Wer in Castrop-Rauxel mit dem Auto unterwegs ist, kennt die Suche nach einem Parkplatz. Und ist endlich einer gefunden, ist der zu eng. Ein Problem? Wir haben Autofahrer gefragt.

Castrop-Rauxel

, 20.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Wird man nach der oft zeitraubenden Suche nach einem Parkplatz endlich mit einer freien Lücke belohnt, stellt sich für Autofahrer die nächste Frage: passe ich da überhaupt rein? Denn oft sind die raren freien Stellen, um sein Vehikel abzustellen, ziemlich eng.

Dafür haben Deutschlands „Auto-Papst“ Ferdinand Dudenhöffer, Professor der Uni Duisburg-Essen und der ADAC zwei Ursachen gefunden.

Erstens sind die Autos in den vergangenen vierzig Jahren immer breiter geworden. Diese Entwicklung gilt für alle Wagenklassen, nicht nur der Ober- oder Mittelklasse. Auch zum Beispiel für den Opel Corsa. Die Ergebnisse seiner Studie zur Größe von Neuwagen hat Dudenhöffer im Mai 2018 veröffentlicht.

2,45 Meter sind laut ADAC zu wenig

Zweitens ist das seit Dezember 2016 in NRW vorgeschriebene Maß für die Breite von neu angelegte Parkplätzen mit 2,45 Meter zu klein. „Es ist uns nicht bekannt, wie man in NRW auf das Maß von 2,45 Meter gekommen ist“, sagt Tobias Scheffel vom ADAC Westfalen auf Anfrage unserer Redaktion.

Aber immerhin besser als das bis dahin gültige Maß von 2,30 Meter. Das stammte noch aus dem Jahr 1970. Anlagen die vor 2016 gebaut wurden haben übrigens Bestandsschutz auf Grundlage der geänderten Sonderbauverordnung (§ 125 SBauVO). Auch in Castrop-Rauxel. Weitere kommunale Spezialvorschriften zur Stellplatzgröße gibt es nicht, wie Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi mitteilt.

So müssen Parkplätze in Castrop-Rauxel gebaut werden

Für öffentliche Stellplätze gelten, so Fulgenzi weiter, in Castrop-Rauxel noch weitere Richtlinien. Für senkrecht zur Fahrbahn anzufahrende Parkplätze werden 2,50 Meter angesetzt, parallel zur Straße liegende Parkplätze sollen 2 Meter breit sein.

Wo genügend Platz sei, baue die Stadt parallel liegende neue Parkplätze jedoch bereits größer auf 2,20 Meter aus. Für Lkw seien bis zu 3 Meter vorgesehen, gerade in Gewerbegebieten. Gegenüber den 90ern habe sich hier bereits einiges getan: Damals waren als Breiten 1,80 bzw. 2,30 Meter vorgesehen.

Unterschiedliche Regelungen gebe es darüber hinaus beim Schrägparken in Abhängigkeit zu Begrenzungen beispielsweise von Gebäuden, Garagen oder Mauern. Hier könne die Anforderung an die Breite bei bis zu 2,90 Meter liegen. Behindertenstellplätze würden je nach Lage auf 3,50 bis 3,90 Meter angelegt.

Platz reicht, wenn man denn vernünftig parkt

Und wie sehen das die Autofahrer in Castrop-Rauxel? Bei einer Stichprobenartigen Umfrage der Redaktion am Donnerstag (18. Juli) auf drei Parkplätzen in und rund um die Castroper Innenstadt zeigt sich: Etwas entspannter, aber mit kritischem Blick.

„Ja, es wird schon enger“, sagt Erika Strieder, die wir im Parkhaus am EKZ Widumer Tor nach dem Einkaufen treffen. Die 80-Jährige vertritt aber auch die Einstellung: „Wenn alle ordentlich stehen, dann klappt das noch.“

K(r)ampf um mehr Platz zum Parken mit breiten Autos

© Matthias Stachelhaus

Etwas anders sieht es Martina Bachem (53). Sie verfolgt beim Parken eine Strategie. „Ich stelle den Wagen weiter hinten im Parkhaus ab, da ist eh mehr Platz.“ Sie habe da so ihren „Stammplatz“. Dafür muss Bachem zwar etwas weiter laufen, aber „ich bin ja auch noch ganz fit zu Fuß.“

Parkplätze am Altstadt Markplatz breiter

Auf dem Marktplatz treffen wir Thilo Simpson (60) und Dieter Sachweh („etwas älter als Thilo“). Die Parkplätze seien hier etwas breiter als früher, bzw. die Stellplätze im Parkhaus am Widumer Tor, so die einhellige Meinung.

„Es kommt natürlich auch darauf an, ob man sich auch vernünftig in die Parklücke stellt“, sagt Simpson mit Blick auf einen schwarzes Auto, dessen Fahrer das nicht so gut geschafft hat und ziemlich weit am linken Rand der Parklücke steht. „Kann in der Hektik der heutigen Zeit natürlich schon mal passieren.“ Für den nächsten Parkplatzsuchenden sei das trotzdem ungünstig.

Elternparkplätze für alle

Besser gefallen Simpson die extra breiten Parkplätze für Familien oder Behinderte im Parkhaus des EKZ. „Eigentlich müssten alle so breit sein. Es gibt ja auch Menschen ohne Behinderung, die etwas mehr Platz beim Aussteigen brauchen“, so seine Meinung.

Und eben jene speziellen Parkplätze stoßen auch auf Zustimmung von zwei Frauen, die wir kurz darauf an der Thomasstraße treffen, die hier aber nicht namentlich genannt werden wollen.

Sie praktizieren gerade ein Ritual, das allen Eltern mit kleinen Kindern bekannt sein dürfte. Kind und Kinderwagen müssen nach dem Einkauf in der Stadt im Auto verstaut werden.

Fahrrad für kurze Wege

Ihr Glück heute: Sie haben einen breiten Parkplatz an der Thomasstraße gefunden, viel Platz, um die Autotüren weit öffnen zu können. Deswegen ziehen sie, wie wahrscheinlich die meisten anderen Familien mit Kindern auch, Familienparkplätze vor. Die gebe es auch beim Real in Habinghorst.

Besser sei es aber noch, die kurzen Wege wenn möglich mit dem Fahrrad zu fahren. Da entfällt die Parkplatzsuche dann gleich ganz. Hier tut sich dann nur ein ganz anderes Problem auf. Optimal ausgebaut, sind die Fahrradwege in Castrop-Rauxel nicht. „Da könnte man sich mal bei den Niederländern was abschauen“, sagt eine der beiden Frauen von der Thomassstraße.

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