Der Blick von Mohammed Al Mayyah auf die Harkortstraße. Das Gebäude, in dem er wohnt, ist ebenso wie das gegenüber von einem Zaun umgeben und wird bewacht. © Al Mayyah
Coronavirus

Irakischer Flüchtling aus Quarantäne-Haus: Es ist wie im Gefängnis

Mohammed Al Mayyah (32) ist seit fünfeinhalb Jahren in Castrop-Rauxel. Er lebt gerade hinter Zäunen in einer Unterkunft der Stadt, in der Corona ausgebrochen ist. Wir haben mit ihm telefoniert.

Mohammed Al Mayyah ist vor fünfeinhalb Jahren aus dem Irak geflohen. Er kam nach Castrop-Rauxel und lebt heute mit seinen 32 Jahren in einer städtischen Unterkunft an der Harkortstraße in Merklinde. In einem Zweitbett-Zimmer. Seit einigen Tagen eingezäunt und eingesperrt.

Er denke manchmal, es sei „gut, manchmal schlecht“, sagt er, als wir am Montag (1.3.) mit ihm telefonieren. Er erzählt in gebrochenem Deutsch aus einem aktuellen Alltag: „80 Prozent hier im Haus sind gesund. Den ganzen Tag Zimmer, Kochen, zurück auf Zimmer.“ Das ist alles, was er tun könne. Wenig.

In seiner Flüchtlings-WG wohnen noch sieben andere Menschen. Zwei Dreibett- und ein Zweibettzimmer gibt es, dazu eine Küche und ein Bad. „Es ist jetzt wie in einem Gefängnis“, findet er. Aber er ist darüber doch nicht so richtig sauer.

„Drei Leute haben Ärger gemacht“

Das war bei anderen der fast 100 Bewohner anders: „Drei Leute haben Ärger gemacht“, erzählt er. „Zwei mussten raus, einer durfte bleiben. Aber der ist jetzt auch ruhig.“ Nach Informationen unserer Redaktion bedeutete „raus“ für den einen der beiden: in eine Klinik.

Und er selbst, wie geht er mit der Situation um? „Ich bin auch ruhig.“ Er habe Angst, sich mit Corona anzustecken. Sein Blick geht aus dem Haus heraus, auf die Straße, wo ein Sicherheitsdienst die Einhaltung der Quarantäne überwacht.

Polizisten stehen vor der städtischen Unterkunft an der Harkortstraße in Merklinde.
Polizisten stehen vor der städtischen Unterkunft an der Harkortstraße in Merklinde. © Helmut Kaczmarek/Foto112.de © Helmut Kaczmarek/Foto112.de

Das Wochenende, sagt die Stadt Castrop-Rauxel auf Anfrage unserer Redaktion, sei ruhig verlaufen. Anders also als der Freitagnachmittag, als die Lage vor Ort schwierig war. Da stellte die Stadt einen Bauzaun um die Häuser herum auf, weil es Brüche der Quarantäne-Verordnung vom 19.2. gegeben hatte. Sie holte dabei auch die Polizei zu Hilfe.

Wie lange dieser Zustand bleibt, ist nun offen. Nach dem Erhalt der letzten Testergebnisse aus der ersten Runde der Abstriche blieb es laut Kreis-Pressesprecherin Lena Heimers bei den bisher bekannten acht Positiv-Testergebnissen mit der hochinfektiösen britischen Virus-Mutation B.1.1.7. Alle anderen der knapp 100 Tests seien negativ ausgefallen.

In dieser Woche gibt es eine zweite Testreihe für alle Bewohner, die Corona-positiven wie die -negativen. Dazu kommt ein mobiles Abstrich-Team nach Merklinde. „Der erste Test ist ja eine Momentaufnahme“, erläutert Lena Heimers am Montag auf Anfrage.

14 Tage Quarantäne reichen normalerweise aus

Es könne sein, dass dabei bislang symptomfreie Menschen positiv getestet werden. „Aber es kann auch dabei bleiben, dass alle negativ sind, sodass nach der regulären Zeit von 14 Tagen die Quarantäne aufgehoben werden kann.“ Das wäre dann etwa am Freitag, wobei das eigentlich personenscharf nach dem letztem direkten Kontakt zur Corona-positiven Person berechnet werde.

Wann die Corona-Anordnung für die Häuser generell aufgehoben wird, ist Sache der Stadt.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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