Kanadagans-Problem sollte man in Castrop-Rauxel komplett ausko(s)ten

hzKlare Kante

Kanadagänse im Stadtgarten beschäftigen einen Interfraktionellen Arbeitskreis. Ihr Vermehrungs- und Kot-Potenzial könnte vielleicht sogar für einen echten Gipfel reichen, hofft unser Autor.

Castrop-Rauxel

, 02.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Zweifel: Sie sind eine echte Plage, die eingewanderten Gänsearten wie die afrikanische Nilgans und die nordamerikanische Kanadagans. Die Kanadagänse haben sich laut Deutschem Jagdverband in den vergangenen Jahren sogar noch schneller ausgebreitet als ihre afrikanischen Artgenossen.

Nun vermehren sich die Tiere nicht nur wie die sprichwörtlichen Karnickel, sie neigen auch zum Koten. Das ist nicht ungewöhnlich im Tier- wie im Menschenreich, hier aber macht es eben die Masse.

Und die Kotmenge kann einem schon auf die Nerven gehen, wenn sie im öffentlichen Raum, also etwa im Stadtgarten, hinterlassen wird. Wenn es dann aber um die eigene Grundstückszufahrt oder den Vorgarten geht, wird der Mensch naturgemäß noch kotunfreundlicher.

Hundehalter kann man wenigstens ermahnen

Mit Hundebesitzern kann man schimpfen, man kann Schilder in den Vorgarten stellen, um Herrchen/Frauchen daran zu erinnern, dass das hier gerade kein Hundeklo ist. Bei Gänsen klappt das eher nicht – mangels Herrchen/Frauchen.

Und so hat sich die Castrop-Rauxeler CDU des Gänse-Themas angenommen. Erst gab es einen Runden Tisch des Bereichs Stadtgrün. Mit guten Ideen, aber offenbar ohne nachhaltige Wirkung. Die Gänse vermehren sich weiter, sch... fröhlich vor sich hin und machen inzwischen Familien-Spaziergänge auf der Glückauf- und der Wittener Straße.

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Was tun, fragte sich die CDU? Runden Tisch hatten wir schon, jetzt muss eine Ratsvorlage und ein Interfraktioneller Arbeitskreis her. Sie wissen schon: „Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man ′nen Arbeitskreis.“ In Politik-Kreisen wird das dann gern auch so fortgesetzt: „Kennst du das Ergebnis schon, gründe eine Kommission.“

So weit sind wir in Castrop-Rauxel noch nicht. Aber CDU, FDP und die anderen Parteien der Interfraktionellen Runde haben sich am Dienstag im Rathaus getroffen. „Sehr gute Beratungen. Hoffentlich wirken die Maßnahmen“, so postete SPD-Mann Malte Fercke anschließend.

Liberale ist offenbar keine Gänseflüsterin

Und die FDP-Stadtverbandschefin hat schon im Vorfeld der Runde eine lange Pressemitteilung verfasst, in der sie ihren Blick auf das Problem ausführlich erörtert, um die Ausführungen wie folgt selbst zu beschießen: „Die 39-jährige Liberale sagt von sich selbst, sie sei keine Gänseflüsterin und empfiehlt daher, kompetente Beratung vom Kreis dazu zu holen. Ein Vor-Ort Termin mit einem Experten ist sicher hilfreich. So haben auch Städte wie Köln und Moers das Problem in den Griff bekommen.“

Hmmmh. Da fragt man sich doch vielleicht, ob es nicht generell sinnvoll sein könnte, statt einer Interfraktionellen Runde von Kommunalpolitikern, die von Gänsen allesamt keine große Ahnung haben dürften, dem Bereich Stadtgrün einfach den unmissverständlichen Auftrag zu geben, sich an andere Städte zu wenden und dort die Erfahrungen abzufragen, um dann in Castrop-Rauxel ebenso zu handeln. Und Punkt.

Aber vielleicht bin ich zu simpel gestrickt oder zu wenig Politiker, um zu verstehen, wieso man nicht Fachleute mit der Lösung von Problemen beauftragt, von denen man selbst keinen blassen Schimmer hat.

Das hört sich nach einem Grisham-Thriller an

Ob jetzt dann auch noch die Bildung einer Kommission kommt? „Kanadagans-Kommission“ klänge richtig gut und so ein bisschen nach einem Thriller von Tom Clancy oder John Grisham.

Vielleicht erhält das Problem ja auch noch eine nationale oder gar internationale Note, dann könnten wir uns nach Arbeitskreis und Kommission sogar auf einen Untersuchungsausschuss zum „Kanadagans-Komplex“, einen ARD-Brennpunkt „Kanadagänse: Zerreißprobe in Castrop-Rauxel“ oder gar auf die Krönung der Arbeitskreis-Idee, einen G8-Gipfel, freuen.

Denn Kot-Probleme muss man offenbar richtig ausko(s)ten.

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