Michael Wöhrmann hat sich das Bein mehrfach gebrochen, weil die Straße nicht von Eis und Schnee geräumt war. © Ronny von Wangenheim
Verkehrssicherheit

Kein Winterdienst vor Vivawest-Haus: Jetzt geht Michael Wöhrmann an Krücken

Nach einem Beinbruch ist Michael Wöhrmann für Monate arbeitsunfähig. Schnee und Eis haben ihn zu Fall gebracht. Dabei wollte er nur Müll wegbringen. Seine Vorwürfe gehen an zwei Adressen.

Michael Wöhrmann (41) steht vor dem Haus Im Hagen 10. Ein Bein steckt in einem medizinischen Schuh, er humpelt auf Krücken ein paar Schritte. Ein komplizierter Beinbruch ist die Folge eines Sturzes bei Eis und Schnee. Dafür macht er den Hauseigentümer verantwortlich. Und er kritisiert die Stadt beziehungsweise den EUV.

An der Straße Im Hagen stehen viele Häuser der gleichen Bauart. Viele ältere Menschen wohnen hier, erzählt Michael Wöhrmann. Eigentümer und Vermieter ist wie bei Nummer 10 die Wohnungsgesellschaft Vivawest. Der Castrop-Rauxeler weist auf den Weg vom Haus zum Bürgersteig. „Nur hier war gestreut“, sagt er. Gut fünf Wochen ist das jetzt her. Viel Eis und Schnee lag auf den Straßen.

Schnee lag auch auf dem Bürgersteig vor dem Haus. „Hier wurde nicht gestreut oder geräumt“, sagt Wöhrmann und erzählt, dass er nur den Müll rausgebracht habe und dann kurz vor dem Haus stürzte. „Da hat es mir die Beine weggerissen“, sagt er. Die Folge: Wadenbein und Sprunggelenk sind gebrochen, Sehnen gerissen.

Im neuen Job fällt Michael Wöhrmann erstmal aus

Für Michael Wöhrmann ist das schwer auszuhalten. Gerade erst im September hat er eine neue Arbeit als Gebäudereiniger begonnen. „Mein Chef will mir den Job freihalten“, sagt er. Aber eine gewisse Unsicherheit bleibe. Er schätzt, dass er noch bis zu drei Monate nicht arbeitsfähig ist.

Generell werde sich hier nicht gut um die Grundstücke gekümmert, kritisiert er. Von Vivawest, so erzählt er, habe er nichts gehört. Ein Subunternehmer sei wohl für die Räumung der Straße zuständig. Und der gehe sehr nachlässig mit seinen Aufgaben um.

Der Bürgersteig in der Straße Im Hagen ist in einem sehr schlechten Zustand. Im Hintergrund sind die Mülltonnen zu sehen, bis zu denen Michael Wöhrmann über den nicht geräumten Bürgersteig lief.
Der Bürgersteig in der Straße Im Hagen ist in einem sehr schlechten Zustand. Im Hintergrund sind die Mülltonnen zu sehen, bis zu denen Michael Wöhrmann über den nicht geräumten Bürgersteig lief. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Ein Nachbar, der zufällig vorbeikommt, bestätigt das und berichtet von dem Wintereinbruch Anfang Februar. „Da kam einer bei dem Schnee mit zwei Eimern, da hat er schwupp, schwupp mal eben so ein bisschen gestreut“, erzählt er kopfschüttelnd.

Vivawest bestätigt auf Anfrage, dass man nicht selbst vor Ort tätig sei. „Die Verpflichtung zur Schnee- und Glatteisbeseitigung haben wir auf unser Tochterunternehmen, die HVG Grünflächenmanagement GmbH übertragen, die den Winterdienst seit vielen Jahren als kompetenter Dienstleister organisiert und ausführt“, schreibt Gregor Boldt, Fachbereichsleiter Presse bei Vivawest. In verschiedenen Quartieren setze der beauftragte Dienstleister Nachunternehmer für die Leistungserbringung ein.

Bürgersteig ist für ältere Menschen sehr gefährlich

Auf den Nachunternehmer, der damit auch die Verkehrssicherungspflicht übertragen bekommen habe, verweist Vivawest auch bezüglich des Unfalls von Michael Wöhrmann und dessen Ansprüchen. Wöhrmanns Anwalt sei darüber informiert. Wöhrmann selbst sagt: „Ich bisher keine Informationen dazu bekommen. Mein Anwalt hat auch nichts gehört.“

Er hat aber auch noch andere Kritik. Und die richtet sich an die Stadt und den Stadtbetrieb EUV. Der Bürgersteig sei in der Straße in einem katastrophalen Zustand. Ältere Menschen, die hier wohnen, liefen auf der Straße, vor allem wenn sie auf Rollatoren angewiesen seien. „In den Kurven ist das richtig gefährlich“, sagt er. An mehreren Stellen sammele sich auf dem Bürgersteig das Wasser. „Als es kalt wurde, war das blankes Eis.“ Und er fügt hinzu, es sei bei allem Unglück ein Glück, dass es ihn erwischt habe, und nicht einen älteren Menschen.

Auf die Schäden habe er die Stadt und den EUV auch bereits hingewiesen. Früher schon und jetzt nach seinem Unfall noch mal. Vivawest schreibt auf unsere Anfrage: „Über den Zustand des Bürgersteigs haben wir die Stadt informiert.“

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen
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