße.

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Auch die Oberschlesienstraße, zuvor Nordstraße, wurde umbenannt. Dies geschah am 17. August 1933. Seit dem 26. Juli 1945 heißt sie wieder Nordstraße. Ebenfalls in Habinghorst befindet sich die Wartburgstraße, die bis zum 17. August 1937 Kaiserstraße hieß. Ab diesem Tag war der Name der Straße Hermann-Wegner-Straße. Wer Hermann Wegner war, lässt sich heute nicht mehr klären. Laut dem Institut für Regionalgeschichte des LWL ist über ihn nichts mehr bekannt.

Erst hieß sie Kaiserstraße, dann trug sie einen Namen eines Mannes, von dem Historiker heute nicht mehr wissen, warum er Namenspate wurde. Heute ist es die Wartburgstraße.

Erst hieß sie Kaiserstraße, dann trug sie einen Namen eines Mannes, von dem Historiker heute nicht mehr wissen, warum er Namenspate wurde. Heute ist es die Wartburgstraße. © Thomas Schroeter (Archiv)

Auch in Ickern wurden Straßen umbenannt. Eine neue Straße, von der unklar ist, wann sie gebaut wurde, bekam den Namen Narvikstraße. Pate dafür stand die Schlacht von Narvik, eine Hafenstadt in Nord-Norwegen, die von deutschen Truppen 1940 erobert wurde. Auf dem Stadtplan vom Januar 1939 war sie noch nicht verzeichnet. Auch sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg wieder umbenannt und heißt seitdem Damaschkestraße.

Ebenfalls in Ickern liegt die Heinestraße. Sie wurde am 3. Dezember 1934 in Tannenbergstraße umbenannt. Tannenberg ist eine Stadt in Masuren im heutigen Polen, in der Paul von Hindenburg nach seinem Tod gegen seinen Willen beigesetzt wurde. Heute heißt die ehemalige Tannenbergstraße wieder Heinestraße.

Die dritte Ickerner Straße, die in der Zeit des Nationalsozialismus umbenannt wurde, ist die heutige Amselstraße. Sie wurde neu gebaut und am 24. August 1938 in Walter-Flex-Straße umbennannt. Flex war ein Kriegsfreiwilliger im Ersten Weltkrieg, der 1917 gefallen war. Die NSDAP vereinnahmte ihn für ihre militärisch-jugendpolitischen Ziele.

In Rauxel befindet sich die Rosenstraße, die bis zum 3. Mai 1937 Jahnstraße hieß und ab diesem Tag den Namen Admiral-Scheer-Straße trug. Reinhard Scheer war Chef der Hochseeflotte und Kommandeur in der größten Seeschlacht des Ersten Weltkrieges.

Ebenfalls in Rauxel ist die Ahornstraße. Ab dem 24. August 1938 hieß sie Boelcke-Straße, nach Oswald Boelcke benannt. Er war Jagdflieger im Ersten Weltkrieg und wurde von der Nazi-Propaganda als Nationalheld dargestellt.

Auch die Birkenstraße in Rauxel wurde in der Nazi-Zeit neu gebaut. Ab 24. August 1938 hieß sie Immelmann-Straße und wurde nach Max Immelmann benannt, der Aufklärungs- und Jagdflieger im Ersten Weltkrieg war. Auch er wurde und als Vorbild für die Luftwaffe angesehen.

Zwei Straßen in Castrop benannten die Nazis zu Propaganda-Zwecken um: die Beethovenstraße und die Tulpenstraße. Die Beethovenstraße wurde neu gebaut und am 27. Juni 1933 Schlageterstraße genannt. Albert Leo Schlageter war Soldat im Ersten Weltkrieg und später Mitglied der GDAP (Großdeutsche Arbeiterpartei, eine Tarnorganisation der NSDAP).

Die Tulpenstraße wurde ebenfalls neu gebaut und hieß ab dem 3. Mai 1937 Graf-Spee-Straße. Namenspate war Maximilian Reichsgraf von Spee, der Kommandant und Vizeadmiral bei der Marine war.

Die Habinghorster Straße (B235) ehrte einen wichtigen NS-Politiker, ehe sie wieder umbenannt wurde.

Die Habinghorster Straße (B235) ehrte einen wichtigen NS-Politiker, ehe sie wieder umbenannt wurde. © Abi Schlehenkamp (Archiv)

Auch die zentrale Nord-Süd-Achse der Stadt wurde zur NS-Zeit umbenannt: die heutige B235, die Habinghorster Straße. Sie wurde am 23. Dezember 1936 von Verbandsstraße NS.VIII in Hermann-Göring-Straße umbenannt. Hermann Göring war NS-Politiker und preußischer Ministerpräsident. Er war wahrscheinlich der zweitmächtigste Mann in der NS-Zeit.

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