Müssen in Castrop-Rauxeler Grundschulen gerade hintenan stehen: Musikprojekte wie Jekits lassen sich kaum realisieren, heißt es. © dpa
Musikschulen

Keine Musikprojekte an Grundschulen: „Wir haben andere Baustellen“

Obwohl Grundschulen und Musikschulen wieder Unterricht vor Ort anbieten dürfen, liegen Musikprojekte für Grundschüler vorerst auf Eis. Die Schulen hätten derzeit größere Baustellen, heißt es.

Seit Anfang der Woche herrscht in Castrop-Rauxels Grundschulen nach Monaten des Distanzunterrichts wieder ein Hauch Normalität. Denn seit Montag (21. Februar) gibt es für Grundschüler in ganz NRW auch wieder Präsenzunterricht. Im Wechsel mit Distanzlernen.

Ebenso dürfen Schüler von der ersten bis zur vierten Klasse auch wieder direkt in den Musikschulen unterrichtet werden. Allerdings nur im Einzelunterricht. Und das bedeutet: Viele Projekte der Musikschulen, die sie neben dem regulären Unterricht anbieten, müssen weiterhin übers Internet laufen. Oder gar nicht.

Patrick Nagel, Leiter der Rock‘n‘Roll-Musikschule in Habinghorst, spricht etwa von Projekten mit Jugendzentren. „Die liegen jetzt erst einmal auf Eis“, sagt er. „Aber was will man machen, das ist nun mal gerade die Situation.“ Auch Musikprojekte an Grundschulen gibt es zurzeit nicht. Auch wenn sie erlaubt wären.

Kein Verständnis für Ausfall von Jekits

Oliver Settele, Leiter der Musikschule „Altes Rathaus“, hat nur wenig Verständnis dafür, dass auch die an den Schulen weiterhin ausfallen: „Dass Jekits nicht angeboten werden kann, finde ich sehr widersprüchlich. Musikschulen dürfen wieder öffnen, Grundschulen auch, es gibt kein Problem, in Kleingruppen zu üben“, meint der Musiker.

Oliver Settele, Leiter der Musikschule „Altes Rathaus“
Oliver Settele, Leiter der Musikschule „Altes Rathaus“ © Foto Fritsch © Foto Fritsch

Mit Jekits meint Settele das Programm „„Jekits – Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“ des Landes NRW, bei dem Musiklehrer Grundschülern für zwei Jahre Instrumental- , Gesangs- oder Tanzunterricht anbieten. Kostenfrei und als Teil der außerschulischen Aktivitäten findet der Unterricht in der Regel in den Räumen der Grundschule statt.

Konzept der Grundschulen: Absage von Jekits vor Ort

Und hier liegt das Problem: Die Grundschulen gehen ganz individuell mit dem Wechselunterricht um, mal wechseln die Klassenhälften tageweise, mal kommt vormittags die eine, nachmittags die andere Hälfte. Die Grundschulen in Castrop-Rauxel müssten also für das Musikprojekt ein Konzept entwickeln.

In einem Großteil der Fälle besteht dieses Konzept darin, den „Jekits“-Unterricht abzusagen. „Die Grundschulen wollen uns nicht“, meint Settele. Die „Jekits“-Lehrer und die Musikschule Rhein Ruhr, die das Projekt in Castrop-Rauxel koordiniert, dagegen würden gerne wieder unterrichten.

Dennoch kann Peter Thies, Geschäftsführer der Musikschule Rhein Ruhr, die Vorsicht der Grundschulen auch verstehen. „Die Räumlichkeiten an vielen Grundschulen sind meistens eher begrenzt. Da ist ein Musikunterricht unter Corona-Bedingungen praktisch nur schwer umzusetzen.“

Grundschulen sind eher vorsichtig

Ähnlich argumentiert Heike Wichmann, Direktorin der Erich-Kästner-Grundschule: „Wir bieten bei uns Tanzen als Teil des Jekits-Programms an. Das ist einfach nicht möglich unter Einhaltung der Schutzvorgaben.“

Angela Goldbach, Direktorin der Wilhelmschule, sieht das ganz ähnlich: „Die Jekits-Gruppe ist ja nicht Teil des Klassenverbands. Da wir aber zur Zeit konstante Lerngruppen für die Kinder schaffen wollen, sehe ich das eher schwierig.“ Außerdem bedeute auch der Musiklehrer, der schließlich nicht nur an einer Schule unterrichtet, ein erhöhtes Ansteckungsrisiko für die Schüler.

Geringe Priorität

„Um ganz ehrlich zu sein, haben wir organisatorisch gerade größere Baustellen als das Jekits-Prgramm. Wir müssen bereits darauf achten, dass die Buskinder so aufgeteilt sind, dass die Busse nicht überfüllt sind. Die Nachmittagsbetreuung muss in unseren Planungen berücksichtig werden. Da ist Jekits vorerst hintenan“, sagt sie.

Zudem würde das Programm ja nicht komplett auf Eis liegen. Wie bereits in den letzten Monaten gebe es immer noch die Möglichkeit für Online-Unterricht.

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Geboren in Dorsten, nach kurzem studienbedingten Besuch im Rheinland jetzt wieder in der Region. Hat Literatur- und Theaterwissenschaften studiert, findet aber, dass sich die wirklich interessanten Geschichten auf der Straße und nicht zwischen zwei Buchdeckeln finden lassen.
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